2008

Carlos Santana zeigte sich beim Salem Open Air 2008 schwer beeindruckt vom Salemer Münster. Der Anblick verleitete ihn gar zu der Aussage: „Er (Gott) ist mitten unter uns.“ (mkl)

Carlos Santana bei seinem Konzert in Salem 2008.
Carlos Santana bei seinem Konzert in Salem 2008. | Bild: Rüdiger Schall

2011

Wenn sich Schulprüfungen und Konzerttermin im Wege stehen

Der britische Songwriter James Blunt durfte am ursprünglich angesetzten Termin, dem 8. Juli 2011, nicht auf dem Schlossgelände auftreten, in der Schule Schloss Salem standen zu diesem Zeitpunkt Prüfungen an. Der Konzertveranstalter Allgäu Concerts musste sich für einen Ausweichtermin oder ein Ausweichgelände entscheiden. Blunt trat schließlich zehn Tage früher, am 29. Juni 2011, vor der Schloss- und Klosterkulisse auf. 2011 war auch das Jahr, in dem die Open-Air-Konzerte in Salem erstmalig unter strengeren Auflagen stattfanden.

Zuvor hatte sich die Schule Schloss Salem gegen Großkonzerte wie bei Pink oder Carlos Santana gewehrt, da das Areal zu stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Nachdem Pink im Jahr 2010 noch 10 000 Besucher auf das Schlossgelände lockte, einigten sich Vertreter von Finanzministerium, Schule Schloss Salem und Gemeinde, dass es ab 2011 nur noch Open-Air-Konzerte unterhalb der Grenze von 5000 Besuchern geben werde. Des Weiteren mussten sich die Veranstaltungen am Ferienkalender und dem Erziehungsauftrag der Schule orientieren. (mkl)

Das könnte Sie auch interessieren

2012

Mit drei Regencapes zum Salem Open Air von James Morrison

Statt Sommer, Sonne, Sonnenschein gab es zum Auftritt von James Morrison im Schlosshof jede Menge Nässe von oben. Tausende Fans pilgerten in strömendem Regen aufs Schlosshofgelände. Doch die Stimmung trübte das schlechte Wetter keineswegs: allerorts strahlende Gesichter, Vorfreude auf den Auftritt des britischen Sängers. Gute Laune schon beim Anstehen in der Schlange vor Konzerteinlass. Ladislaus und Wieslawa Konieczny aus Stuttgart zogen die Kapuzen ihrer Regencapes tief ins Gesicht und versicherten: „Wir sind nass, aber glücklich. Die Musik wird uns für den Regen entschädigen. Schließlich sind wir nicht aus Zucker.“ Und Petra Steidle aus Mochenwangen verriet: „Ich habe mir an der Kasse gleich drei Regencapes gekauft. Der Abend ist gesichert.“

Jörg Sehmsdorf aus Konstanz war mit Tochter Julia 2012 auf dem Konzert von James Morrison.
Jörg Sehmsdorf aus Konstanz war mit Tochter Julia 2012 auf dem Konzert von James Morrison. | Bild: Picasa

Auch Annette Bischler aus St. Georgen nahm die Regengüsse mit Humor: „Jetzt fehlt nur noch die Schlammschlacht, dann hätten wir echtes Southside-Feeling.“ Jörg Sehmsdorf aus Konstanz hatte die Tickets von Tochter Julia zum Geburtstag bekommen: „James Morrison ist einer meiner Lieblingssänger. Ich finde es wunderbar, wie er mit seiner Stimme erzählen kann.“ Julia Sehmsdorf begleitete ihren Vater zum Konzert: „Ich bin gespannt, wie Morrison live rüber kommt.“ Fabienne und Thomas Werner aus Mühlhausen-Ehingen waren sich einig: „Live mit Gitarre können nur wenige so eine Stimmung zaubern.“ Jasmine Lienhart reiste sogar extra aus Hohenems in Österreich an: „Ich freue mich nicht nur auf James Morrison, sondern bin ebenfalls auf Marit Larsen gespannt. Es gefällt mir, dass beide zusammen auftreten.“ (mkl)

Die Fans von James Morrison ließen sich die Stimmung vom Regen nicht vermiesen. Es sollte nicht das letzte Salem Open Air mit viel Regen bleiben.
Die Fans von James Morrison ließen sich die Stimmung vom Regen nicht vermiesen. Es sollte nicht das letzte Salem Open Air mit viel Regen bleiben. | Bild: Picasa

2012 und 2016

Keine starken Botschaften gegen die Missstände der Welt

Joan Baez trat 2012 und 2016 in Salem auf. 2016 sang sie als Zugabe „Gracias a la vida“ von Violeta Parra und nicht wie bei vielen Konzerten zuvor „We shall overcome“, die Hymne der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung in den 60er Jahren. Neben ihren ausdrucksstarken Songs war man von der Ikone des gewaltfreien Protests starke Botschaften gegen die Missstände der Welt gewöhnt, diese fehlten in Salem. Auch ihr einst so strahlend heller Sopran hatte eine dunklere, rauere Färbung angenommen. Über ihren Mentor Pete Seeger sagte Baez an diesem Abend einen Satz, der auch für sie selbst gilt: „Er lebte, was er sang“, bevor sie Seegers Friedenshymne „Where have all the flowers gone“ in deutscher Sprache („Sag mir, wo die Blumen sind“) anstimmte. Auch Bettina Wegners „Sind so kleine Hände“ intonierte sie in leicht akzentuiertem Deutsch. Bei beiden Auftritten wurde Baez von Gabriel Harris, ihrem Sohn, am Schlagzeug und dem Multiinstrumentalisten Dirk Powell begleitet. (mkl)

Joan Baez trat 2012 und 2016 in Salem auf. Die Aufnahme stammt vom 6. Juni 2012.
Joan Baez trat 2012 und 2016 in Salem auf. Die Aufnahme stammt vom 6. Juni 2012. | Bild: Manuela Klaas

2013

Woodstock-Legende Joe Cocker gibt eines seiner letzten Konzerte

Joe Cocker gab im Juli 2013 in Salem noch ein Konzert, im Dezember 2014 ist er dann gestorben. Das heißt, die alte Woodstock-Legende gab in Salem eines der letzten Konzerte. Stimmlich schon ziemlich gebeutelt, stützten ihn zwei Saxophon-Spielerinnen, die links und rechts von ihm gestanden hatten. Die Frauen erinnerten mich an zwei Helferinnen im Pflegeheim, die aber dem alten Mann nicht unter die Achseln greifen mussten, sondern ihm lediglich in den hohen Tonlagen eine Stimme gaben. Ich erinnere mich noch gut daran, wie mir das beim Konzert damals durch den Kopf ging: In Würde altern! Joe Cocker war zwar der alte eitle Mann, dem ich mit der Kamera nicht nahe kommen durfte – für die Pressefotografen waren nur Fotos mit Teleobjektiv aus großer Entfernung gestattet. Doch prägte sich mir die Erinnerung ein vom alten Rocker, der von seinen Fans am Leben gehalten wurde – und umgekehrt. (shi)

Joe Cocker trat ein Jahr vor seinem Tod in Salem auf. Die Presse durfte nur mit Teleobjektiv aus der Ferne fotografieren. Die Erinnerungen von Stefan Hilser sind dennoch eindrücklich.
Joe Cocker trat ein Jahr vor seinem Tod in Salem auf. Die Presse durfte nur mit Teleobjektiv aus der Ferne fotografieren. Die Erinnerungen von Stefan Hilser sind dennoch eindrücklich. | Bild: Hilser, Stefan

2015

Heiratsantrag zu Hubert von Goiserns „Du bist so weit, weit weg von mir“

Eines der großen Kultlieder des Hubert von Goisern ist „Du bist so weit, weit weg von mir“. Der Österreicher war 2015 in Salem nah, ganz nah. Unter einem der großen, alten Bäume saß ein junger Mann, der mir wegen einer prachtvollen Rose und seiner Nervosität auffiel. Ich ahnte eine romantische Geschichte. „Gut geraten“, lachte er. „Das soll ein Heiratsantrag werden.“ Ich sah mich suchend um, entdeckte aber nur ebenso aufgeregte Freunde. „Sie ist nicht da, sie ist als Au Pair in Südamerika, also weit, weit weg von mir. Und weil das unser Lied ist, filmen meine Kumpel, wenn das Lied kommt und ich zeig ihr die Rose und frag sie, ob sie meine Frau werden will. Ich hoffe so sehr, dass sie ja sagt.“ Als später das Publikum den Refrain übernahm, war ich sicher, dass er besonders inbrünstig mitsang und drückte ihm die Daumen. Am Ende des Konzertes sahen wir uns noch mal von Weitem. Sein überglückliches Gesicht und sein wildes Winken waren mir Antwort genug. Seither denke ich bei diesem Lied an meinen eigenen und einen fremden Mann! (amk)

2016

Simply-Red-Fans feiern im Regen, Frickingen versinkt in den Fluten

Zu einer riesigen Wasserschlacht, allerdings hervorragend geschlagen von Mick Hucknall und seiner Band, geriet das Simply-Red-Konzert im Sommer 2016. Eben noch tanzten die Glühwürmchen und zauberten eine traumhafte Stimmung ins ausverkaufte Salemer Schloss, da öffnete der Himmel seine Schleusen – und zwar ganz gewaltig. Die jetzt in den Fluten tanzende Menschenmenge ahnte allerdings nicht, dass in Frickingen zeitgleich die Welt unterging. Die Verwüstungen im Nachbarort, die durch Schlammlawinen und über die Ufer tretende Bäche, durch das Gewitter, den Sturm und die Starkregenfälle ausgelöst wurden, sollten sich in ihrer ganzen zerstörerischen Kraft erst am nächsten Tag zeigen.

Das könnte Sie auch interessieren

Beim Simply-Red-Konzert war man derweil bester Laune. Unbeirrt sang Mick Hucknall alle seine großen Hits und das Publikum, unter ihnen auch „shi“ und „sma“ vom SÜDKURIER sangen begeistert mit. Die Regenjacken waren im Auto vergessen worden und nasser als nass kann man ja bekanntlich nicht werden. So begeistert, wie die feiernden Menschen im Schloss von der guten Laune des Bandleaders waren, schien dieser ebenfalls von seinem Publikum vor der Bühne zu sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Immer wieder fotografierte Hucknall mit seinem Handy in die Menge, auch die Techniker schwenkten die Scheinwerfer nun von der Bühne hin in das wogende Meer, aus mehr oder minder verhüllten Körpern. Ein unvergleichbarer Abend, ein tolles Konzert bei warmem Sommerregen, und eine Herausforderung für alle Einsatzkräfte in Frickingen lagen in dieser Nacht nur etwa eineinhalb Kilometer Luftlinie voneinander entfernt. (sma)

Stef Manzini und Stefan Hilser, Leiter der Lokalredaktion Überlingen (hier im Bild), wurden bei dem Salem Open Air von Simply Red klitschnass.
Stef Manzini und Stefan Hilser, Leiter der Lokalredaktion Überlingen (hier im Bild), wurden bei dem Salem Open Air von Simply Red klitschnass. | Bild: Stef Manzini

2017

Erste Sitzreihen schon leer, Zucchero gibt immer noch Zugaben

Italo-Legende Zucchero kam für weitere Zugaben auf die Bühne, da hatten sich die ersten Sitzreihen im Salemer Schlossgarten schon gelehrt. Ohne „Senza una donna“ gesungen zu haben, wird er nicht gehen, hatte eine Besucherin gesagt, mit der ich noch vor dem Konzert gesprochen hatte. Sie sollte recht behalten. Und so schmetterte Zucchero als letzten Titel eines fulminanten Konzerts „Senza una donna„. Die Schleusen am Himmel öffneten sich und ich lauschte den letzten Takten in einem leichten Nieselregen. Auf den Straßen um Schloss Salem drängten sich parallel die ersten Heimfahrer, die mit ihrem verfrühten Abgang eindeutig etwas verpassten. „Che peccato“, wie der Italiener dazu sagen würde. Zu deutsch: „Was für eine Schande.“ (san)

Zucchero stand zweieinhalb Stunden auf der Bühne. Das beinhaltete mehrere Zugaben. Für einige Zuhörer zu viel. Sie begaben sich noch vor Konzertende auf die Heimfahrt.
Zucchero stand zweieinhalb Stunden auf der Bühne. Das beinhaltete mehrere Zugaben. Für einige Zuhörer zu viel. Sie begaben sich noch vor Konzertende auf die Heimfahrt. | Bild: Jäckle, Reiner

2017 und 2019

Die Fantastischen Vier spielten zwei Mal ausverkaufte Salem Open Airs. Den Veranstalter Allgäu Concerts sollen die Stuttgarter nach 2017 darum gebeten haben, wiederkommen zu dürfen. Bleibt zu hoffen, dass sie Salem auch in Zukunft „troy“ ergeben bleiben. Wie sie in ihrem gleichnamigen Hit von 2004 trällern: „Troy, so troy.“ (san)

Die Fantastischen Vier begeisterten gleich zwei Mal in Salem: 2017 und 2019. Vielleicht bleiben sie der Region ja auch künftig „troy“ und kommen wieder.
Die Fantastischen Vier begeisterten gleich zwei Mal in Salem: 2017 und 2019. Vielleicht bleiben sie der Region ja auch künftig „troy“ und kommen wieder. | Bild: Jäckle, Reiner

2018

Sting und Shaggy erweisen sich als wohl ungewöhnlichstes Duo

Die ersten, die sich eine Karte gekauft hatten, wussten noch nichts von der Kooperation Stings mit dem jamaikanischen Reggae-Pop-Musiker Shaggy. Wenig später war jedoch klar, dass diese ungewöhnliche Kollaboration als Duo in Salem auftreten würde. Die Frage des Tages drehte sich darum, ob die ungleichen Zwei als Duo funktionieren würden. Das zur Tour dazugehörige Album versprach einiges: Auch mit dem Abstand von zwei Jahren ist es als gelungen zu bezeichnen. Ein leichtfüßiges aber nie oberflächliches Sommeralbum mit deutlichen Reggae-Anleihen.

Das könnte Sie auch interessieren

Der Hitze- und Dürresommer 2018 bescherte den Konzertbesuchern ein Open-Air-Traumwetter und den Getränkehändlern auf dem Gelände reißende Umsätze, zumal keinerlei mitgebrachte Getränke auf dem Gelände erlaubt sind. Nach dem Support Act „Killing Jane“ tönte bald „Englishman In New York“ aus den Boxen. Den überwiegenden Teil des Abends bestritt das Duo mit Songs von Sting und Police, wie auch mit Titeln des aktuellen Albums 44/876. „Oh Carolina“ und „Hey Sexy Lady“ gehörten zu den wenigen Solosongs von Shaggy, der sich ansonsten dem überragenden Oeuvre des Weltstars beugte und sich damit begnügte, diesen mit zusätzlichen repetitiven Melodiefetzen zu unterstützen.

Shaggy begnügte sich beim Doppelkonzert mit Sting musikalisch meist mit der „zweiten Geige“, optisch stand er allerdings oft im Vordergrund.
Shaggy begnügte sich beim Doppelkonzert mit Sting musikalisch meist mit der „zweiten Geige“, optisch stand er allerdings oft im Vordergrund. | Bild: Felix Kästle
Das könnte Sie auch interessieren

Nicht für jeden Song stellte das einen Gewinn dar. Im Laufe des Konzerts sammelten sich immer mehr Menschen auf dem schmalen Streifen direkt vor der Bühne und versperrten den ersten Reihen die Sicht, die dann ebenfalls aufstehen mussten, um weiterhin etwas zu sehen. Wie ein umgekehrtes Domino erhob sich Stuhlreihe für Stuhlreihe, zur Freude derjenigen, die es sowieso kaum auf den Sitzen hielt und zum Leidwesen der anderen, die sich des Komforts wegen einen Sitzplatz geleistet hatten. Der Stimmung tat es gut. Während der letzten Songs wurde ausgiebig getanzt.

Das Publikum beim Konzert von Sting und Shaggy in Salem.
Das Publikum beim Konzert von Sting und Shaggy in Salem. | Bild: Felix Kästle
„Man hätte schimpfen können, wenn es nicht so großartig gewesen wäre.“
Ein Besucher

Der Höhepunkt schien erreicht, als die ersten Akkorde des Publikumslieblings „Roxanne“ erschallten, dazu noch in einer Version, die nahe an das Original angelehnt war. Keine Selbstverständlichkeit für den Künstler, der dieses Lied schon häufig stark verfremdet hatte. Doch Sting wäre nicht Sting, würde alles wie in einer Jukebox vorhersehbar bleiben: Mitten im Song passierte es dann: Ein schräger Akkord sägte in den gefälligen Reggae-Rhythmus, ein Sample setzte ein und ehe man es sich versah, befand man sich in „Boombastic“, dem wohl größten Hit von Shaggy. In einem Youtube-Video ist das ungläubige Auflachen einer Konzertbesucherin nachzuhören. Dass das Spiel auch umgekehrt funktionieren kann, bewies Sting etwa zwei Minuten später: Kaum hatte man sich an den neuen Song gewöhnt, rief er „Roxanne“ an der gefühlt unpassendsten Stelle und bog in den Schlussrefrain des Police-Hits ein, der noch einige Schleifen drehen durfte, ehe diese musikalische Achterbahn, frenetisch bejubelt, endete. Ein Besucher fasste seine gefühlte Ambivalenz zusammen: „Man hätte schimpfen können, wenn es nicht so großartig gewesen wäre.“ (cri)

Das könnte Sie auch interessieren