Jobportale im Internet beweisen: Offene Stellen gibt es in Friedrichshafen zu genüge. Vom Rezeptionisten im Hotel über Automechaniker bis hin zum Entwicklungsingenieur – Bewerber für die verschiedensten Berufe werden momentan gesucht.

Doch im Vorjahr waren es viele Stellen mehr auf dem Arbeitsmarkt in der Region. Das bestätigt Walter Nägele, Pressesprecher der Agentur für Arbeit Konstanz-Ravensburg. „Die Zahl der Stellenangebote ist zurückgegangen“, sagt er. Im September waren etwa 5 100 offene Jobangebote gemeldet, im Vorjahr waren es in diesem Monat circa 7 800.

Walter Nägele, Pressesprecher Agentur für Arbeit Konstanz-Ravensburg: „Die Zahl der Stellenangebote ist zurückgegangen.“
Walter Nägele, Pressesprecher Agentur für Arbeit Konstanz-Ravensburg: „Die Zahl der Stellenangebote ist zurückgegangen.“ | Bild: Agentur Für Arbeit

Gegenüber den offenen Stellen waren im September 2020 etwa 28 600 Menschen im Gebiet der Arbeitsagentur arbeitssuchend gemeldet, circa 7 000 mehr als im September 2019. „Darunter sind viele Beschäftigte, die einen Jobwechsel planen, aber noch keinen neuen Arbeitgeber gefunden haben“, weiß Nägele. Auch Menschen, die in die Bodenseeregion umziehen wollen und einen Arbeitsplatz suchen, gehören dazu.

„Die Krise hat die Lage auf Teilen des Arbeitsmarkts verschärft“

Der Grund für den Einbruch der offenen Stellen ist die Corona-Pandemie. „Die Krise hat die Lage in Teilen des Arbeitsmarkts verschärft“, betont Nägele. Während etwa im Gesundheitswesen, dem Handwerk und in der IT Arbeitskräfte gesucht werden, würden vor allen Hotellerie, Gastronomie und Handel unter den Folgen der Pandemie leiden.

Eine weitere Ursache für das Ungleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt: „Zahlreiche Unternehmen befinden sich noch in Kurzarbeit und stellen keine neuen Arbeitnehmer ein.“ So etwa auch die Zeppelin GmbH. Seit Ende März stellt der Zeppelin Konzern keine neuen Mitarbeiter mehr ein. „Aufgrund der Corona-Pandemie und der sich daraus ergebenden wirtschaftlichen Folgen“ seien sämtliche Bewerbungs- und Einstellungsverfahren temporär bis auf weiteres ausgesetzt, heißt es von einer Sprecherin des Konzerns.

Diese Maßnahme diene dem Schutz der bestehenden Arbeitsplätze – auch vor dem Hintergrund, dass einige Mitarbeiter in Kurzarbeit gegangen sind. Die Sprecherin betont aber, dass Bewerbungsverfahren, die bereits vor Beginn der Krise eingeleitet waren, fortgesetzt wurden.

Die ersten Gespräche mit den Bewerbern wurden zunächst digital per Videokonferenz geführt. „Bei Folgegesprächen haben wir die Bewerber unter Beachtung der geltenden Hygiene- und Schutzmaßnahmen persönlich in unseren Räumlichkeiten begrüßt“, sagt die Konzern-Sprecherin.

„Wir haben nur äußerst gezielt Neueinstellungen vorgenommen“

Etwas anders sieht es bei ZF aus. Zwar hat das Unternehmen seine Stellenausschreibungen reduziert, aber es gibt trotzdem noch etwa 20 freie Jobangebote am Standort Friedrichshafen. Das gibt ein Sprecher von ZF bekannt. Fast die Hälfte dieser Stellen sind allerdings Praktikantenplätze oder Ferienjob-Angebote.

„Angesichts vorübergehender Produktionspausen, von Kurzarbeit und der Neubewertung von Kunden- und Entwicklungsprojekten haben wir den üblichen Rekrutierungsprozess sehr stark reduziert und nur äußerst gezielt Neueinstellungen vorgenommen“, sagt der ZF-Sprecher.

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Im Vergleich zu den ausgeschriebenen Stellen sei die Zahl der Ausbildungsplätze im Unternehmen unverändert. Für das Jahr 2021 bietet ZF für den Häfler Standort 121 Plätze für die Berufsausbildung und das duale Studium an. „Wir benötigen auch in Zukunft qualifizierte Fachkräfte“, begründet der Sprecher.

Trotz Corona-Pandemie bietet das Häfler Unternehmen ZF 121 Ausbildungs- und Studienplätze für das kommende Ausbildungsjahr an. „Wir benötigen auch in Zukunft qualifizierte Fachkräfte“, begründet ein ZF-Sprecher.
Trotz Corona-Pandemie bietet das Häfler Unternehmen ZF 121 Ausbildungs- und Studienplätze für das kommende Ausbildungsjahr an. „Wir benötigen auch in Zukunft qualifizierte Fachkräfte“, begründet ein ZF-Sprecher. | Bild: Felix Kästle, dpa

Offene Stellen für Berufserfahrene und Ausbildungsplätze gibt es also trotz Corona bei ZF. Doch wie läuft das Bewerbungsverfahren in diesen Zeiten ab? „Wie in anderen Bereichen hat die Corona-Pandemie auch im Bereich der Personalsuche und -auswahl bestehende Trends und Entwicklungen beschleunigt“, erklärt der ZF-Sprecher. So wurde der gesamte Bewerbungsprozess kurzerhand digitalisiert. Persönliche Gespräche mit Bewerbern oder Assessment-Center gebe es nur dann, wenn es die Corona-Situation zulässt.

„Viele sind während der Pandemie vorsichtiger geworden“

Ähnlich handhabt es das Unternehmen Rolls-Royce Power Systems (MTU). Wie Pressesprecher Wolfgang Boller sagt, werden Bewerber „nur in Ausnahmefällen nach Friedrichshafen eingeladen“. Ansonsten finden Bewerbungsgespräche und abschließende Gespräche rund um den Arbeitsvertrag digital via Skype statt.

Trotz Corona-Pandemie bietet das Häfler Unternehmen ZF 121 Ausbildungs- und Studienplätze für das kommende Ausbildungsjahr an. „Wir benötigen auch in Zukunft qualifizierte Fachkräfte“, begründet ein ZF-Sprecher.
Trotz Corona-Pandemie bietet das Häfler Unternehmen ZF 121 Ausbildungs- und Studienplätze für das kommende Ausbildungsjahr an. „Wir benötigen auch in Zukunft qualifizierte Fachkräfte“, begründet ein ZF-Sprecher. | Bild: Felix Kästle, dpa

Momentan hat MTU knapp 40 Stellen am Standort Friedrichshafen ausgeschrieben. Das Unternehmen beobachte, dass der Bewerbungseingang „etwas zurückhaltender“ sei als vor der Krise. „Vermutlich, weil viele Menschen während der Pandemie vorsichtiger geworden sind und ihre aktuelle Stelle auch mit Sicherheit verbinden.“

Für diejenigen, die sich dennoch bei MTU bewerben, funktioniere das digitale Bewerbungssystem „sehr gut“, bilanziert Boller. So könne das Unternehmen auch Videokonferenzen mit Bewerbern führen, die sich zum Zeitpunkt des Gesprächs nicht nur in Deutschland sondern auch in anderen Ländern aufhalten.

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