Im Vineum Bodensee soll 2020 eine Sonderausstellung zum Thema „1920er Jahre in Meersburg“ stattfinden. Der Gemeinderat billigte in seiner jüngsten Sitzung einstimmig den Vorschlag von Kulturchefin Christine Johner und stimmte auch dem von ihr dafür vorgeschlagenen Budget von 90 000 Euro zu.

Die Resonanz, auf die Johners Idee stieß, zeigt, dass nicht nur sie es spannend findet, nach 100 Jahren einen Blick auf die Umbruchzeit der 1920er Jahre zu werfen. Denn in diese Ära fiel nicht nur die Hauptphase der kurzlebigen ersten deutschen Republik. Sie setzte auch in Wissenschaft, Technik, Kunst und Kultur „große schöpferisch-geistige Kräfte frei“, wie Johner unterstrich.

Das gilt auch für Meersburg: Bürgermeister Karl Moll befeuerte den Tourismus, zahlreiche Bauwerke entstanden, die Fährlinie nach Konstanz nahm 1928 ihren Betrieb auf und viele Künstler und Gelehrte wirkten damals in Meersburg. Interessant ist laut Johner außerdem nicht nur, wie sich das große Weltgeschehen in der kleinen Stadt widergespiegelt habe, sondern gerade auch das, „was hier nicht passiert ist“.

Schau mit 3-D-Darstellungen und „augmented reality“

Es wird die zweite Sonderausstellung im 2016 eröffneten Vineum sein. Die erste und bis dato letzte fand 2015, noch vor der offiziellen Eröffnung des Museums, statt und war eine viel beachtete Schau zu Franz Anton Mesmer. Wie bei jenem wolle man auch bei dem neuen Projekt Geschichten vor allem über Bilder erzählen.

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Dazu möchte man sich auch moderner Mittel wie 3-D-Darstellungen und „augmented reality“ bedienen. Bei letzterer werden virtuelle Elemente, die der Besucher etwa mittels mit einer High-Tech-Brille sehen kann, Teil der realen Welt. Ganz besonders will Johner auch auf Museumspädagogik setzen und auf Schulklassen zugehen. Das inhaltliche Konzept könnten sie und ihre Mitarbeiterin stemmen, sagte Johner. Für dessen Planung und Umsetzung, deren Kosten sie auf 40 000 Euro schätzt, brauche man aber externe Hilfe.

Zweifel am Interesse der Touristen

Michael Gilowsky (Umbo) bezweifelte zwar, „dass Touristen Interesse an dieser Zeit in Meersburg haben“ und schlug vor, Meersburger Ereignissen nationale gegenüberzustellen. Doch insgesamt begeistert den Rat die Idee für die Ausstellung, die am 2. Juli 2020 starten soll. Statt des von Johner anvisierten Schlusstermins am 1. November schlug Peter Krause (Umbo) aber vor, die Schau bis Dreikönig 2021 laufen zu lassen. Denn im Winter sei eh wenig los.

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Markus Waibel (FW) wünschte sich, „dass wir das Thema mit den Menschen in Meersburg erarbeiten.“ Monika Biemann (Umweltgruppe) schlug eine AG vor. Peter Schmidt (CDU) betonte: „Wir leben auch heute in einer Aufbruch- und Umbruchzeit.“ Heinz Frey (FW) erinnerte auch an Aspekte wie die Weltwirtschaftskrise und ihre Auswirkungen in Meersburg, während Boris Mattes (SPD) riet, man solle „gezielt Schulen ansprechen“ und auch versuchen, Fördermittel zu erhalten.