Die Corona-Pandemie wird sich auch auf die Landtagswahl auswirken: Experten wie der Stuttgarter Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider rechnen mit einer Verdoppelung der Zahl der Briefwähler. Der Grund ist naheliegend: Auch beim Gang in die Wahllokale gibt es Kontakte, die Bürger sind aber angehalten, diese so strikt als möglich zu vermeiden.

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Corona werde für eine Flut an Wahlbriefen in den Rathäusern sorgen, prophezeit Brettschneider, der an der Uni Hohenheim lehrt. Es sei „nachvollziehbar, dass Menschen sich schützen wollen“, sagt er.

Briefwahl-Prognose: Von 21 Prozent auf mehr als 50 Prozent

Bei der Landtagswahl 2016 lag der Anteil der Briefwähler bei 21 Prozent, 1996 noch bei zehn Prozent. Diesmal rechnen die Experten mit einem Briefwahl-Anteil von mindestens 50 Prozent. In absoluten Zahlen heißt das: Mussten 2016 die Wahlhelfer in den Rathäusern des Landes noch knapp über eine Million Wahlbriefe auszählen, dürften es am 14. März dann knapp drei Millionen sein. Doch wie wappnen sich die Rathäuser in der Region gegen die zu erwartende Briefwahl-Flut?

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In den Rathäusern in Markdorf, Bermatingen und dem Deggenhausertal hat man diese Prognosen auf dem Schirm. Die Briefwahlunterlagen sind herausgegangen, nun kommen die ersten Rückläufe.

Deggenhausertal: Günter kalkuliert mit 60 Prozent Briefwählern

Simon Günter ist seit Oktober der neue Ordnungsamtsleiter im Deggenhausertal – und hat diese Herausforderung gleich bei seiner ersten Wahl vor der Brust. Der 27-jährige Amtsleiter will sich gegen alle Eventualitäten schützen und kalkuliert lieber noch großzügiger. „Wir gehen davon aus, dass 60 Prozent unserer 3400 Wahlberechtigten per Brief wählen werden“, sagt er. Deswegen sei schon alles in die Wege geleitet, damit am Wahlsonntag das Auszählen der Stimmen dennoch so reibungslos wie möglich verläuft und es vor allem keinen Stau gibt.

Simon Günter, Ordnungsamtsleiter in Deggenhausertal: „Wir gehen davon aus, dass 60 Prozent unserer 3400 Wahlberechtigten per Brief wählen werden.“
Simon Günter, Ordnungsamtsleiter in Deggenhausertal: „Wir gehen davon aus, dass 60 Prozent unserer 3400 Wahlberechtigten per Brief wählen werden.“ | Bild: Wolf-Dieter Guip

Zwar wird es in der Flächengemeinde wie bisher nur einen Briefwahlbezirk geben. „Doch wir haben den Briefwahlvorstand personell verdoppelt, von sechs auf zwölf Personen“, sagt Günter. Und die Wahlhelfer werden diesmal ungewöhnlich früh auf der Matte im Rathaus in Wittenhofen stehen. Punkt 14 Uhr, so Günter, sollen die Vorbereitungen beginnen, damit Punkt 18 Uhr mit dem Auszählen gestartet werden kann.

Bermatingen: Zwei Briefwahlausschüsse, doppelt so viele Helfer

Ähnlich verfährt in Bermatingen Hauptamtsleiterin Maria Wagner – allerdings mit einer leicht anderen Strategie. Auch in Bermatingen ist die doppelte Zahl an Auszählern zugange, jedoch in zwei Briefwahlausschüssen. Hatte man bislang bei Wahlen einen Ausschuss mit sechs Helfern, so werden es am 14. März nun zwei Ausschüsse mit je sechs Personen sein. „Die können dann getrennt voneinander arbeiten und auszählen“, erläutert Wagner.

Maria Wagner, Hauptamtsleiterin in Bermatingen: „Beide Wahlausschüsse können dann getrennt voneinander arbeiten und auszählen.“
Maria Wagner, Hauptamtsleiterin in Bermatingen: „Beide Wahlausschüsse können dann getrennt voneinander arbeiten und auszählen.“ | Bild: Christiane Keutner

Zur Not werde man auch noch einen dritten Ausschuss bilden können. „Ich denke aber, dass wir mit der Verdoppelung gut hinkommen werden“, blickt die Hauptamtsleiterin optimistisch auf den Wahlsonntag voraus.

Markdorf: Amtsleiter gibt sich gelassen

Keine großen Sorgen macht sich wiederum Markdorfs Hauptamtsleiter Klaus Schiele. Und dafür hat der erfahrene Amtsleiter auch eine einleuchtende Begründung: Im selben Maße wie die Zahl der Briefwähler steigt, nehme die Zahl der Urnenwähler ab, sagt Schiele. Dies sei eine einfache Rechnung. „Deswegen wird sich am Arbeitsablauf am Wahlsonntag für uns auch nicht viel ändern“, sagt Schiele. Die ein oder anderen Schritte werde man zeitlich umordnen müssen, blickt er voraus.

Klaus Schiele, Hauptamtsleiter in Markdorf: „In dem Maße, wie die Zahl der Briefwähler steigt, nimmt die Zahl der Urnenwähler ab.“
Klaus Schiele, Hauptamtsleiter in Markdorf: „In dem Maße, wie die Zahl der Briefwähler steigt, nimmt die Zahl der Urnenwähler ab.“ | Bild: Stefanie Nosswitz

Die wichtigste Entscheidung hat er bereits getroffen: Es wird am 14. März in Markdorf sechs Briefwahlbezirke geben. Die Zahl der Präsenzwahlbezirke wird hingegen bei den bisherigen zwölf bleiben. „Alles steht und fällt mit der Wahlbeteiligung“, bringt Schiele noch einen anderen Aspekt ins Spiel: „65 Prozent Wahlbeteiligung wären natürlich schön und dann müssten wir mit den sechs Briefwahlbezirken auch durchkommen.“

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Und Schiele denkt zugleich auch an die Wahlhelfer in den Wahllokalen: „Mehr Stimmen bei der Briefwahl nimmt auch ihnen die Last, in der Pandemie mit vielen Wählern in den Wahllokalen konfrontiert zu werden“, verweist der Markdorfer Amtsleiter auf den nötigen Gesundheitsschutz auch am Wahlsonntag. Auch in Markdorf beginnen die Helfer mit ihrer Arbeit am Wahlsonntag schon um 14 Uhr. „Dann müssten wir, sofern nichts außergewöhnliches passiert, gegen acht oder halb neun fertig sein“, gibt sich Schiele zuversichtlich.