Die Mieter von Schloss Rauenstein bekommen, nachdem ihnen von der Stadt gekündigt worden ist, in den nächsten Tagen ein neues Angebot. Wie die Pressestelle der Stadt mitteilte, werde den Mietern ein befristetes Mietangebot "zu neuen Konditionen unterbreitet". Befristet heißt: "Bis über die Zukunft und weitere Verwendung des Areals Schloss Rauenstein von Seiten der Verwaltungsspitze und des Gemeinderats entschieden ist."

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Genau das ist das Problem: Die Zukunft des Schlosses ist offener denn je. Seit fast siebeneinhalb Jahren steht es regelmäßig auf der politischen Agenda. Erstmals im September 2011: Eine Interessengruppe um Johann Senner verkündete, dass sie zwei Hochschulen mit starkem Interesse am Aufbau eines echten Hochschulstandortes an der Hand hätten.

Schloss Rauenstein, seit 2011 im Gespräch für eine neue Nutzung, seit 2015 im Eigentum der Stadt Überlingen – konkrete Pläne sind derzeit nicht in Sicht.
Schloss Rauenstein, seit 2011 im Gespräch für eine neue Nutzung, seit 2015 im Eigentum der Stadt Überlingen – konkrete Pläne sind derzeit nicht in Sicht. | Bild: Hilser, Stefan

Hochschulpläne zerschlagen

Der Plan für einen Hochschulstandort, der beim Schlosskauf 2015 eine wichtige Grundlage darstellte, hat sich nicht nur zerschlagen. Die potenzielle Partner-Hochschule und zuletzt wohl wichtigste Mieterin auf Rauenstein, die Hochschule Ravensburg-Weingarten, packte im September 2018 ihre Sachen. Die Studenten zogen aus, womit der Stadt Pachteinnahmen verloren gehen, die für den Unterhalt des Gebäudes nötig wären. Schon vor dem Auszug der Hochschule deckten die Mieteinnahmen nicht einmal den Gebäudeunterhalt, wie Oberbürgermeister Jan Zeitler in einem Interview im Juli 2018 sagte.

Ex-OB Becker bremste

Früherer Eigentümer von Rauenstein war der Landkreis. Die Verhandlungen zum Kauf dauerten nahezu vier Jahre. Bereits im Februar 2014 hatte der Gemeinderat nichtöffentlich den Kauf beschlossen, doch bremste die frühere Oberbürgermeisterin Sabine Becker die Ausarbeitung des Vertrags. Einigung wurde erzielt, nachdem der Landkreis zustimmte, den Kaufpreis von 2,9 Millionen Euro auf fünf zinslose Jahresraten aufzuteilen, zahlbar ab 2018. Damit war der Deal nicht mehr Beckers Problem, sondern ihres Nachfolgers Zeitler, der es optimistisch anging. In einem Interview im Dezember 2017 sagte er, dass auch er den Preis für überteuert halte. „Der Preis ist hoch, das Gebäude jedoch interessant.“ Beim Neujahrstrunk an Dreikönig 2018 sprach er von "tollen Ansätzen". Hier werde es noch im Januar 2018 Gespräche geben.

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Ein halbes Jahr später, im Juli 2018, sagte Zeitler, dass im Gemeinderat nach wie vor der Wunsch bestehe, im Schloss eine Bildungseinrichtung unterzubringen. Ein eigenständiger Hochschulstandort sei allerdings utopisch. "Mir schwebt nach wie vor die öffentliche Nutzung vor." Zeitler machte Andeutungen, dass es in diese Richtung gute Gespräche gebe. Noch im Dezember 2018 war Zeitler ganz offensichtlich optimistisch. Denn im Interview mit dem SÜDKURIER zum Jahresende sagte er: "Unser Ziel ist es, dass wir über das Areal völlig frei verfügen können." Sprich: Die Mieter sollten raus, damit ein potenzieller neuer Mieter sich frei entfalten könne.

Befristetes Mietangebot der Stadt

Ganz offensichtlich haben sich hoffnungsvolle Gespräche zerschlagen und die geborenen Ideen als nicht umsetzbar herausgestellt. Denn am Mittwoch dieser Woche teilte Zeitlers Pressesprecherin auf Anfrage mit, dass die Stadt den vorhandenen Mietern neue Angebote unterbreiten werde, zu neuen Konditionen, und befristet, bis über die Zukunft des Schlosses entschieden ist.

Hochschule ausgezogen

Thomas Spägele, Rektor der Hochschule Ravensburg-Weingarten, hatte noch im Oktober 2016 dem Gemeinderat seine Pläne für Rauenstein offeriert. Die Hochschule war bisher wohl schon einer der größten Mieter. Wie Hochschulsprecher Oldenkotte gestern mitteilte, endete jedoch im September 2018 die noch mit dem Bodenseekreis geschlossene Nutzungsvereinbarung. Die Stadt Überlingen habe für ein weiteres Jahr ein Angebot gemacht, befristet auf September 2019. Die Befristung sei damit begründet worden, dass Schloss Rauenstein dann einer neuen Nutzung zugeführt werden solle. Das Zeitfenster von nur einem Jahr sei der Hochschule aber zu kurz gewesen, sie zog aus.

Schloss Rauenstein und der öffentlich zugängliche Park mit alten Bäumen.
Schloss Rauenstein und der öffentlich zugängliche Park mit alten Bäumen. | Bild: Hilser, Stefan

Weitere Mieter sind die Volkshochschule sowie die Kranken- und Altenpflegeschule der Justus-von-Liebig-Schule. Beide in Trägerschaft des Bodenseekreises. Der Pressesprecher des Landrats teilte auf Anfrage am Montag dieser Woche mit: "Wir waren von der Kündigung durchaus überrascht, weil es hier eigentlich sowohl auf Führungs- als auch auf Arbeitsebene einen regelmäßigen Kontakt gibt. Klar ist, dass beide Einrichtungen nicht einfach so von heute auf morgen ausziehen können, ohne dass es geeignete Ausweichmöglichkeiten gibt." Möglicherweise erreichten das Landratsamt die neuen Mietangebote aus dem Überlinger Rathaus noch gar nicht, denn der Kreis-Sprecher bekundete am Montag dieser Woche: "Wir prüfen, welche Möglichkeiten auf dem Campus der beruflichen Schulen in Überlingen bestehen. Aber das braucht noch etwas Zeit." Von der Stadt habe es nur ein "Signal" gegeben, "nicht Knall auf Fall aus Rauenstein ausziehen zu müssen".

Schloss Rauenstein.
Schloss Rauenstein. | Bild: Hilser, Stefan

Die VHS bietet auf Schloss Rauenstein pro Jahr (Frühjahr- und Herbstsemester) etwa 170 Kurse an. Drei Räume stehen der VHS exklusiv zur Verfügung, so Außenstellenleiterin Heidi Menges, bei Kursen am Abend können weitere Klassenzimmer genutzt werden. Wie Landratsamt-Sprecher Schwarz mitteilte, sei es übliche Praxis, dass die jeweilige Gemeinde für die VHS die Räume zur Verfügung stellt. "Hier warten wir auf einen Vorschlag der Stadt."

Welchen Weg nimmt Schloss Rauenstein?
Welchen Weg nimmt Schloss Rauenstein? | Bild: Hilser, Stefan

Die Stadt wiederum verweist auf den Kreis: "Bis jetzt", so Zeitlers Sprecherin, "haben sich keine Vertreter der VHS bei der Stadt gemeldet, mit der Bitte, Alternativräume nutzen zu können". Wobei betont wird: "Auch die VHS kann vorläufig bis zu genaueren Planungen im Schloss verweilen."

Auf die Frage, wie hoch die städtischen Ausgaben für Kapitaldienst und Unterhalt von Rauenstein sind, und welche Mieteinnahmen erzielt werden, gab es mit Verweis auf den Datenschutz keine Antwort von der Pressestelle. "Auch können wir keine gesicherten Angaben zu den genauen Unterhaltskosten machen, da uns lediglich für das Jahr 2013 eine Eröffnungsbilanz vorliegt."

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