Der Rote Ibis, der um Ostern in Meersburg, aber auch in Unteruhldingen und inzwischen Markdorf gesichtet wurde, hat ein Zuhause. Der Vogel stammt nicht, wie anfangs vermutet, aus einer Privathaltung, sondern aus dem Zoo von Besançon in Frankreich. Den entscheidenden Hinweis gab Sigrid Martinet aus Frankreich. Sie hatte Kenntnis von einem Wetterereignis, las von dem außergewöhnlichen Besucher am Bodensee und zählte eins und eins zusammen.

In einer Nachricht an den SÜDKURIER schrieb sie: „Ich weiß, dass vor Kurzem in Besançon mehrere Vögel aus dem Zoo entflogen sind. Bei einem Sturm hatte sich eine Tür geöffnet. Vielleicht kommt der Vogel aus Besançon? Es scheint sehr weit zu sein, aber warum nicht? Es war in letzter Zeit sehr stürmisch.“

Sturm beschädigt Großvoliere in französischem Zoo

Luftlinie sind es vom Zoo bis nach Meersburg in die Töbelestraße, wo der Rote Ibis am Osterwochenende im Bach am Rand der Straße watete, knapp 250 Kilometer, wie eine Internetrecherche ergibt. Auf französischen Nachrichtenportalen ist zudem von dem Sturm und acht Vögeln zu lesen, die am Morgen des 8. April aus einer durch den Sturm beschädigten Großvoliere ins Freie gelangten. Unverhofft hatte sich eine der Türen geöffnet. Sechs Rote Ibisse, ein Rosalöffler und eine Bernier-Ente nutzten die Gelegenheit zum Abflug.

Bild: Jessica Steller

Nur ein Roter Ibis kehrt selbstständig zurück

Saß zehn Tage später also ein Vogel aus Frankreich im Bach an der Töbelestraße? Mélanie Berthet, Veterinärin im Zoo von Besançon, bestätigt mit Blick auf ein Bild des Vogels: „Ja, der Vogel auf dem Foto ist einer von unseren.“ Der Rote Ibis trägt einen farbigen Ring am Bein. Laut Medienberichten führten Sichtungen um den Zoo nicht zu erfolgreichen Fangaktionen. Wenn die Mitarbeiter ankamen, waren die Vögel wieder weg. Oder die Meldungen bezogen sich auf Vögel im Flug.

Am Osterwochenende wurde der Vogel zweimal rund um den Bach an der Meersburger Töbelestraße gesichtet.
Am Osterwochenende wurde der Vogel zweimal rund um den Bach an der Meersburger Töbelestraße gesichtet. | Bild: Marianne Kaindl

Rund um Vogel und Zoo

Nun hoffen die Verantwortlichen darauf, sie mit Nahrung in die Voliere locken zu können. Denn es kann sein, dass sie eigenständig an ihren gewohnten Lebensort zurückkehren. Ein Roter Ibis trat so bereits am 10. April den Rückzug aus der Freiheit an. Die anderen fünf sind noch immer in freier Wildbahn unterwegs.

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Rosalöffler sitzt bei Schneckenzüchter im Bad

Eine weitere Möglichkeit ist, dass sich die Tiere auf einen festen Ort einlassen. Der entflohene Rosalöffler hielt sich einem Bericht des Onlineportals L‘est républicain zufolge mehrere Tage an einem Bach in Choye auf, etwa 30 Kilometer entfernt vom Zoo in Besançon. Ernähren konnte er sich von Schnecken und schlich sich schließlich in das Haus der Schneckenzüchter. Ein Foto zeigt den Vogel im Badezimmer der Familie. Dort haben ihn die Experten am Ende eingefangen.

Der Rosalöffler, der ebenfalls aus dem Zoo in Besançon ausgebüxt ist, steht in dem Badezimmer der Schneckenzüchter. Die Zoo-Mitarbeiter ...
Der Rosalöffler, der ebenfalls aus dem Zoo in Besançon ausgebüxt ist, steht in dem Badezimmer der Schneckenzüchter. Die Zoo-Mitarbeiter konnten ihn dort einfangen. | Bild: DR/L'est républicain
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Der Rote Ibis am Bodensee wurde, wenn man Augenzeugenberichte in den Sozialen Medien und Sichtmeldungen an die Tierrettung Südbaden zusammenfasst, zweimal in Unteruhldingen gesichtet. Er soll auf dem Dach des Kiosks Mainausicht übernachtet haben, wie Sylvia Dierolf dem SÜDKURIER berichtet. Sie bekam ihn am Ufer in Unteruhldingen zu Gesicht. Marianne Kaindl beobachtete ihn rund um den Bach an der Töbelestraße in Meersburg. Auch eine weitere Frau sichtete ihn dort, ein Mann will ihn fliegend gesehen haben. Bernd Metzger, Leiter der Tierrettung Südbaden, erzählt von einer Sichtmeldung jüngst aus Markdorf.

Was sollten Bürger tun, wenn Sie den Vogel sehen?

Veterinärin Mélanie Berthet sucht nun den Kontakt zur Tierrettung. Sollte sich der Rote Ibis an einen Ort binden, „kommen wir und installieren eine Voliere, damit er regelmäßig hineingeht“, schreibt sie. Profis sollen dann bei der Fütterung und dem Einfangen zur Hand gehen. Auch Bernd Metzger hält dies für einen gangbaren Weg. Helfer der Organisation sitzen in Meersburg und der Region. Bürger helfen am besten, indem sie zeitnah präzise Sichtmeldungen an die Tierrettung durchgeben: Telefon 0 160/5 18 77 15. Sich dem Vogel als Laie zu nähern, ist nicht sinnvoll, da er eventuell die Flucht ergreift, ohne dass etwas zu seinen Gunsten passiert ist.

Bernd Metzger sagt: „Es ist gut möglich, dass der Vogel noch lebt.“ Potentielle Angreifer sind seinen Angaben nach Greifvögel. Aktuell findet der Rote Ibis, der aus dem nördlichen Südamerika stammt, Nahrung am Bodensee, im Winter jedoch nicht. Daher ist die Motivation aller Beteiligten groß, das Tier zu finden.

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