Den Überlingern wird der Vogel, der über das Osterwochenende in Meersburg gesichtet wurde, womöglich bekannt vorkommen. Mit seiner Statur und dem gebogenen Schnabel erinnert der Rote Ibis an junge Waldrappe, die noch keinen Federkranz am Kopf haben. Beide Arten gehören zur Familie der Ibisse.

Während der Waldrapp gerade wieder in Europa angesiedelt wird, ist der Rote Ibis im nördlichen Südamerika heimisch. Marianne Kaindl aus Stetten sichtete ihn am Samstagabend jedoch an der Töbelestraße. „Nicht weit vom alten Pfarrhaus entfernt“, sagt Kaindl. Der Vogel sei im Bach gewatet und zwischen den Steinen hin und her gehüpft. „Er hat mit seinem Schnabel nach Futter gesucht. Er war total schnell und wendig“, sagt die Tierliebhaberin. Ihren Erzählungen nach hielt sich in der Nähe ein Entenpaar auf. Die Tiere hätten sich nicht für einander interessiert.

Marianne Kaindl machte einige Fotos von dem Vogel mit dem leuchtend roten Gefieder und informierte nach eigenen Angaben den Tierschutzverein Markdorf. Von einer weiteren Person wurde die Tierrettung Südbaden gerufen. Vorsitzender Bernd Metzger berichtet auf Anfrage von einer Sichtung, die gemeldet wurde. „Als wir dort waren, war das Tier aber schon weg.“

Metzger ist davon überzeugt, dass der Rote Ibis jemandem gehört, da er beringt ist. Der Ring ist auf den Fotos von Marianne Kaindl zu sehen. In den Sozialen Medien kursieren weitere Fotos von dem Vogel – unter anderem vom Ufer in Unteruhldingen. Auf Letzterem ist ebenfalls am linken Bein der Ring zu erkennen.

Zoos vermissen keinen ihrer Roten Ibisse

Zoos und Tierparks in der näheren Umgebung, die Rote Ibisse in ihrem Bestand haben, sind in Zürich, Stuttgart und München. Doch Vertreter aus allen drei Einrichtungen vermelden auf SÜDKURIER-Nachfrage, dass nirgends ein Tier entflogen ist. Bernd Metzger erklärt telefonisch, dass der Rote Ibis, der in Meersburg gesehen wurde, auch einer Privatperson gehören kann.

Pascal Marty, Kurator Kommunikation im Zoo Zürich, teilt mit: „Es handelt sich sicherlich um einen entflohenen Vogel. Der Rote Ibis ist eine südamerikanische Art, somit kann er nicht auf natürliche Weise zu uns gekommen sein. Es kann sich aber auch gut um ein Tier aus einer Privathaltung handeln.“ Rote Ibisse würden gerne von Privatpersonen gehalten, so Marty weiter.

Johannes Fritz, Chef des Waldrappteams, sagt: „Rechtlich gesehen ist das grundsätzlich möglich. Der Vogel wird privat gehandelt und gehalten.“ Es sei gesetzlich definiert, unter welchen Bedingungen die Tiere zu halten sind. Laut Fritz gelten diese Bedingungen für Zoos und private Haltungen. Er persönlich hegt nach eigener Aussage eine ambivalente Haltung zu Letzteren: „Es gibt viele professionelle Privathaltungen, aber eben auch welche, die nicht so gut sind.“

Das könnte Sie auch interessieren

Weitere Sichtmeldungen bleiben aus

Marianne Kaindl begab sich am Sonntag nochmals auf die Suche nach dem Roten Ibis, nachdem klar war, dass er nicht eingefangen worden war, hatte allerdings keinen Erfolg. Der Tierrettung Südbaden wurde das Tier bis Dienstagmittag zum Gespräch mit dem SÜDKURIER ebenso nicht mehr gemeldet. Laut Bernd Metzger erreichen die Tierrettung mehr Sichtmeldungen, wenn sich ein Tier länger in einer Region aufhält. Das bedeutet für den Experten, dass der Vogel weitergeflogen ist oder es einen Angriff von einem Wildtier gab.

An sich kann der Rote Ibis in diesen Breitengraden überleben. Metzger erläutert: „Der Rote Ibis ist definitiv nichts Heimisches.“ Wenn es von der Witterung her aber warm ist, kommt der Vogel zurecht. Pascal Marty vom Zoo Zürich schreibt dazu: „Im Sommer wahrscheinlich schon. Im Winter bei geschlossener Schneedecke und vereisten Gewässern wird das Überleben des Vogels jedoch schwierig.“

Profis sollen den Vogel einfangen

Bevor das passiert, sollte der Rote Ibis eingefangen werden. Bernd Metzger, Pascal Marty und Dennis Späth, Leiter Unternehmenskommunikation im Münchener Tierpark Hellabrunn, appellieren, sich dem Tier nicht zu nähern – „weil es die Flucht ergreift“, so Metzger – und das Einfangen den Profis zu überlassen. Die Tierrettung Südbaden ist unter der Notrufnummer 0160/5187715 erreichbar und rückt im Falle einer Sichtung sofort an.

Notwendig ist dafür eine genaue Ortsbeschreibung. Mit einem Fernglas kann eventuell bereits die Ringnummer abgelesen werden. Dennis Späth bittet darum, den Vogel keinesfalls zu füttern. Passend dazu beobachtete Marianne Kaindl, dass sich das Tier selbst an natürlichen Dingen im Bachbett an der Töbelestraße bediente.

Das könnte Sie auch interessieren