Christine Heimpel aus Friedrichshafen ist Erzieherin und arbeitet derzeit an der Schule am See, außerdem sitzt sie seit 2014 im Gemeinderat. Sie ist einen vollen Tagesablauf gewöhnt. Durch die Corona-Pandemie hat sich die Dichte noch einmal deutlich verändert. Seit etwas mehr als zehn Tagen ist die Veränderung für sie besonders deutlich zu spüren: Wegen des Kontakts zu einer später positiv auf das Coronavirus getesteten Person musste Christine Heimpel sich in Quarantäne begeben.

Video: Lena Reiner

Langweilig wird Christine Heimpel allerdings nicht: Sie bereitet den Unterricht vor, hält den Unterricht online, betreut manche Kinder zusätzlich einzeln virtuell und telefonisch. Zusätzlich hat sie Online-Fraktionssitzungen und Gemeinderatsunterlagen zum Durcharbeiten. Die tatsächliche Ausübung ihres Amts, also die Teilnahme an einer Sitzung des Gremiums oder auch das Abstimmen über einen Antrag, sei allerdings nicht möglich. Nicht einmal ohne ein aktives Stimm- und Rederecht ist ihr in Friedrichshafen die Teilnahme möglich, nennt sie eine lokale Besonderheit: „Ich bin von der Sitzung komplett ausgeschlossen.“ Das empfinde sie im Grundsatz als eine schwierige Sache. Sie werde schließlich mit Sicherheit nicht die Einzige bleiben, die dies in nächster Zeit betreffe. Sie hofft daher auf eine andere Lösung.

Und, wie schaffen Sie das?

Allein in einem Zimmer in der eigentlich gemeinsamen Wohnung

Doch nicht nur an Sitzungen darf Heimpel nicht teilnehmen, auch in den heimischen vier Wänden läuft ihr Tag anders ab als üblich. Da sie selbst als sogenannter Kontakt 1 gelte, lebe sie derzeit allein in einem Zimmer in der eigentlich gemeinsamen Wohnung. Das hat einen einfachen Grund: Er gilt als Kontaktperson 2. „Als Kontaktperson 2 darf man ein relativ normales Leben führen: rausgehen, einkaufen gehen, arbeiten.“ Wenn ihr Mann sich im selben Zimmer mit ihr aufhalte, dann würde er ebenfalls zu einem Erstkontakt werden.

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Zusammen und doch getrennt – ist das seltsam?

„Sehr schräg“ findet Frank Heimpel-Labitzke es, zusammen und doch getrennt zu leben: „Gewohnte Abläufe funktionieren einfach nicht. Ich brauche einen Teil meiner Aufmerksamkeit für so Sachen wie Abstandhalten.“ Es sei für ihn – gefühlt – schlimmer, als wenn er tatsächlich (beruflich) unterwegs wäre: „Zu wissen, ich sitze hier irgendwo und die Christine sitzt in einem anderen Raum und wir gucken sogar vielleicht dieselbe Fernsehsendung. Aber wir gucken die nicht zusammen. Das ist sehr, sehr schräg.“

Christine Heimpel ist Gemeinderätin für Bündnis 90/Grüne in Friedrichshafen.
Christine Heimpel ist Gemeinderätin für Bündnis 90/Grüne in Friedrichshafen. | Bild: Archiv

Dass Frank Heimpel-Labitzke noch das Haus verlassen dürfe – und seine Frau eben nicht – das löse bei ihm eine breite Palette an Gefühlen aus: Diese reiche von Erleichterung, dass zumindest einer von ihnen beiden nach draußen dürfe und ganz banale Dinge tun dürfe wie einkaufen oder zum Briefkasten gehen, bis hin zum schlechten Gewissen. „Ich darf raus und sie nicht: Das ist irgendwie schon auch seltsam.“ Beim Umgang mit der Situation helfe ihm sein Beruf als Coach und Konfliktmoderator weiter: „Ich coache mich gerade selber: Was würde ich jetzt jemandem raten?“