Der Zettel verhieß nichts Gutes, den gut 50 Kinder aus der Realschule St. Elisabeth am Donnerstag mit nach Hause brachten. Der Brief aus dem Landratsamt war mit „Coronavirusinfektion in der Klasse Ihres Kindes“ überschrieben. Gleich in zwei Klassen wurde jeweils ein Schüler positiv auf das Coronavirus getestet, bestätigt das Landratsamt. Und nicht nur hier gibt es neue Infektionen: Eine Gruppe im katholischen Kindergarten Allmannsweiler wurde samt Erzieherin komplett für die nächsten 14 Tage heimgeschickt, weil bei einem Kind Covid-19 nachgewiesen wurde.

Damit sind Stand Donnerstag drei Schulklassen und zwei Kindergarten-Gruppen in Friedrichshafen von Neuinfektionen betroffen. Bereits am vergangenen Freitag wurde eine Gruppe mit 30 Kindern und fünf Erzieherinnen im städtischen Kindergarten Wiggenhausen in Quarantäne geschickt. Am Mittwoch kam ein weiterer Fall in der Gemeinschaftsschule Schreienesch dazu.

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Wie viele Kinder und Erwachsene das Gesundheitsamt des Bodenseekreises nun neu in Quarantäne geschickt hat, konnte Kreissprecher Robert Schwarz am Donnerstagnachmittag noch nicht sagen. Die Kontakte der infizierten Kinder in drei großen Gruppen an einem Tag zu prüfen, sei Schwerstarbeit für das Kontaktmanagement der Behörde, so Schwarz. Zumal das schnell gehen muss. Denn das Landratsamt fährt eine neue Strategie, die den geänderten Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts folgt.

Nicht mehr ganze Klassen müssen in Quarantäne

Während in den Kindertagesstätten weiterhin die komplette Gruppe zu Hause bleiben muss, wird bei einer bestätigten Infektion nicht mehr die ganze Klasse in Quarantäne geschickt. „Das unterscheidet sich von der Vorgehensweise im Frühjahr“, bestätigt Robert Schwarz auf Anfrage. Die behördliche Verfügung bekommen demnach nur noch die unmittelbaren Kontaktpersonen und Sitznachbarn des infizierten Schülers. Wer dann allerdings zu den sogenannten Kontaktpersonen ersten Grades zählt, muss selbst dann die 14-tägige Quarantäne zu Hause absitzen, wenn das Testergebnis negativ ist. Denn solange könnte das Virus noch ansteckend sein, falls es doch im Körper schlummert.

Robert Schwarz
Robert Schwarz | Bild: Timm Lechler
„Wir können nur um Verständnis bitten, dass wir die Grenze irgendwo ziehen müssen, wenn wir vermeiden wollen, wieder ganze Klasse aus der Schule zu nehmen.“
Robert Schwarz, Sprecher des Landratsamtes

Schülern, die „nur“ als Kontaktperson 2 klassifiziert werden, empfiehlt das Gesundheitsamt, zu Hause zu bleiben, bis das Testergebnis da ist. Das wiederum ist verpflichtend. „Ihr Kind darf erst wieder die Schule besuchen, wenn sie dort ein negatives Testergebnis ihres Kindes vorlegen können“, heißt es im Brief des Landratsamtes. Bis dahin sollen die Kinder Kontakte möglichst minimieren. „Eine polizeilich angeordnete Quarantäne ist nicht erforderlich“, wird in dem Schreiben erklärt.

Wo zieht man die Grenze?

Bei manchen Eltern regte sich deshalb am Donnerstag Unmut, warum für ihr Kind nun die Quarantäne verfügt wurde, obwohl es keinen direkten Kontakt zum infizierten Kind gegeben habe. Wo wird die Grenze gezogen? Kreissprecher Robert Schwarz kann den Ärger ein Stück weit verstehen. „Wir können nur um Verständnis bitten, dass wir die Grenze irgendwo ziehen müssen, wenn wir vermeiden wollen, wieder ganze Klasse aus der Schule zu nehmen.“

Kai Nopper
Kai Nopper | Bild: Samuel Groesch
„Wir waren gut auf diesen Fall vorbereitet und konnten professionell reagieren. Der Unterricht läuft wie geplant.“
Kai Nopper, Rektor der Gemeinschaftsschule Schreienesch

Die neue Linie lautet: Wer im Umkreis von etwa zwei Metern um das infizierte Kind im Klassenzimmer sitzt, wird als Kontaktperson ersten Grades eingestuft und muss 14 Tage in Quarantäne. Wer weiter weg sitzt, darf mit einem negativen Testergebnis wieder die Schule besuchen, wenn es sonst keinen direkten Kontakt gab. Letztlich müssen die Lehrer und Schulen melden, welche Kinder von dieser K1-Regelung betroffen sind. Trotzdem bleibe es eine „Einzelfallentscheidung“ des Gesundheitsamtes, so Schwarz. „Wir schauen auf die tatsächlichen Umstände und die Umsetzung der Hygienemaßnehmen“, erklärt der Kreissprecher.

Hier rein, da raus: Auch in der Gemeinschaftsschule Schreienesch ist derzeit eine Klasse wegen des positiven Testsergebnisses bei einem Schüler zuhause.
Hier rein, da raus: Auch in der Gemeinschaftsschule Schreienesch ist derzeit eine Klasse wegen des positiven Testsergebnisses bei einem Schüler zuhause. | Bild: Daniela Biehl

Und wie geht es den Schulen damit, dass trotz aller Vorkehrungen Infektionen offensichtlich nicht zu vermeiden sind? „Wir waren gut auf diesen Fall vorbereitet und konnten professionell reagieren“, sagt Kai Nopper, Rektor der Gemeinschaftsschule Schreienesch. Die Schüler hätten besonnen reagiert. „Der Unterricht läuft nach Plan“, so Nopper. Allerdings ist nun vorerst die gesamte Klasse zu Hause. Wie lange die einzelnen Kinder nicht in die Schule zurück dürfen, lege das Gesundheitsamt fest.

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Auch die Vorsitzende des Elternbeirats an der Gemeinschaftsschule reagiert besonnen. „Ich denke, uns war allen klar, dass dies mit Schulbeginn trotz aller Vorkehrungen leider jederzeit passieren kann“, sagt Sonja Utz. Der Elternbeirat stehe in stetigem Austausch mit der Schulleitung und vertraue hier auf deren enge und intensive Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt. „Panikmache wäre der falsche Weg“, so Sonja Utz. Eher sollte allen bewusst werden, „dass es das Virus leider nach wie vor gibt, dass er unser Leben weiterhin beeinflussen wird“. Und wie wichtig und notwendig die Hygienemaßnahmen und Umgangsregeln für alle sind.

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