Herr Riedmann, beschreiben Sie die generelle Situation in der Stadtverwaltung angesichts der derzeitigen Beschränkungen wegen Corona.

Die aktuelle Situation in der Stadtverwaltung ist natürlich mehr als ungewöhnlich. Ein Rathaus lebt im Alltag vom Besucherverkehr, vom direkten Erbringen von Dienstleistungen und dem unmittelbaren Austausch mit den Bürgern. Diese Arbeit ist nahezu vollkommen zum Erliegen gekommen und beschränkt sich in weiten Teilen auf telefonische Beratung und E-Mail-Kommunikation.

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Es gibt nun Bereiche des Hauses, die sich insbesondere mit der Organisation der jetzt neu hinzukommenden Aufgaben und Maßnahmen befassen. Es gibt aber auch eine ganze Reihe von Kolleginnen und Kollegen, die selbstverständlich an den laufenden Projekten, Verwaltungsaufgaben und Dienstleistungen weiter arbeiten. Ich kann feststellen, dass wir gegenwärtig in der gesamten Stadtverwaltung eine hoch motivierte, konzentrierte und von einer positiven Einstellung geprägte Arbeitsatmosphäre erleben. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind sich ihrer Verantwortung als Beschäftigte einer wichtigen Infrastruktureinrichtung bewusst und kommen dieser vorbildlich nach.

Der städtische EDV-Spezialist Thilo Stötzner ist derzeit ein gefragter Mann in der Markdorfer Stadtverwaltung, wenn es beispielsweise darum geht, Technik wie Computer, Notebooks und Telefone für Konferenzschaltungen einzurichten.
Der städtische EDV-Spezialist Thilo Stötzner ist derzeit ein gefragter Mann in der Markdorfer Stadtverwaltung, wenn es beispielsweise darum geht, Technik wie Computer, Notebooks und Telefone für Konferenzschaltungen einzurichten. | Bild: Ganter, Toni

Welche Maßnahmen werden zum Schutz der städtischen Mitarbeiter in den jeweiligen Abteilungen beachtet und praktiziert beziehungsweise welche drei wichtigsten Maßnahmen wurden hausintern erlassen?

Wir haben für alle Bereiche Schichtbetrieb eingeführt: Für die Technischen Dienste Bauhof, Gärtnerei und Kläranlage sowie den Betreuungseinrichtungen vor rund zwei Wochen. In der Verwaltung seit Anfang vergangener Woche. Für die Verwaltung haben wir eine erhebliche Zahl an Home-Office-Arbeitsplätzen etablieren können, sodass die Kolleginnen und Kollegen jeweils einen Tag von zu Hause und einen Tag im Rathaus arbeiten. Wir wollen so die Anzahl der direkten Begegnungen reduzieren und verhindern, dass es zu einer großen Ansteckungswelle innerhalb des Hauses kommen kann. Daneben haben wir umfangreiche Informationen zum Thema Hygiene und zu den empfohlenen Abstandsregeln gegeben. Durch den bereits seit längerem installierten Krisenstab sind wir jederzeit in der Lage, auf veränderte Situationen zu reagieren.

So einige Arbeitsplätze im Rathaus bleiben wegen Corona unbesetzt, stattdessen gibt es Schichtbetrieb und Home-Office. In diesem Büro des Stadtbauamtes arbeiten üblicherweise bis zu vier Mitarbeiterinnen. Im Moment ist Salome Kimmig alleine.
So einige Arbeitsplätze im Rathaus bleiben wegen Corona unbesetzt, stattdessen gibt es Schichtbetrieb und Home-Office. In diesem Büro des Stadtbauamtes arbeiten üblicherweise bis zu vier Mitarbeiterinnen. Im Moment ist Salome Kimmig alleine. | Bild: Ganter, Toni

Wie ist das in Bereichen mit Kundenverkehr? Nur telefonischer Kontakt oder Voranmeldung, gilt die „Schranke“ im Eingangsbereich nach wie vor?

Es bleibt dabei, dass es nur bei unaufschiebbaren Themen den direkten Besuch im Rathaus gibt. Wenn ein Anliegen also tatsächlich weder telefonisch noch per E-Mail erledigt werden kann. Der Zutritt zum Rathaus wird aber beispielsweise zur Einsichtnahme in aktuell ausliegende Bauanträge oder Bebauungsplanverfahren gewährt, um die Rechtssicherheit der Verfahren zu garantieren.

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Wie werden trotzdem der betriebliche Alltag in der Stadtverwaltung und deren Leistungsfähigkeit gewährleistet? Finden nach wie vor „physische“ Besprechungen statt? Oder kommunizieren Sie auch hausintern mittlerweile mit Videotools wie Skype oder Ähnliches?

Die Anzahl der Besprechungen ist auf ein notwendiges Minimum reduziert. Die Besprechungen – vor allem der Amtsleiter im Krisenstab – werden im Bürgersaal des Rathauses durchgeführt, um die notwendige Distanz zu garantieren. Die Auftaktbesprechung zur Rathaussanierung mit den vom Gemeinderat beauftragten Fachplanern hat aber erfolgreich als Videokonferenz stattgefunden. Das bedeutet, in der aktuellen Situation wird einem auch die Scheu vor bislang vielleicht seltener gewählten Formaten genommen.

Dominik Lang von der Stadtgärtnerei Markdorf gießt und besprenkelt gerade Blumen am Hang des Bischofsschlosses.
Dominik Lang von der Stadtgärtnerei Markdorf gießt und besprenkelt gerade Blumen am Hang des Bischofsschlosses. | Bild: Ganter, Toni

Trifft es zu, dass in den städtischen Betrieben Bauhof und Stadtgärtnerei Kurzarbeit umgesetzt werden soll oder bereits umgesetzt wird und warum ist das so?

Das trifft nicht zu. Beide Abteilungen arbeiten im Schichtbetrieb.

Savelji Makarov von der Markdorfer Stadtgärtnerei bei Mäharbeiten.
Savelji Makarov von der Markdorfer Stadtgärtnerei bei Mäharbeiten. | Bild: Ganter, Toni

Wie viele Mitarbeiter der Verwaltung arbeiten inzwischen im Home-Office, wie viele noch an ihren Arbeitsplätzen?

Für die Kernverwaltung können wir tatsächlich etwa 50 Prozent der Arbeitsplätze im Home-Office aktivieren. Das bedeutet, es sind immer rund 20 bis 25 Kolleginnen und Kollegen im Haus und in etwa dieselbe Anzahl arbeitet von zu Hause.

Thomas Jäger vom städtischen Bauhof Markdorf beim Verladen von Randsteinen, die für das Befestigen von Wegen verwendet werden.
Thomas Jäger vom städtischen Bauhof Markdorf beim Verladen von Randsteinen, die für das Befestigen von Wegen verwendet werden. | Bild: Ganter, Toni

Trifft es zu, dass bis auf Weiteres alle öffentlichen und nichtöffentlichen Gremiensitzungen wie etwa Gemeinderat, Ausschüsse, Verbandsversammlungen abgesagt bleiben?

Aktuell sieht es so aus, als ob wir für unaufschiebbare Themen, die auch von der Bedeutung her keine Eilentscheidung des Bürgermeisters oder keinen Umlaufbeschluss zulassen, die Gremien einberufen müssen. Die zuständigen Behörden konnten bislang keine über die Vorgaben der Gemeindeordnung hinausgehende Empfehlung geben. Das wird insbesondere Bauanträge zur Behandlung im Technischen Ausschuss betreffen. Bei Bauanträgen gibt es gesetzliche Fristen zur Bearbeitung und damit auch zur Befassung im Gremium. Aber auch für den Gemeinderat werden Themen von großer Wichtigkeit oder Terminrelevanz aufgerufen werden müssen. Zum einen wissen wir nicht, wie lange der jetzige Zustand andauern wird. Zum anderen bietet die Gemeindeordnung noch keine Regelungen zu öffentlichen Videoschaltungen.

Elektriker Christoph Zeller vom städtischen Bauhof Markdorf überprüft in einem Lagerraum Lampen und Lichterketten, damit diese für künftige Einsätze verfügbar sind.
Elektriker Christoph Zeller vom städtischen Bauhof Markdorf überprüft in einem Lagerraum Lampen und Lichterketten, damit diese für künftige Einsätze verfügbar sind. | Bild: Ganter, Toni

Gibt es vonseiten des Regierungspräsidiums/des Landes bereits Signale/Zusagen bezüglich Verlängerungen von Fristen, wird die angespannte Zuschusssituation für die Stadt Markdorf bei wichtigen Vorhaben angepasst? Werden die Co-Finanzierungen dieser Vorhaben durch Zuschüsse Stand jetzt auch weiterhin gesichert sein?

Dazu haben wir keine Informationen. Wir gehen davon aus, dass unsere Aufgaben in der Städtebauförderung, Rathausareal, weiterhin so abgearbeitet werden, dass wir die Rahmenbedingungen des Förderprogrammes erfüllen.

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Wie läuft aktuell der Kontakt zu den Fraktionen ab, gibt es einen regelmäßigen oder terminlich festgelegten Austausch?

Ich habe in jener Woche anlässlich der Sitzung des Gemeinderates umfangreich mündlich informiert und die Mitglieder des Gemeinderates Anfang vergangener Woche schriftlich über die wesentlichen Neuigkeiten auf dem Laufenden gehalten. In diesen Abständen – oder bei Neuigkeiten von erheblicher Bedeutung – werden wir fortlaufend informieren.

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