59 650 Euro bekommt die Stadt aus der dritten Tranche des Denkmalförderprogrammes des Landes 2022 für den Hexenturm, die Zusage kam Anfang November. „Darauf haben wir noch gewartet“, sagt Stadtbauamt-Sachbearbeiterin Jacqueline Leyers. Denn der Hexenturm soll ab Januar saniert werden und das bis voraussichtlich April 2024. „Eigentlich hatten wir gedacht, dass wir noch in diesem Jahr beginnen, aber dann wollten wir den Zuschlag aus der Förderung noch abwarten.“

Jacqueline Leyers ist im Stadtbauamt für die Freiraumgestaltung zuständig. Die Architektin koordiniert alle Arbeiten, die die Gestaltung ...
Jacqueline Leyers ist im Stadtbauamt für die Freiraumgestaltung zuständig. Die Architektin koordiniert alle Arbeiten, die die Gestaltung der Innenstadt betreffen, dazu gehört auch der Hexenturm. | Bild: Jörg Büsche

Die Pläne für die Sanierung des Hexenturmes, neben dem Bischofschloss das bauliche historische Wahrzeichen Markdorfs, liegen bereits seit Jahren in der Schublade im Rathaus. Nun ist der passende Zeitpunkt gekommen. Damit der Turm aus dem 13. Jahrhundert aber überhaupt für das Förderprogramm angemeldet werden konnte, brauchte es zunächst noch eine artenschutzrechtliche Beurteilung. Die hat Wilfried Löderbusch, Diplombiologe mit eigenem Büro für Landschaftsökologie im Markdorfer Ortsteil Reute, kurz vor der endgültigen Zusage geliefert.

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In den Brutperioden darf nicht gearbeitet werden

Denn der Hexenturm, in dem der Überlieferung nach im Mittelalter der Hexerei bezichtigte Frauen festgehalten wurden, ist auch heute noch bewohnt – allerdings nur noch von gefiederten Zeitgenossen: An der Westseite des knapp 30 Meter hohen Turms brütet seit Jahren regelmäßig ein Turmfalken-Paar und oben an der Turmfassade in vom BUND aufgehängten Nisthilfen immer wieder Mauersegler. Beide Arten sind wegen ihrer regionalen Rückgänge in der baden-württembergischen Vorwarnliste geführt, einer Vorstufe der Roten Liste bedrohter Arten. „Darauf müssen wir bei der Sanierung große Rücksicht nehmen, denn wir dürfen nicht in die Brutperioden kommen“, sagt Leyers.

Zimmer mit Aussicht: Die Turmfalken haben sich vor Jahren bereits in einer Nische an der Westfassade des Turms ihre Brutstätte eingerichtet.
Zimmer mit Aussicht: Die Turmfalken haben sich vor Jahren bereits in einer Nische an der Westfassade des Turms ihre Brutstätte eingerichtet. | Bild: Franz Kieferle
Das Markdorfer Turmfalken-Paar bei der Paarung. Auf die Brutstätte der Raubvögel im Turm muss bei der Sanierung ebenso Rücksicht ...
Das Markdorfer Turmfalken-Paar bei der Paarung. Auf die Brutstätte der Raubvögel im Turm muss bei der Sanierung ebenso Rücksicht genommen werden wie auf die Mauersegler. | Bild: Bodenseefotopetra

Gesamtkosten belaufen sich auf rund 360 000 Euro

Die Architektin im Stadtbauamt koordiniert für die Stadt die Sanierungsarbeiten an dem historischen Gemäuer. Federführend ausführen wird sie das Meersburger Holzbauunternehmen Schmäh. Insgesamt rund 360 000 Euro veranschlagt Sebastian Schmäh für die Sanierung. Insofern hilft der Zuschuss des Landes, denn er deckt in schwierigen Haushaltszeiten immerhin 16 Prozent der Kosten ab. Die restlichen Mittel in Höhe von rund 300 000 Euro sind bereits im Haushalt 2023 und in der Finanzplanung 2024 berücksichtigt.

Von der Schlossgasse her kommend steht man vor der Westseite des Hexenturms. Dort, in einer Nische der dem Bischofschloss zugewandten ...
Von der Schlossgasse her kommend steht man vor der Westseite des Hexenturms. Dort, in einer Nische der dem Bischofschloss zugewandten Fassadenseite, brütete in den vergangenen Jahren regelmäßig ein Turmfalken-Paar. | Bild: Grupp, Helmar

Im Frühjahr sollen die Arbeiten ausgeschrieben und im Juni die eine Hälfte des Gerüsts aufgestellt werden. Die andere Hälfte des Gerüsts soll dann im September aufgebaut werden, wenn die Brutzeiten der Vögel vorüber sind. Eventuell, so Schmäh in seinem Ablaufplan für die Stadt, müsse man dann nochmals darauf achten, ob es noch eine zweite Turmfalkenbrut gebe.

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Der historische Charakter der Fassade soll erhalten bleiben

Als erstes muss dann im Spätsommer oder zu Herbstbeginn mit Bürsten und Strahlern angerückt werden: Die Putzfassade muss schonend gesäubert und von Pilz- und Moosbefall befreit werden. „Unser Ziel ist es, dass die Fassade danach nicht nur wieder sauber ist, sondern auch ihren historischen Charakter behalten hat“, sagt Leyers: „Sie wird also nicht strahlend weiß sein.“ Auch diese Arbeiten müssen eng mit dem Denkmalschutz abgestimmt werden. Den Restauratoren selbst soll in den Monaten der Vorbereitung genügend Zeit gegeben werden, sich den Turm zuvor eingehend anzuschauen. Sorgfalt geht dabei vor Eile.

Je nach Lichteinfall verleiht der Hexenturm der Markdorfer Altstadt zuweilen fast schon etwas Mythisches, hier an einem Frühlingsmorgen ...
Je nach Lichteinfall verleiht der Hexenturm der Markdorfer Altstadt zuweilen fast schon etwas Mythisches, hier an einem Frühlingsmorgen während des Wochenmarktes. | Bild: Florian Fahlenbock

Saniert wird nur außen, die Innenräume bleiben belassen, wie sie sind. Neben der Fassadenreparatur sind es vor allem Zimmerer- und Dachdeckerarbeiten, die anstehen. Im März 2024 sollen Dach und Holztragwerk wieder saniert sein, im April 2024 die letzten Fassadenarbeiten. Im Januar will Schmäh seinen detaillierten Bauzeitenplan bei der Stadt einreichen. Spätestens in eineinhalb Jahren soll dann neben dem sanierten und umgebauten Rathaus auch ein sanierter Hexenturm stehen.