Morgens um 9 Uhr ist es am Salemer Schlosssee noch ruhig. Obwohl an heißen Wochenenden bei der morgendlichen Öffnung schon mehrere Badegäste mit ihren Bollerwagen oder Liegestühlen ungeduldig warten, verfliegt diese anfängliche Nervosität nach der Einnahme des gewünschten Liegeplatzes sehr schnell.

Das könnte Sie auch interessieren

Das Freibad am Schlosssee Salem ist seit Jahren eine Empfehlung für Erholungssuchende oder Sportler, ebenso für Familien mit Kindern. Für die Sicherheit in der Freianlage ist Enno Haß verantwortlich. Der Bademeister aus Hamburg wurde erst 2019, nach einem Ausschreibungsverfahren, von der Gemeinde mit dieser Aufgabe betraut. Nun muss er in Corona-Zeiten auf die besonderen Sicherheitsmaßnahmen achten.

Überall im Freibad sind Gebotsschilder aufgestellt. Auch am Kleinkinder-Spielplatz müssen 1,5 Meter Abstand eingehalten werden.
Überall im Freibad sind Gebotsschilder aufgestellt. Auch am Kleinkinder-Spielplatz müssen 1,5 Meter Abstand eingehalten werden. | Bild: Mardiros Tavit

Aufgrund der Corona-Sicherheitsmaßnahmen sind alle Badeinseln gesperrt

„Daran erkenne ich die Touristen“, sagt Enno Haß, als er auf dem Wachposten mit seinem Fernglas einen Schwimmer auf einer Badeinsel entdeckt. Wer sich noch nicht mit den speziellen Regeln im Bad auskenne, überschreite sie dann gerne mal. Es folgt eine freundliche Durchsage über die Lautsprecheranlage. „Aufgrund der Corona-Sicherheitsmaßnahmen sind alle Badeinseln gesperrt. Das gilt auch für den Herren, der jetzt auf der mittleren Badeinsel liegt.“ Sofort suchen Dutzende Augen die Badeinsel mit dem Sonnenbadenden. Dieser erhebt sich, schaut in Richtung des Wachpostens und rutscht zurück ins Wasser. „Die direkte Ansprache ist immer noch die beste“, bestätigt Haß.

Bis auf einen Treppenzugang sind alle Stege und Plattformen gesperrt. In der ruhigen gelegenen Freibadecke, wo gerne Senioren liegen, ließ Bademeister Enno Haß die Treppe offen.
Bis auf einen Treppenzugang sind alle Stege und Plattformen gesperrt. In der ruhigen gelegenen Freibadecke, wo gerne Senioren liegen, ließ Bademeister Enno Haß die Treppe offen. | Bild: Mardiros Tavit

Eine kleine, nette Ausnahme macht der Bademeister für Senioren

In Corona-Zeiten wurden im Bad Schutzmaßnahmen ergriffen, die nicht jedem Besucher sofort ersichtlich sind. „Auf die Badeinseln könnten jetzt nur noch zehn Gäste, aber das durchzusetzen ist sehr schwer.“ Weswegen nun die Badeinseln, die Stege und die Treppen grundsätzlich gesperrt sind. Bis auf eine Ausnahme: In der Ecke, wo viele Senioren liegen, ließ Haß die Treppe am Steg als Ein- und Ausstiegshilfe am Wasser offen. Die älteren Schwimmer danken es ihm.

In der bei den Senioren beliebten Ecke des Freibades ist der einzige offene Steg mit Treppe. Dieter Steffan (81) kommt mit seiner Frau seit neun Jahren an den Bodensee. Obwohl der Stuttgarter am See in Meersburg übernachtet, kommt der rüstige Rentner zum Schwimmen nach Salem.
In der bei den Senioren beliebten Ecke des Freibades ist der einzige offene Steg mit Treppe. Dieter Steffan (81) kommt mit seiner Frau seit neun Jahren an den Bodensee. Obwohl der Stuttgarter am See in Meersburg übernachtet, kommt der rüstige Rentner zum Schwimmen nach Salem. | Bild: Mardiros Tavit

Badegast Dieter Steffan aus Stuttgart schwimmt mit seiner Frau täglich einmal durch den ganzen See hin und zurück. Als er gerade von seinem Schwimmausflug zurückkommt und auf den Bademeister trifft, lobt er ihn gleich, dass die Treppe weiterhin zur Verfügung steht.

Das könnte Sie auch interessieren

Schilder überall: „Es kann keiner sagen, dass er von den Regeln nichts wusste“

Die Sperrung der Badeinseln und Stege ist nur eine von vielen Maßnahmen, die im Freibad als Schutz gegen Corona eingeführt wurden. Neben den allgemeinen Corona-Maßnahmen – 1,5 Meter Abstand und Vermeidung von größeren Menschengruppen – gelten weitere Reglementierung. So dürfen sich in den sanitären Anlagen nur zwei Personen gleichzeitig aufhalten, und das auch nur mit Mund-Nasen-Schutzmaske.

An allen Türen in den Sanitärbereichen sind Gebotsschilder angebracht.
An allen Türen in den Sanitärbereichen sind Gebotsschilder angebracht. | Bild: Mardiros Tavit

An den neuralgischen Punkten sind Hinweistafeln angebracht. „Es kann keiner sagen, dass er von den Regeln nichts wusste“, ist sich Haß sicher. Besonders eng wird es jedoch unter den Bäumen. Die Schattenplätze sind sehr beliebt. Aber der Augenschein bestätigt, dass die meisten Besucher doch vernünftig sind. Vor allem Familien legen ihre Decken so, dass mindestens der gebotene Abstand eingehalten ist. Viele bringen ihre eigenen kleinen Zelte mit, damit die Kleinkinder im Schatten ihre Ruhezeiten einhalten können.

„Not amused“ über die Sipplinger Lösung

Liegeplätze mit Kreidezeichnungen auszuweisen wie in Meersburg hält Haß in Salem für nicht machbar. Und zur vorübergehenden Sperrung des Freibades in Sipplingen hat er nur ein Kommentar: Er sei über diese Maßnahme „not amused“, sagt der Hamburger. Dadurch wachse der Besucherdruck auf das kostenlose Salemer Freibad weiter. Zumal er am angekündigt heißen Wochenende 4000 bis 5000 Gäste erwartet. Wenn es zu viele Besucher werden, soll in letzter Konsequenz das Bad geschlossen werden, sodass keine weiteren Badegäste mehr dazukommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mit Salems Bürgermeister Manfred Härle sei abgesprochen, dass Enno Haß die Entscheidungsfreiheit hat. „Wenn ich sehe, dass die Abstände nicht mehr eingehalten werden können, werde ich schließen.“ Er hofft jedoch, dass es im ausgedehnten Freibad nicht so weit kommt. Doch die Pläne liegen in der Schublade. Sechs der sieben Tore werden dann komplett geschlossen, dort ist dann weder Eingang noch Ausgang möglich. Das Tor an der Sporthalle, wo die Besucher vom Parkplatz her ins Bad kommen, wird dann von ihm beaufsichtigt. Dann geht es nur noch raus.

Die Schattenplätze werden früh am Tag besetzt. Vor allem bei Familien sind die Plätze unter den Bäumen sehr beliebt. Trotz der Enge werden augenscheinlich die Abstände zwischen Familien eingehalten.
Die Schattenplätze werden früh am Tag besetzt. Vor allem bei Familien sind die Plätze unter den Bäumen sehr beliebt. Trotz der Enge werden augenscheinlich die Abstände zwischen Familien eingehalten. | Bild: Mardiros Tavit

Enno Haß will kein Einlasskontrolleur sein

„Keine schöne Situation für mich. Ich hätte dann das Gefühl, dass ich nicht mehr für die Sicherheit hier bin“, sagt Enno Haß. Denn damit sei er schließlich beauftragt worden, „und nicht als Einlasskontrolleur“. Auch wenn er nicht persönlich auf dem Wachposten stehe, sein Team habe die Lage auch ohne ihm im Griff. „Wir sind an Wochenenden zu viert, hinzu kommen dann sechs von der DLRG.“ Die Badeaufsicht der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft sorgt ausschließlich für die Sicherheit. Haß ist mit seinem Team auch für die Corona-Schutzmaßnahmen zuständig.

Absperrungen und Hinweistafeln werden jeden Morgen kontrolliert. Abends kontrolliert Haß den Nichtschwimmerbereich und zieht die Absperrleine bei 1,30 Meter Wassertiefe nach. Dahinter seien es dann noch 1,5 Meter, bis der Boden steil abfällt. Da viele Eltern vergessen, dass sie auch im Freibad mit Sicherheitspersonal für die Aufsicht ihrer Kinder zuständig sind, gibt es regelmäßige, stündliche Durchsagen, erläutert Enno Haß.

60 Tausend Quadratmeter Liegewiese und 40 Tausend Quadratmeter Wasserfläche im Badebereich des Schlosssees hat das Freibad in Salem.
60 Tausend Quadratmeter Liegewiese und 40 Tausend Quadratmeter Wasserfläche im Badebereich des Schlosssees hat das Freibad in Salem. | Bild: Mardiros Tavit

Gäste, die sich nicht an die Regeln halten, bekommen eine persönliche Ansprache

Alle Verhaltensregeln und die reglementierten Bereiche werden stündlich über die leistungsstarke Lautsprecheranlage durchgegeben. Wenn es dann noch Gäste gibt, die sich über die Regeln hinwegsetzen, bekommen sie eine persönliche Ansprache. Wobei Haß eher Verständnis wecken, denn eine Standpauke halten mag. Das habe immer funktioniert, zumal er am längern Hebel sitze. Das körperliche Erscheinungsbild eines Bodybuilders mag seine Argumente dabei mit unterstreichen. „Wenn Kinder sich nicht an die Regeln halten, ist das nicht böse gemeint. Bei Erwachsenen ist es Ignoranz“, ist Haß überzeugt.

Auf die Robinson-Insel und das Piratenschiff dürfen „nur gute Schwimmer“. In Corona-Zeiten dürfen sich nur vier Personen auf dem Schiff gleichzeitig aufhalten. Sie sind angehalten zügig vom Schiff zu springen.
Auf die Robinson-Insel und das Piratenschiff dürfen „nur gute Schwimmer“. In Corona-Zeiten dürfen sich nur vier Personen auf dem Schiff gleichzeitig aufhalten. Sie sind angehalten zügig vom Schiff zu springen. | Bild: Mardiros Tavit

Dem Piratenschiff gilt besonderes Augenmerk

Besonderes Augenmerk hat Haß auf das Geschehen auf der Robinson-Insel mit dem Piratenschiff. Aktuell sind Mast und der Bodenzugang gesperrt. Außerdem dürfen sich nur vier Personen gleichzeitig auf dem Schiff aufhalten, diese sind angehalten, zügig vom Schiff zu springen. Denn es bilden sich mitunter lange Warteschlangen. Absolut kein Verständnis hat Haß, wenn Nichtschwimmer mit auf die Robinson-Insel gebracht werden. Wenn die Lage trotz wiederholter Durchsagen nicht besser werde, schließe er Insel und Schiff. Dieses Vorgehen habe sich bewährt. „Die Jugendlichen wissen, dass ich es ernst meine und verhalten sich nun dementsprechend.“ Ein kurzer Check bestätigt ihn. Nur vier Kinder auf dem Schiffsdeck und 1,5 Meter Abstand bei den Wartenden auf der Brücke zum Schiff.

Das allgemeine Abstandsgebot von 1,5 Metern gilt auf der gesamten Fläche des Freibads. Da nur vier Personen gleichzeitig auf dem Piraten-Schiff sein dürfen, wird auch auf der Brücke zum Schiff darauf geachtet.
Das allgemeine Abstandsgebot von 1,5 Metern gilt auf der gesamten Fläche des Freibads. Da nur vier Personen gleichzeitig auf dem Piraten-Schiff sein dürfen, wird auch auf der Brücke zum Schiff darauf geachtet. | Bild: Mardiros Tavit

75 Jahre Geschichte. 75 Jahre Erfahrung. 75 Jahre Journalismus. Sichern Sie sich jetzt für kurze Zeit ein ganzes Jahr zum Jubiläumspreis von 75 €.