Einen Tag nach dem schweren Wolkenbruch zeigt sich in Frickingen das erste Ausmaß der Schäden. Betroffene und selbstlose Nachbarn schaufeln, spritzen und schleppen unermüdlich. "Wir sind um Eins ins Bett. Man hat gar nicht bemerkt, wie die Zeit vergeht", erzählt Herbert Fitz. Der entfesselte Weinbach kam mit hoher Geschwindigkeit die Mühlenstraße und die Kirchstraße herab, floss durch die Einfahrt seines Obsthofs, machte eine Kurve. Für viele Kubikliter war der Keller des Wohnhauses am vergangenen Freitag das Ende.

Gleiches erlebte Tina Kirchhoff. Sie war allein zu Hause, als die braune Brühe auf ihr Haus zuströmte. "Ich hörte nur ein Rauschen und dann drang das Wasser im Handumdrehen durch das geschlossene Fenster in den Keller. Der Hauptteil floss am Haus vorbei zur Werkstatt und zum Autohaus. Er nahm den ganzen Kies bis zur Straße mit." Einfach nur übel sei es und im Vergleich dazu sei die vorherige Überschwemmung geradezu ein Kinderspiel gewesen: "Natürlich ist mir zum Heulen, aber das hilft doch nichts. Das Zeug muss weg, ehe es anfängt zu stinken."

Nicht nur Feuerwehr und Gemeindearbeiter sind am Samstag präsent, auch Bürgermeister Jürgen Stukle ist mit den Bürgern im Gespräch. Er hat Verständnis für den Unmut der Bürger und dass man ihm unterlassenes Handeln vorwirft: "Ich sage das nicht als Rechtfertigung – die Bürger können natürlich nicht wissen, dass wir am Thema dran waren. Wir waren gleich danach mit Ingenieuren im Wald oben, wir waren auch gestern vor Ort und es wurde schon vor dem Regen ein Konzept beschlossen."
 

Jürgen Stukle wird am Samstagmorgen von Klaus Ruff vom Amt für Wasser- und Bodenschutz begleitet. Wegen des Verdachts auf ausgelaufenes Heizöl bei Familie Viellieber kann er beruhigen. "Wir gehen davon aus, dass nichts ins Erdreich gelangt ist, und eine Spezialfirma aus Ravensburg geht kompetent mit der Problematik um." Beide versichern, dass die Führungsgruppe Salem-Frickingen bereits am Freitag während der Flut koordiniert und geplant habe. "Wir sind nicht nur stolz auf den Zusammenhalt im Dorf und den Einsatz der über 100 Kameraden vor Ort – wir sind wirklich an einem Konzept dran."
 

Nach der Angst vor einem weiteren Wolkenbruch und einem "nein" der Versicherung ist dies die Hauptsorge der Bürger. Sie schauen besorgt in die Zukunft. "Wir haben nach dem Hinweis über die Situation im Wald eine Ortsbegehung gemacht und gehandelt", versichert Jürgen Stukle. "Aber 60 Millimeter Niederschlag in einer halben Stunde ist einfach ungeheuer viel." Eine sichtbare Aktion ist das Reinigen aller Kanäle und das Abholen der braunen Berge durch die Bauhofmitarbeiter. Die schlammigen Massen werden laut Klaus Ruff auf einer ausgewiesenen Fläche zwischengelagert, nach Klassen separiert und beprobt. Unsichtbar für die Frickinger ist die Arbeit an den Schreibtischen. Ruff spricht von einem "Starkniederschlagmangement" und der Hochwasserpartnerschaft Bodensee/Hegau, die ab September ein großes Konzept ausarbeitet. "Die Maßnahme besteht aus vielen Bausteinen, wenn man das seriös machen will – und Frickingen wird dabei als die am stärksten betroffene Gemeinde seine Situation darstellen", so Ruff. Jürgen Stukle sicherte außerdem zeitnahe Maßnahmen im betroffenen Waldstück und Beratungen besonders gefährdeter Liegenschaften zu.

Unwetter und Einsatz

Das Unwetter, das am Freitagnachmittag mit bis zu 52 Litern Regen pro Quadratmeter über dem Bodenseekreis niederging, hat die Freiwilligen Feuerwehren sowie das Technische Hilfswerk in Atem gehalten, teilt Kreisfeuerwehrpressesprecher Christian Gorber mit. Schwerpunkt waren die Gemeinden Frickingen und Heiligenberg. Die Feuerwehren rückten zu rund 50 Einsätzen aus. Kurz nach 16.30 Uhr erreichten erste Notrufe die integrierte Leitstelle des Bodenseekreises aus dem Bereich Heiligenberg. Gemeldet wurden erste volllaufende Keller und Schlammmassen auf den Straßen. Kurz später gingen auch aus Frickingen Notrufe ein, "die ein zunehmend dramatisches Lagebild ergaben", so Gorber. Wegen der Gefahren für die Umwelt bildete ein holzverarbeitender Betrieb aus der Sicht der Feuerwehr den lokalen Einsatzschwerpunkt. Der Gefahrgutzug der Freiwilligen Feuerwehr Überlingen sowie ein Spezialfahrzeug mit einem Saugbehälter der Freiwilligen Feuerwehr Ravensburg waren im Einsatz, um mehrere tausend Liter Öl-/Wasser-Gemisch abzupumpen. Die Einsatzmaßnahmen dauerten bis 2.30 Uhr an. Im Einsatz waren die Feuerwehren aus Frickingen, Heiligenberg, Salem, Friedrichshafen und Ravensburg mit 103 Mann.