Nicht einfach akzeptieren wollten zahlreiche Gemeinderäte die vermeintlichen Erklärungen und Entschuldigungen der Stadtverwaltung, insbesondere von Baubürgermeister Matthias Längin, zu den Verzögerungen bei der Sanierung der ehemaligen Kapuzinerkirche.

Handwerkliche Kunst aus dem 17. Jahrhundert spiegelt dieser sogenannte "Liegende Dachstuhl" als Tragwerkskonstruktion im Kapuziner wider.
Handwerkliche Kunst aus dem 17. Jahrhundert spiegelt dieser sogenannte "Liegende Dachstuhl" als Tragwerkskonstruktion im Kapuziner wider. | Bild: Hanspeter Walter

Diese muss bei der Gartenschau 2020 als Ausstellungshalle zur Verfügung stehen und soll dann zu einem ganzjährigen Veranstaltungsgebäude werden. Mit den Untersuchungen begonnen hatten die Restauratoren schon im Spätherbst 2017. Im Januar 2018 konnte sich der Ausschuss ein Bild von den Schäden machen, deren Aufnahme damals noch nicht ganz abgeschlossen gewesen war. Allerdings schrieb die Bauabteilung die ersten Arbeiten erst Ende März 2019 aus, nachdem der Gemeinderat mit seinem Antrag massiven Druck gemacht hatte.

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„Wir können nicht alle Krankenstände kompensieren“, versuchte Baubürgermeister Längin dies zu entschuldigen. Er sei froh, dass andere Mitarbeiter des Technischen Facility Management die erforderlichen Arbeiten übernommen hätten.

Zweiter Bauabschnitt ab dem Jahr 2021

Dazu gehört unter anderem Gerald Goldbach, der dem Gemeinderat die Sicherungsmaßnahmen am Dachstuhl und die dringlichsten elektrischen und brandschutztechnischen Ergänzungen für die Nutzung bei der Gartenschau erläuterte.

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Der zweite Bauabschnitt solle dann nach Festlegung des Nutzungskonzepts im Jahr 2021 in Angriff genommen werden. Die Kosten der erforderlichen Notmaßnahmen bezifferte Goldbach auf rund 250 000 Euro. Maximal die Hälfte davon komme der dauerhaften Sicherung zugute.

Enge Abstimmung mit dem Denkmalamt

Die Restauratoren Hans-Jürgen Klose und Thomas Schmidt zeigten noch einmal eindrücklich auf, wie marode die tragende Holzkonstruktion geworden ist. Teilweise seien über die Jahrzehnte unsachgemäße Veränderungen vorgenommen worden, teilweise seien Undichtigkeiten in Dach und Mauerwerk sowie Pilz- und Käferbefall dafür verantwortlich. Das Sanierungskonzept müsse eng mit der Denkmalpflege abgestimmt werden, betonte Statiker Philipp Pfoser.

Erster Schritt auf fünf Jahre angelegt

Zunächst müsse sie auf „additive Maßnahmen“ zur Sicherung der Konstruktion beschränken, die später allerdings die Grundlage für eine weitere Sanierung sein könnten. Der erste Schritt sei auf fünf Jahre angelegt und erlaube eine uneingeschränkte Nutzung, solange die Decke nicht belastet werde.

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Vor allem über den Zeitplan fühlten sich Ratsvertreter nicht korrekt informiert. Der Glaskubus im vergangenen Sommer habe schnell abgeräumt werden müssen, um angeblich mit den Bauarbeiten beginnen zu können, erinnerte Reinhard Weigelt (FDP). Doch passiert sei nichts. „Sie hatten uns dann die Ausschreibungen für Januar angekündigt“, wandte er sich an den Baubürgermeister.

Unterlagen erst am 25. März verschickt

Doch nun seien die Unterlagen erst am 25. März verschickt worden („Warum ist 16 Monate nichts gemacht worden?“), nachdem die Ratsfraktionen am 20. März umfassende Informationen gefordert und Akteneinsicht beantragt hätten. Letztere sei den Ratsmitgliedern im Büro selbstverständlich möglich, beteuerte OB Jan Zeitler ganz am Ende auf nochmalige Nachfrage von Marga Lenski (LBU/Grüne).

„Gott sei Dank haben wir die Landesgartenschau“

Stadtrat Robert Dreher (FWV/ÜfA) fühlte sich bei der Zeitachse an die Sanierung des Kindergarten St. Angelus erinnert. „Gott sei Dank haben wir die Landesgartenschau“, verwies er auf die äußeren Zwänge, die die Stadt nun zum Handeln nötigten. Wichtig sei ihm, dass der zweite Bauabschnitt durch die Notmaßnahmen später nicht behindert werde, sagte Günter Hornstein (CDU) und fragte nach Alternativen „Gibt es einen Plan B für die LGS?“

„Wir brauchen das Gebäude als Blumenhalle"

Es könne keinen Plan B für die Gartenschau geben, betonte Zeitler ausdrücklich. Gerade für die Floristin spielten Atmosphäre und Anmutung bei den Ausstellungen eine ganz wichtige Rolle. „Wir brauchen das Gebäude als Blumenhalle. Das kriegen wir hin.“ Um dies sicherzustellen habe man bei der Ausschreibung „sieben, acht denkmalfähige Firmen“ angeschrieben, erklärte Gutachter Klose, und diesen ganz bewusst ein möglichst großes Zeitfenster eingeräumt. „Nicht damit sie lange dazu brauchen, sondern dass sie etwas flexibel sind und auf die Witterung reagieren können“, erläuterte der Experte.

Marga Lenski zeigt sich verärgert

„Ich bin ungehalten, dass da solange nichts passiert ist“, schimpfte Marga Lenski hörbar verärgert. Die Verwaltung habe „billigend in Kauf genommen, dass wir vielleicht keine Handwerker bekommen“, sagte sie.„Sehr erschreckend“ waren für Silvia Kruse-Baiker (SPD) insbesondere auch die langfristigen Perspektiven. „Wenn wir Jahre warten müssen, müssten wir uns andere Veranstaltungsorte einfallen lassen. Oder wollen wir uns von der Kultur trennen?“

Roland Biniossek greift OB frontal an

Roland Biniossek nahm sogar Baubürgermeister Längin in Schutz und griff Oberbürgermeister Zeitler frontal an. „Sie können jetzt nicht den Dezernenten zum Prügelknaben machen“, wetterte Biniossek: „Das ist ein klares Führungsversagen.“ Monatlich habe er sich über die Situation informieren lassen, hielt Zeitler entgegen, bekannte allerdings auch: „Es liegt eine gewisse Dringlichkeit in dem Projekt.“