Bei Caroline Lindner an der Schnetzenhauser Straße beben regelmäßig die Wände. „Immer wenn ein Lastwagen vorbeifährt, wackeln bei uns die Scheiben“, sagt sie. Ihr Nachbar Karl-Heinz Bieser kennt jede Bodenwelle und jedes Loch im Asphalt. „Das gibt jedes Mal einen Schlag, wenn da ein LKW durchgeht“, sagt er.

Die Schnetzenhauser Straße führt von der B 31 am Klinikum vorbei. Tagsüber ist es laut wegen des hohen Verkehrsaufkommens, der Martinshörner der Rettungswagen sowie an- und abfliegenden Hubschraubern. Nachts werde die Straße zu Rennstrecke – schlafen bei offenem Fenster sei kaum noch möglich, sagt ein Anwohner.

Die Kreuzung vor dem Klinikum ist unübersichtlich, durch verengte Fahrspuren kommen sich Fußgänger, Radfahrer, Autos und Laster gefährlich nahe.
Die Kreuzung vor dem Klinikum ist unübersichtlich, durch verengte Fahrspuren kommen sich Fußgänger, Radfahrer, Autos und Laster gefährlich nahe. | Bild: Corinna Raupach

Die Bürgerinitiative Schnetzenhauser Straße fordert daher Tempo 30 ganztägig bis zur vollständigen Öffnung der neuen B 31 und danach während der Nacht. Ein fest installierter Blitzer soll die Geschwindigkeit überwachen. Sie begründen das nicht nur mit dem Lärm, sondern auch mit Gefahren vor allem für Fußgänger und Radfahrer. Am Donnerstag haben Ralf Lattner und Karl-Heinz Bieser ein entsprechendes Schreiben mit rund 100 Unterschriften vor dem Rathaus an Bürgermeister Dieter Stauber übergeben.

Als Radfahrer von den Seitenstraßen links abzubiegen ist wegen des hohen Verkehrsabkommens schwierig.
Als Radfahrer von den Seitenstraßen links abzubiegen ist wegen des hohen Verkehrsabkommens schwierig. | Bild: Corinna Raupach

Bieser hat im Dezember eine Messanlage vor seinem Haus installiert. „Oben ist ein Seitenradar, das ist die gleiche Technik, die die Polizei nutzt. Der misst Geschwindigkeit, Anzahl, Richtung und Länge der Fahrzeuge“, sagt er. Darunter befinden sich ein Feinstaubsensor und ein Lärmmessgerät, das Schallpegel für Tag, Abend, Nacht und einen Druchschnittswert ermittelt.

Karl-Heinz Bieser hat vor seinem Haus ein Messgerät für Geschwindigkeit und Lärm installiert.
Karl-Heinz Bieser hat vor seinem Haus ein Messgerät für Geschwindigkeit und Lärm installiert. | Bild: Corinna Raupach

Seine Daten hat er der Unterschriftenliste angehängt. Sie zeigen, dass an Werktagen um die 5000 Fahrzeuge auf der Straße fahren, davon 300 Lastwagen. „Und das im Lockdown, vorher waren es rund 8000 Fahrzeuge“, sagt Bieser. Vor allem nachts misst er häufig Geschwindigkeitsüberschreitungen – bis zu 22 Prozent aller Fahrzeuge fahren 57 Stundenkilometer oder schneller, regelmäßig sind Autofahrer mit mehr als 80 Stundenkilometern unterwegs.

Messungen zeigen: Lastwagenverkehr hat zugenommen

Schon 2016 hatte er für ein paar Wochen ein Messgerät ausgeliehen und kann daher vergleichen: „Seit der Teilöffnung der B 31-neu hat der LKW-Verkehr auf der Schnetzenhauser Straße zugenommen“, sagt er. Seit dem Lockdown seien auch mehr Radfahrer unterwegs. Dafür sei die Straße nicht gemacht. „Bis zum Bau des Klinikums war das hier eine schmale Straße durch ein Wohngebiet“, sagt Bieser.

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Ralf Lattner weist auf Gefahren für Radfahrer und Fußgänger hin. Die Straße ist unter anderem der Weg, auf dem viele Kinder nach Schnetzenhausen oder Fischbach in die Grundschule laufen. Auf den Fußgängerüberwegen am Kreisel seien schon zweimal Kinder angefahren worden, sagt Lattner. Kurz vor der Auffahrt zur B 31 schützt ein Geländer den Rad- und Gehweg. Immer wieder fahren abbiegende Lastwagen dieses um. Statt Metallbögen zu reparieren, sind inzwischen nur noch Ketten am Straßenrand angebracht – die neueste Garnitur liegt schon wieder am Boden.

Die Geländer an der Zufahrt zur B 31 wurden so oft von Lastwagen umgefahren, dass nur noch Ketten angebracht werden – die aktuelle Garnitur ist wieder beschädigt.
Die Geländer an der Zufahrt zur B 31 wurden so oft von Lastwagen umgefahren, dass nur noch Ketten angebracht werden – die aktuelle Garnitur ist wieder beschädigt. | Bild: Corinna Raupach

Vor dem Kreisel und am Klinikum verengen sich die Fahrspuren – für Radfahrer wird es hier eng. Es komme immer wieder zu Unfällen und noch häufiger zu Fast-Unfällen, sagt Lattner. 2016 etwa fuhr eine Mutter mit ihren zwei Kindern im Fahrradanhänger auf dem Radweg und wurde von einem überholenden Auto erfasst. „Es war fast ein Wunder, dass niemand zu Schaden kam“, sagt Lattner.

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Der geringe Straßenquerschnitt von teils nicht einmal sieben Metern inklusive aufgemalter Schutzstreifen für Radelnde bedeute, dass Radfahrer bei Gegenverkehr nicht mit Sicherheitsabstand überholt werden könnten, heißt es dazu im Schreiben an die Stadt.

Die Verengungen der Fahrspuren vor dem Kreisel sorgen immer wieder für gefährliche Situationen vor allem für Radler.
Die Verengungen der Fahrspuren vor dem Kreisel sorgen immer wieder für gefährliche Situationen vor allem für Radler. | Bild: Corinna Raupach

Bürgermeister Stauber sicherte den Vertretern der Initiative zu, ihre Anliegen zu bearbeiten. „Sie werden von uns hören. Es sind verschiedene Ämter beteiligt, die die Sachlage im einzelnen prüfen werden“, sagt er. Er werde auch untersuchen, ob die vielen Lastwagen wegen der neuen Trassenführung der B 31 fehlgeleitet oder ob sie planmäßig auf der schmalen Straße unterwegs seien.