Schon zweieinhalb Monate ist es her, dass in der Markdorfer Stadtgalerie die Werke von Betty Beier zu sehen waren. Dann kam der neue Lockdown, damit die bisher anhaltende Ausstellungspause für den Kunstverein. Mit Blick auf die erste Schließung und die Wiederaufnahme des Ausstellungsbetriebs im vergangenen Jahr zeigen sich Bernhard Oßwald und Irina Stengele , der Vereinsvorsitzende und seine Stellvertreterin, jedoch zuversichtlich, dass sie die Türen der Stadtgalerie demnächst schon wieder öffnen können.

Corona zwang zu Ausstellungs-Absagen

„Traces to Climate“: „Das war unsere geplante vierte Ausstellung“, schaut Bernhard Oßwald auf das vergangene Ausstellungsjahr zurück. Gezeigt wurden Quadratmeter große Oberflächenreliefs. Landschaftsausschnitte, die die Künstlerin mit Kunstharz aufgebaut beziehungsweise konserviert hat. Zu sehen waren die Spuren des menschlichen Eingreifens in die Natur – im Urwald, an Polarküsten an Gletschern. 2020 musste der Kunstverein wegen der Corona-Pandemie zwei Ausstellungen absagen.

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Eine dritte Ausstellung kam dann doch zustande – als Ersatz für die eigentlich vorgesehenen Arbeiten des mexikanischen Künstlerpaares Fernando Rascon und Rocio Infestas. Die beiden Künstler waren coronabedingt daheim geblieben. Stattdessen lud der Verein zur „Schwarz-Weiß“-Ausstellung mit Bildern und Plastiken. Möglich geworden war dies aufgrund der Lockdown-Lockerungen im Frühsommer. „Mit einigen Auflagen wie Abstandhalten und Hygiene, außerdem einer Besucherzahl-Begrenzung in den Galerie-Räumen konnten wir den Ausstellungsbetrieb wieder aufnehmen“, schildert Oßwald.

Viel öffentliche Aufmerksamkeit: Bei ihrer Aktion in der Marktstraße zeigt Betty Beier Wochenmarktbesuchern ein Stück Boden, von einer Fläche, die inzwischen unter einem Stausee verschwunden ist.
Viel öffentliche Aufmerksamkeit: Bei ihrer Aktion in der Marktstraße zeigt Betty Beier Wochenmarktbesuchern ein Stück Boden, von einer Fläche, die inzwischen unter einem Stausee verschwunden ist. | Bild: Jörg Büsche

Vorausschau statt Vernissage

Am Tag vor der geplanten Vernissage zur Ausstellung mit Arbeiten von Silvia Heger und Waltraud Späth – beide Künstlerinnnen waren schon öfter in der Stadtgalerie zu sehen – haben Irina Stengele und Bernhard Oßwald zur Video-Konferenz geladen. An eine termingerechte Ausstellungseröffnung sei natürlich nicht zu denken, erklären die beiden. „Aber wir sind optimistisch“, so Oßwald. Vielleicht könnten die Arbeiten von Silvia Heger und Waltraud Späth ja bereits Ende Februar gezeigt werden, hofft er. „Aber das hängt davon ab, welche Signale von der Politik kommen.“

Kunstgenuss mit Maske: Besucherinnen in der „Schwarz-Weiß“-Ausstellung des Markdorfer Kunstvereins.
Kunstgenuss mit Maske: Besucherinnen in der „Schwarz-Weiß“-Ausstellung des Markdorfer Kunstvereins. | Bild: Jörg Büsche

Dass Kunst und Kultur als „Freizeitveranstaltung“ gefasst werden, findet Bernhard Oßwald „kurios“. So hat er es in seinem Brief an die Mitglieder des Kunstvereins formuliert. Was er von ihnen, aber auch aus der Markdorfer Bürgerschaft hört, ist Bedauern darüber, dass mit dem neuerlichen Lockdown die Arbeit des Kunstvereins stoppen musste, zumindest was deren öffentlichen Teil betrifft. Hinter den Kulissen jedoch plante der Vorstand weiter. Irina Stengele und Bernhard Oßwald verraten im Gespräch mit dem SÜDKURIER, was geplant ist, sofern die Galerien wieder öffnen dürfen.

Keine Kunstobjekte, sondern Flaschen mit dem Desinfektionsmittel für die Hygiene-Auflagen.
Keine Kunstobjekte, sondern Flaschen mit dem Desinfektionsmittel für die Hygiene-Auflagen. | Bild: Jörg Büsche

Ausstellungen lassen sich schlecht verschieben

Eigentlich ließen sich Ausstellungen ja auch verschieben. Doch ziehe jede Planung Folgen nach sich, erklärt der Kunstvereinsvorsitzende. Laudatoren wollen angefragt werden. „Man kann sie aber nicht ihre Eröffnungsrede schreiben lassen und dann absagen.“ Hinzu komme, dass die Künstler mitunter besondere Arbeiten für die Galerieräume vorbereiten wollen.

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Im Falle von Silvia Heger und Waltraud Späth sei es eine große Installation. Solche Objekte zu präsentieren, bedürfe aufwändiger Vorbereitungen, mithin auch reichlicher Vorbereitungszeit. „Bis März hätten wir da noch Spielraum“, erklärt Oßwald. Danach werde es eng. Und das, obgleich die ursprünglich geplante Ausstellung mit Arbeiten aus der Kreativ-Werkstatt aus dem Zentrum für Psychiatrie Weißenau abgesagt werden musste. Wegen der erhöhten Infektionsgefahr können die Psychiatrie-Kreativen derzeit ihrer künstlerischen Arbeit nicht nachgehen.

Richtig eng konnte es früher, in der Zeit vor der Pandemie, werden bei den Vernissagen des Kunstvereins.
Richtig eng konnte es früher, in der Zeit vor der Pandemie, werden bei den Vernissagen des Kunstvereins. | Bild: Jörg Büsche

Wieder junge Künstler in der Stadtgalerie

Frische, gar eine gewisse Frechheit verheißt die fürs Frühjahr vorgesehene Ausstellung, in der der Kunstverein Schüler aus der Klasse von Cordula Güdemann zeigt, Kunstprofessorin an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Grafiken, Zeichnungen, Gemälde und Fotografien, außerdem Skulpturen und Installationen werden zu sehen sein.

Irina Stengele verspricht eine spannende Übersicht, in der indes auch Werke bereits etablierter Ehemaliger der Stuttgarter Professorin ausstellen werden. Einer davon ist Wolfang Neumann, der auch schon in der Markdorfer „Ausgeträumt“-Ausstellung zu vertreten war. Im Sommer dann folgt Agnes Keil. Jene Bildhauerin, der im vergangenen Frühjahr abgesagt werden musste. Ihre Kleinplastiken und Monumental-Skulpturen thematisieren den Menschen „in Pose und Bewegung“, erklärt Bernhard Oßwald.

Arbeiten aus der „Schwarz-Weiß“-Ausstellung in der Stadtgalerie.
Arbeiten aus der „Schwarz-Weiß“-Ausstellung in der Stadtgalerie. | Bild: Jörg Büsche

Ans Ende kommen Fotos

Die vierte Ausstellung ist den Fotografien der ehemaligen Klufternerin Magdalena Abele gewidmet. Ebenso den Fotografien ihre Mannes. „Sie zeigt touristische Anziehungspunkte, die sie in besonderer Weise verfremdet“, erläutert Oßwald. „Und er, Johannes Kersting, fotografiert Gebäude, Details, die wie abstrakte Malerei wirken“, erklärt Irina Stengele.

Weniger Besucher als sonst durften zur Vernissage der Stadtgalerie in den Innenhof des Bischofschlosses kommen.
Weniger Besucher als sonst durften zur Vernissage der Stadtgalerie in den Innenhof des Bischofschlosses kommen. | Bild: Jörg Büsche
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