Auch in Friedrichshafen soll es so schnell wie möglich mehr Tests auf das Coronavirus an Schulen geben. Das kündigte Oberbürgermeister Andreas Brand am Freitag an. „Es ist jetzt absolut sinnvoll und unglaublich wichtig, die Testungen auszuweiten, möglichst schnell auf Schülerinnen und Schüler, als auch auf die vom Bund angekündigte kostenlose Testmöglichkeit für alle Bürgerinnen und Bürger“, sagte er.

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Bund und Land hätten angekündigt, in den nächsten Tagen die dafür wichtigen organisatorischen, rechtlichen und finanziellen Fragen zu klären. „Ja, wir müssen testen, testen, testen. Aber auch: impfen, impfen, impfen. Nur so kann uns der Weg aus der Pandemie gelingen“, sagte Brand.

Ab Montag werden Grundschulen wieder für den Präsenzunterricht öffnen, auch die Abschlussklassen der weiterführenden Schulen und Berufsschulen kommen wieder in die analogen Klassenzimmer. Da Corona-Infektionen bei Kindern und Jugendlichen symptomlos verlaufen können und zudem die neuen Virusmutationen als ansteckender gelten, besteht die Gefahr eines unbemerkten Infektionsgeschehens. Die Landesregierung bietet daher dem Personal an Schulen und Kitas kostenlos zwei anlasslose Schnelltests in Arztpraxen oder Apotheken an.

Ab Montag öffnen die Grundschulen wieder für den Präsenzunterricht – hier die Grundschule Schnetzenhausen.
Ab Montag öffnen die Grundschulen wieder für den Präsenzunterricht – hier die Grundschule Schnetzenhausen. | Bild: Corinna Raupach

Thomas Reck, Kreisvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), kommentiert: „Das ist ein enormer Aufwand. Da müssen die Beschäftigten in ihrer Freizeit herausfinden, wer in ihrer Nähe solche Tests macht, zweimal pro Woche Termine vereinbaren und zu einer solchen Anlaufstelle fahren.“ Diese Maßnahme höre sich gut an, funktioniere aber nur auf dem Papier.

Auch Andreas Brand urteilt: „Zu kurz gesprungen.“ Die Stadt organisiert daher ein zentrales Testzentrum für Lehrer, Erzieher und das weitere Personal an Schulen und Kitas. „Wir planen an diesem zentralen Testzentrum zwei sogenannte Teststraßen, von Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr. Vor Ort werden Mitarbeiter der Johanniter die Tests abnehmen, die Organisation wird von städtischen Mitarbeitern übernommen“, erläutert Pressesprecherin Monika Blank.

Mitarbeiter der Johanniter werden ab Mittwoch im zentralen Testzentrum die Tests abnehmen.
Mitarbeiter der Johanniter werden ab Mittwoch im zentralen Testzentrum die Tests abnehmen. | Bild: Corinna Raupach

Zudem soll es auf Wunsch möglich werden, die Tests von geschultem, eigenem Personal der Schulen und Kitas abzunehmen. „Hier sind wir mit dem Deutschen Roten Kreuz im Gespräch, um ein Schulungsangebot für die Einrichtungen zu machen, um sie in die Lage zu versetzen, selbst vor Ort zu testen“, sagt Brand. Für die Tests übernimmt die Stadt zunächst die Kosten für Infrastruktur, Personal, Tests und Schutzausrüstung.

Mit dem Roten Kreuz ist die Stadt zu Schulungen für ein dezentrales Testangebot in Schulen und Kitas im Gespräch.
Mit dem Roten Kreuz ist die Stadt zu Schulungen für ein dezentrales Testangebot in Schulen und Kitas im Gespräch. | Bild: Corinna Raupach

Auch Tests für Schüler nimmt die Stadt in den Blick. „Dafür müssen dann aber auch die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden, da die Testung von Kindern und Jugendlichen – also Minderjährigen – nicht so ohne Weiteres möglich ist. Hier erwarten wir demnächst eine Klärung von Bund und Land“, sagt Blank.

Auch Friedrichshafen plant eine erweiterte Teststrategie für Schulen.
Auch Friedrichshafen plant eine erweiterte Teststrategie für Schulen. | Bild: Corinna Raupach

Das hält auch Thomas Reck für notwendig, ehe das Lehrpersonal gegebenenfalls Tests abnehmen könnte. „Wir dürfen als Lehrer nicht in den persönlichen Schutzbereich der Schüler eingreifen. Im Normalbetrieb dürfen wir nur in Ausnahmen Medikamente verabreichen oder Verletzungen versorgen. Was ist, wenn bei so einem Test ein Blutgefäß verletzt wird?“, fragt er. Die GEW setze sich in jedem Fall dafür ein, alles irgend Mögliche zu tun, um im Bildungsbereich die Gesundheit der Lehrer zu schützen. „Die Modelle in Tübingen und Böblingen haben ja offenbar bereits Erfolge erzielt.“

Schnelltests an Schulen: Strategien in anderen Regionen

Der Gesamtelternbeirat (GEB) der Häfler Schulen befürwortet die Ausweitung der Tests sowohl beim Lehrpersonal als auch auf Schüler. Nach Ansicht der Eltern sollten Testungen mindestens zweimal in der Woche stattfinden, sobald der Präsenzunterricht startet. „Letztendlich wird nur eine konsequente Teststrategie dazu führen, dass positiv Getestete, die asymptomatisch sind, gefunden werden und eine starke Ausbreitung verhindert werden kann“, schreibt Brigitte Jahnel, Elternbeiratsvorsitzende am Karl-Maybach-Gymnasium, in der Stellungnahme des GEB.

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Den Eltern sei dabei bewusst, dass das eine enorme organisatorische und logistische Herausforderung darstelle. Sie schlagen Tests zu Hause, in Arztpraxen vor Unterrichtsbeginn oder durch außerschulische Helfer an Schulen vor. Zudem dürften Schüler, die sich nicht testen lassen, nicht ausgegrenzt oder vorverurteilt werden.

„Es gibt im GEB durchaus auch die Meinung, dass aus Pandemiesicht die Öffnung der Schulen momentan nicht gut ist, da die Lage aufgrund der ansteckenderen Virusvarianten gefährlich ist. Die Lage könnte ganz schnell wieder entgleiten. Es wäre besser, noch zwei Wochen zu warten, sodass die Lage noch beobachtet werden kann“, schreibt Jahnel.

In jedem Fall müssten die Regeln zu Abstand, Hygiene, Maske und Lüften konsequent befolgt werden. Der GEB plädiert des Weiteren für Verstärkerbusse und -waggons für den Schulweg und für Wechselunterricht.