Die Schnetzenhauser Straße in Manzell ist kein Unfallschwerpunkt, weist keine erhöhten Lärmwerte auf, die Quote der Verkehrsverstöße ist gering und das Verkehrsaufkommen ist seit der Teilfreigabe der B 31 geringer als vorher. So lautet das Fazit in einer Stellungnahme der Stadtverwaltung zu den Anliegen der Bürgerinitiative Schnetzenhauser Straße. „Es besteht aktuell kein Handlungsbedarf“, schreibt Bürgermeister Dieter Stauber in einem Brief an die Vertreter der Initiative.

Anfang März hatten Karl-Heinz Bieser und Ralf Lattner vor dem Rathaus eine Petition mit rund 100 Unterschriften an Bürgermeister Dieter Stauber übergeben. Wegen der Lärmbelastung durch Lastwagen am Tag und Raser in der Nacht sowie gefährlichen Situationen für Fußgänger und Radler forderten die Anwohner darin Geschwindigkeitsbegrenzungen und die Installation eines Messgeräts. Angehängt hatten sie Daten einer privaten Messanlage, die Geschwindigkeit, Zahl und Länge der Fahrzeuge sowie Lärm und Feinstaub aufzeichnet.

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Zunehmender Straßenlärm wird nicht nur hier beklagt

„Die Belastung der Bevölkerung mit zunehmendem Straßenverkehrslärm ist ein allgemeines Problem und wird von den Anwohnern ganz unterschiedlicher Straßen beklagt“, gesteht Stauber zu. Berechnungen im Rahmen des Lärmaktionsplans hätten für den Bereich jedoch keine hohe Lärmbelastung ergeben. Für die angemahnte Addierung der Lärmquellen Verkehr, Martinshörner und Rettungshubschrauber sei ihm kein anerkanntes Verfahren bekannt.

Einen fest installierten Blitzer an der Schnetzenhauser Straße lehnt Stauber ab. Die Quote der Verstöße sei nicht sehr hoch im Vergleich zu anderen Straßen. Es gebe keine Straße in Friedrichshafen, an der bei Messungen keine Geschwindigkeitsverstöße vorkämen. Neue Messstandorte würden nach Unfallhäufigkeit und Ergebnissen im Rahmen von Lärmaktionsplänen nach EU-Richtlinien ausgewählt. Erhobene Daten zeigten zudem, dass das Verkehrsaufkommen nach der Teilfreigabe der B 31 eher abgenommen habe. Statt den von der Bürgerinitiative gemessenen 122 Lastwagen pro Tag zählt die Stadt zwischen 52 und 55.

Kein Blitzer und auch kein Tempo 30

Auch eine Beschränkung der Geschwindigkeit ist nicht vorgesehen. Eine solche könne die Stadt nur bei einer das allgemeine Risiko erheblich übersteigenden Gefahrenlage anordnen, erläutert Stauber: „Eine Unfallhäufungsstelle ist im Verlauf der Schnetzenhauser Straße nicht ausgewiesen.“ Die polizeilich erfassten Unfälle stünden nicht im Zusammenhang mit der Ursache Geschwindigkeit. Ein ungewöhnlich hohes Risiko für Radfahrer oder Fußgänger sieht Stauber nicht. Auf den für Radfahrer vorgesehenen Schutzstreifen könne es zwar dazu kommen, dass diese vermehrt und zum Teil ohne Sicherheitsabstand überholt würden. „An dieser Situation ist durch die vorhandene Straßenbreite baulich leider nichts zu ändern“, schreibt Stauber.

Bürgermeister Dieter Stauber
Bürgermeister Dieter Stauber | Bild: Felix Kaestle

Die ebenfalls von den Anwohnern monierten Erschütterungen bei der Durchfahrt von Lastwagen könnten durch alte Fahrbahnschäden verursacht sein. Der Bauhof sei beauftragt, sich darum zu kümmern, versicherte Stauber.

Die Schnetzenhauser Straße wird seiner Einschätzung nach auch in Zukunft dem überörtlichen Verkehr dienen, bei Freigabe der B 31-neu rechnet er jedoch mit weniger Fernverkehr und damit weniger LKW. „Wir werden aber nach der Komplett-Freigabe der B 31 in vier Monaten und einer damit einhergehenden möglichen neuen und veränderten Verkehrsverteilung die Situation neu untersuchen und bewerten“, heißt es in seinem Brief.

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Reaktion der Stadt sorgt für Enttäuschung

Die Vertreter der Bürgerinitiative, Karl-Heinz Bieser und Ralf Lattner, sind von der Reaktion enttäuscht. Statt ihre Erfahrungen und Anregungen aufzunehmen und nach einer gemeinsamen Problemlösung zu suchen, spiele die Stadt auf Zeit. Die geschilderten Probleme seien jedoch aktuell. Theoretische Lärmberechnungen etwa würden der Belastung der Anlieger nicht gerecht. Dies zeige sich schon darin, dass 100 Anwohner die Petition unterschrieben hätten, der Lärmaktionsplan aber nur mit neun Betroffenen rechne.

Indirekt bestätige der Brief sogar die für den Verkehr nicht ausreichende Breite der Straße. „Wie viele Unfälle hier täglich beinahe geschehen, findet sich in keiner Statistik“, sagt Ralf Lattner. In der vergangenen Woche erst habe er vom Homeoffice aus beobachtet, wie ein Bus langsam hinter einer Radfahrerin herfuhr und beide von einem Auto bei Gegenverkehr überholt wurden. „Das war knapp, dass da nichts passiert ist“, sagt er.

Die Zufahrten zum Kreisverkehr am Stockerholz sind laut Aussage der Stadt normgerecht, Anwohner beobachten häufig gefährliche Situationen durch das Überholen kurz vor der Einfahrt.
Die Zufahrten zum Kreisverkehr am Stockerholz sind laut Aussage der Stadt normgerecht, Anwohner beobachten häufig gefährliche Situationen durch das Überholen kurz vor der Einfahrt. | Bild: Corinna Raupach

Die Messungen der privaten Anlage zu Anzahl und Länge der Fahrzeuge seien akkurat, nicht nur weil sie stationär, dauerhaft und ohne Hindernisse erhoben würden. Bei städtischen Messungen hat Karl-Heinz Bieser nach eigenen Angaben dagegen beobachtet, dass manchmal Mülleimer vor der Zählbox standen, das Messgerät weggedreht oder auch ausgefallen war. Wegen der Pandemie seien deutlich weniger Busse unterwegs. Die gestiegene Zahl der LKW dagegen bestätigten nicht nur seine Messdaten, sondern auch Beobachtungen der Anwohner.

Moderne Seidenradarmessgeräte mit einer Autokalibrationsfunktion könnten zudem die genaue Länge eines Fahrzeugs ohne weiteren Abgleich angeben – das hatte die Stadt bezweifelt. „Ich habe umgehend den Hersteller angeschrieben. Der hat bestätigt, dass diese Technik bereits seit zehn bis 15 Jahren im Einsatz ist“, sagt Bieser. Das private Messgerät in der Schnetzenhauser Straße und die Geräte der Stadt stammen vom gleichen Hersteller.

Anwohner hoffen auf Unterstützung aus Gemeinderat

In einem Brief an den Bürgermeister haben die Vertreter der Bürgerinitiative ihre Enttäuschung geäußert und erneut auf ihre Anliegen hingewiesen. „Leider wird mehr Aufwand darauf verwendet, Bürgerinteressen abzuwehren als die Interessen der Bürger ernst zu nehmen und Verbesserungen herbei zu führen“, schreiben Karl-Heinz Bieser und Ralf Lattner. Da die Argumente ausgetauscht seien, hielten sie eine weitere Diskussion nicht für zielführend. „Wir werden also die Kompletteröffnung der B 31 abwarten und bis dahin die Lage aufmerksam beobachten und kontinuierlich die Verkehrsdaten weiter erfassen“, kündigen sie an.

Hoffnungen setzen die Anwohner auf den Gemeinderat. „Es ist ein politisches Ziel durch alle Fraktionen, den Rad- und Fußverkehr zu stärken“, sagt Lattner. Das Netzwerk für Friedrichshafen hat bereits Kontakt zu der Bürgerinitiative aufgenommen. „Wir vom Netzwerk für Friedrichshafen sind für die von Ihnen vorgeschlagenen Maßnahmen zur Reduzierung der Belastungen durch den motorisierten Individualverkehr. Die Situation in Schnetzenhausen und anderen Ortsteilen ist schlimm und wird sich ohne entschiedene Gegenmaßnahmen weiter verschlimmern“, schreibt Philipp Fuhrmann in einer E-Mail. Das Netzwerk ist nach seinen Angaben dabei, einen Antrag zu flächendeckendem Tempo 30 als Modell-Kommune zu erarbeiten.