Es war eine außergewöhnliche Situation, zu der es kürzlich im Konstanzer Amtsgericht kam. Auf der Anklagebank: eine Frau aus Überlingen. Im Zeugenstand: zwei Jugendliche, 14 und 15 Jahre alt. Sie sagten gegen die 39-Jährige aus, sie habe ihnen zwischen April und September 2018 mehrfach Marihuana verkauft, um sich an ihnen zu bereichern.

Fassungslosigkeit im Gerichtssaal

Der 15-Jährige ist ihr eigener Sohn. Und der sorgte mit seiner Aussage dafür, dass seine Mutter noch am selben Tag zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt wurde. Die Abgabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige wird vom Gesetz als besonders strafwürdig angesehen. Bereits die Abgabe einer geringen Menge Cannabis an Minderjährige reicht für die Erfüllung des Tatbestands aus, und ist ein Verbrechen. Dass der Minderjährige auch noch das eigene Kind ist, sorgte im Gerichtssaal für Fassungslosigkeit, berichtet ein Prozessbeobachter.

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Die Eltern leben getrennt. Der Sohn könne sich aussuchen, wo er wohne, gehe dahin, wo er den geringsten Widerstand spüre, hieß es vor Gericht. Und weiter: erst lebte er beim Vater, als es ihm dort zu anstrengend wurde, zog er zur Mutter, die, selbst drogenabhängig, schwach und überfordert sei, ihrer Rolle nicht gerecht werden könne.

Sohn zeigt schließlich seine Mutter an

Dass ihr Sohn selbst eine Suchtproblematik entwickelte, habe sie in Kauf genommen. Auch, dass er dann irgendwann wochenlang auf der Straße lebte. Seine Eltern interessieren sich offenbar nicht für ihn, so der Beobachter. Doch dann habe der Vater initiiert, dass der Junge seine Mutter anzeigte, und vor Gericht als Zeuge gegen sie aussagte. Allerdings sei der Junge selbst kein unbeschriebenes Blatt, gegen ihn laufen bereits Verfahren.

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Kalt ließ die Geschichte im Gerichtssaal kaum jemanden, berichtet der Prozessbeobachter. Zwischen den Eltern sei der „blanke Hass“ zu spüren gewesen. Und die Richterin habe vor Wut auf den Tisch geschlagen, als der Anwalt der Angeklagten die Aussagen der jugendlichen Zeugen als unwahr darstellte. Das Urteil akzeptiert die Angeklagte nicht, sie ging in Berufung.