Für Erich Pfleghaar waren und sind die vergangen Tage eine echte Herausforderung. Die ersten Erdbeeren können bis in gut zwei Wochen geerntet werden – nur die Erntehelfer fehlen. Denn normalerweise herrscht um diese Zeit bereits Hochbetrieb auf dem Obsthof in Reute. „Unsere rumänischen Arbeiter wurden Anfang der Woche an der ungarischen Grenze wieder zurückgeschickt“, sagt Pfleghaar. Nur einem einzigen Arbeiter aus Polen wurde am Montag aufgrund einer Sondergenehmigung die Einreise nach Deutschland über die polnische Grenze gestattet.

Helfer gesucht

„Jetzt ist erst mal die ganze Familie mit im Einsatz“, sagt Erich Pfleghaar. Und auch die Nachbarn und seine angestellten des mittlerweile geschlossenen Hofcafés würden mit anpacken. Es sei ihm wichtig, seine Mitarbeiter auch weiterhin beschäftigen zu können. „Wir kommen natürlich nicht mit allem hinterher“, räumt der Landwirt ein. Die Gemüse-Aussaat etwa müsse warten. „Oder es gibt eben dieses Jahr weniger Gemüse“, blickt Pfleghaar etwas bang in die Zukunft.

Minusgrade derzeit auch noch ein Problem

„Aktuell kommt noch die Kälte dazu“, sagt Landwirt Markus Heimgartner aus Oberleimbach. „Dann können wir die Erdbeerernte sowieso vergessen.“ Drei bis vier Minusgrade, das würden seine Beeren noch aushalten. Mehr nicht.

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Erich Pfleghaar dagegen baut in Gewächshäusern an. Die Pflanzen stehen bereits in voller Blüte. Und die ersten Fruchtstände bald vor der Ernte. Minusgrade wären ihr Todesurteil. „Ich bin die ganze Nacht auf und kontrolliere die Heizungen“, sagt der Landwirt. Die Müdigkeit steht ihm ins Gesicht geschrieben. Und auch das Gemüse steht in den Startlöchern oder wartet zumindest darauf, ausgesät zu werden. Klar benötige er Hilfe, „aber für viele Aufgaben kann ich nur geschulte Arbeiter brauchen, die das schon jahrelang machen“, sagt er, ist aber auch dankbar und froh über jeden, der seine Hilfe anbietet.

Wo werden aktuell Helfer benötigt?

„Derzeit können wir noch gar nicht richtig planen“, sagt Markus Heimgartner. Denn noch wartet und hofft er darauf, dass seine Erntehelfer bald einreisen können. Erst um den 25. April beginnt bei Heimgartners die Erdbeerernte im Freiland. „Und bis dahin passiert noch viel, und jeden Tag gibt es neue Regelungen“, sagt der Landwirt.

Eigentlich ist Julia Heimgartner gerade auf der Meisterschule, die aber aufgrund der Corona-Krise bis November geschlossen bleibt. Jetzt kann sie im eigenen Betrieb mithelfen, wo sie dringend gebraucht wird.
Eigentlich ist Julia Heimgartner gerade auf der Meisterschule, die aber aufgrund der Corona-Krise bis November geschlossen bleibt. Jetzt kann sie im eigenen Betrieb mithelfen, wo sie dringend gebraucht wird. | Bild: Helga Stützenberger

Derzeit stemmt die Familie zu dritt den Betrieb. „Wir sind als Familie gut aufgestellt“, erklärt Markus Heimgartner. Tochter Julia etwa, die eigentlich die Meisterschule besucht und seit vergangenem Jahr den Hof führt, arbeitet zur Zeit wieder zu 100 Prozent im Familienbetrieb mit, weil auch der Schulbetrieb bis zum 1. November ausgesetzt ist.

Viele Menschen bieten ihre Hilfe an

„Die Solidarität ist enorm“, sagt Heimgartner. Auch sie selbst hätten schon einige Anfragen von Menschen, die ihre Hilfe anbieten. Und die Wertschätzung, welche den Bauern neuerdings entgegengebracht würde, sei gewaltig. „Bisher hatten wir null Lobby“, räumt Heimgartner ein. Aber innerhalb der vergangenen zwei Wochen habe sich das komplett geändert. „Die Leute kommen zu uns und fragen, ob sie Äpfel haben können.“ Es scheine, so der Landwirt, man würde sich plötzlich dessen bewusst, was unsere regionale Landwirtschaft produziere und wie wichtig dieses Produkt sei. Dass die Äpfel den Weg in den Supermarkt finden, ist keine Selbstverständlichkeit mehr.

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„Ich bin nicht der Typ, der jammert“, sagt Heimgartner. Aus seiner Stimme spricht Pragmatismus und Zuversicht. „Wenn‘s mit der Ernte losgeht, müssen wir gut aufgestellt sein“, ist sein Anspruch. Bis dahin heißt es bei Heimgartners zunächst abwarten, ob die Arbeitskräfte aus Polen mit einer Sondergenehmigung nicht doch einreisen dürfen. Wenn nicht, dann ist man auch in Unterleimbach froh um jeden, der die Ärmel hochkrempelt und mit anpackt. „Wir stehen mit sehr vielen Menschen und deren Hilfsangeboten in Kontakt.“

Manche Arbeiten, wie etwa Pflanzenschutzmaßnahmen, schafft Christoph Steffelin allein. Für viele anderen Aufgaben benötigt er aber geschulte Helfer, die derzeit fehlen.
Manche Arbeiten, wie etwa Pflanzenschutzmaßnahmen, schafft Christoph Steffelin allein. Für viele anderen Aufgaben benötigt er aber geschulte Helfer, die derzeit fehlen. | Bild: Florian Fahlenbock

Geschulte Arbeiter sind unersetzlich

Glück im Unglück dagegen haben Christoph und Monika Steffelin auf ihrem Obsthof in Ittendorf. „Am Sonntag vor einer Woche konnten wir zusammen mit unseren polnischen Arbeitern noch alle Jungbäume pflanzen“, sagt Christoph Steffelin. Dann hieß es für die Arbeiter, sich zurück ins eigene Land zu begeben. Aufgrund des verhältnismäßig warmen Winters konnten die Obstbäume bereits im Dezember und Januar geschnitten werden. „Jetzt ist erst mal der Druck aus dem Kessel“, sagt Christoph Steffelin und holt tief Luft. Bis Anfang Mai seien lediglich Pflanzenschutzmaßnahmen zu treffen, „und das schaffe ich allein“.

„Vielleicht machen sich die Menschen wieder mehr Gedanken über die heimische Versorgung und wie sehr man davon abhängig ist.“
Christoph Steffelin

Aber spätestens, wenn die Hagelnetze angebracht werden müssten, steige der Druck wieder und geschulte Arbeitskräfte werden unersetzlich. Schwierig, gefährlich bisweilen sei diese Aufgabe, wenn sie von fachfremden Helfern ausgeführt würde. „Die Arbeitsbühnen müssen bedient werden, das erfordert einiges an Erfahrung“, sagt Steffelin auf die Frage, ob solidarisch handelnde Helfer in dieser Krise eingesetzt werden können. „Vielleicht machen sich die Menschen wieder mehr Gedanken über die heimische Versorgung und wie sehr man davon abhängig ist.“