Der 5. August war für viele Friedrichshafener, vor allem in Fischbach, ein heimlicher Feiertag. An jenem Mittwoch mitten in den Sommerferien wurde ein großes Teilstück der B 31-neu vorzeitig eröffnet, die Sperren an den Zu- und Abfahrten Fischbach, Spaltenstein und Schnetzenhausen weggeräumt. Seither rollt der Verkehr zwischen Ortsende Immenstaad und Friedrichshafen-West über rund fünf der insgesamt sieben Kilometer langen neuen Bundesstraße, während der letzte Abschnitt am Tunnel Waggershausen noch im Bau ist.

Bild: Schönlein, Ute

Viele Anwohner in Schnetzenhausen und Waggershausen allerdings hatten sich vehement gegen die Teilöffnung der B 31 gestellt. Sie befürchteten vor allem mehr Lärm und Probleme durch Lastwagen, die sich über Ortsstraßen quälen, die für den Lkw-Durchgangsverkehr nicht ausgelegt sind. Hat sich das bestätigt? „Wir sind natürlich nicht glücklich über die Teilöffnung, aber froh, dass wenigstens der Schwerlastverkehr auf der alten B 31 bleiben muss“, sagt Anita Schraff von der Bürgerinitiative. Es war ein Zugeständnis der Stadt, dass Fahrzeuge mit mehr als 3,5 Tonnen Gewicht nicht auf die neue Straße dürfen – vor allem, weil massive Verkehrsbehinderungen an der Kreuzung Hoch/Maybachstraße zu erwarten waren.

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Trotzdem fahren jetzt immer mehr 40-Tonner und Reisebusse auf die neue Bundesstraße, obwohl sie nicht dürfen, beobachten die Anwohner und belegen das mit Bildern. „Das führt auf unseren Umleitungsstrecken zu gefährlichen Situationen und einem hohem Geräuschpegel“, beklagt Anita Schraff. Ein Grund: Die Laster werden aus beiden Richtungen über die B-31 neu navigiert.

Kein Zurück nach falscher Auffahrt

Einmal falsch auf die neue Bundesstraße aufgefahren, ist eine Umkehr nicht mehr möglich. „Hier wünschen wir uns die von der Stadt mehrfach in Aussicht gestellten Kontrollen und Nachjustierungen und deren öffentliche Information“, sagt Anita Schraff stellvertretend für die Anwohner. Nach Aussage der Stadt sei die Beschilderung ausreichend. Bereits kurz nach der Teilfreigabe habe das Rathaus einige Änderungs- und Verbesserungsvorschläge erhalten, die geprüft und teilweise auch umgesetzt wurden.

Wenn Schwerlaster die Auffahrt hinter sich haben, gibt es kein Zurück.
Wenn Schwerlaster die Auffahrt hinter sich haben, gibt es kein Zurück. | Bild: Anita Schraff

Für die Anwohner sei der Mehrverkehr auf den Straßen, die zu oder von den neuen Abfahrten führen, sehr wohl „deutlich spürbar“, und zwar mit ganztägiger Geräuschkulisse. Dazu kämen immer wieder auch Staus. Durch den stärkeren Berufsverkehr seit Ferienende trotz Corona und Kurzarbeit oder Home-office sei die Ein- oder Ausfahrt auf die Grundstücke an der Strecke wie prognostiziert schwierig bis gefährlich. Nach Angaben der Stadtverwaltung laufen bis Mitte Oktober Zählungen des Verkehrs ab Freigabe der B 31 neu, die auch den Alltagsverkehr samt Pendlerströmen ab Mitte September erfassen, um belastbare Zahlen zu erhalten.

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Aber auch Radfahrer, die auf der Hochstraße oder den Nebenstraßen unterwegs sind, seien deutlich gefährdeter. „Sie werden oft abgedrängt und müssen mehrfach die Straßenseiten wechseln“, erklärt Anita Schraff. Deren Beschwerden würden von den Behörden aber nicht verfolgt und erschienen somit auch nirgends in der Statistik.

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Hauptproblem für die Anwohner bleibe der Verkehrslärm, der schon vor der Teilöffnung nahe an den Grenzwerten lag. „Wir wünschen uns dringend Geschwindigkeitsreduzierungen und regelmäßige Kontrollen vor allem zu Spitzenzeiten“, erneuert Anita Schraff Forderungen der Anwohner nach Tempo 80 auf der neuen B 31, Tempo 50 auf der Abfahrt Heiseloch und Tempo 30 durch Sparbruck. Diesen Forderungen hatten Vertreter der Stadt bei einer Informationsveranstaltung Mitte Juli allerdings eine Absage erteilt, weil sie verkehrsrechtlich nicht durchsetzbar seien. Woanders gehe das auch, so Schraff, und verweist auf Tempo 30 tags und nachts auf der Jettenhauser Straße oder nachts auf der alten B 31.

Anwohner vermissen Willen für gute Lösung

„Wir vermissen den Willen der Stadt, eine gute Lösung für die betroffenen Bürger anzustreben und deren Sicherheit, Gesundheit und Wohlbefinden dem Formalismus voranzustellen“, zieht Anita Schraff en Zwischenfazit. Mit Geschwindigkeitsbegrenzungen und Kontrollen wäre ihrer Meinung nach viel gewonnen – bei kleinstem Aufwand und geringsten Kosten.

Denn vor allem für die Sparbrucker bedeute die neue Bundesstraße obendrein seit sechs Jahren extrem viel Baustellenverkehr, der auch mit Fertigstellung der B 31-neu nicht beendet sein wird. Denn im Fallenbrunnen stehen die nächsten große Bauprojekte an.

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