Draußen regnet es, drinnen ist es gemütlich: Im „El Bocado“ an der Paulinenstraße herrscht seit Donnerstag wieder Barbetrieb. Marius Müller-Deutschle steht hinter der Theke und bereitet Getränke vor.

Marius Müller-Deutschle, Barkeeper El Bocado: „Unser erster Öffnungstag war besser besucht als ein normaler Donnerstag.“
Marius Müller-Deutschle, Barkeeper El Bocado: „Unser erster Öffnungstag war besser besucht als ein normaler Donnerstag.“ | Bild: Lena Reiner

„Man muss ehrlich sagen, es ist gerade besser besucht als sonst bei dem Wetter“, sagt er. Auch der erste Öffnungstag, ein Donnerstag, sei besser besucht gewesen als Donnerstage vor der Zwangsschließung zum Infektionsschutz.

Richard Lanz, Inhaber Belushi: „Früher wurde hier getanzt, jetzt heißt es eher Chillen und Freunde treffen.“
Richard Lanz, Inhaber Belushi: „Früher wurde hier getanzt, jetzt heißt es eher Chillen und Freunde treffen.“ | Bild: Lena Reiner

Auch nebenan im „Belushi“ herrscht gute Stimmung. Zwar muss aktuell die Tanzfläche leerbleiben, doch die Gäste wissen auch so, wie sie einen schönen Abend verbringen können. An einem Tisch wurden schon Karten ausgepackt, hat Inhaber Richard Lanz beobachtet: „Es freuen sich alle, ihre Freunde wiederzusehen und da man nicht tanzen kann, wird es hier eher wie ein zweites Wohnzimmer.“

Schon früh eine lange Reservierungsliste

Schon früh am Abend ist die Reservierungsliste lang: „Man merkt, dass alle froh sind, wieder ausgehen zu können.“ Am ersten Öffnungstag, Freitag, gab es ein paar Startschwierigkeiten, schildert Lanz. Den Infektionsschutz nimmt er genau: Für die Mitarbeiter hat er Masken besticken lassen: „So muss niemand selbst welche besorgen.“ Auch sollen alle so arbeiten, wie sie sich wohlfühlen. Wer Handschuhe möchte, bekommt auch die gestellt.

Hinweisschilder prangen an Säulen und Eingängen. Im Nachtleben ist es eine besondere Herausforderung, die Regelungen durchzusetzen.
Hinweisschilder prangen an Säulen und Eingängen. Im Nachtleben ist es eine besondere Herausforderung, die Regelungen durchzusetzen. | Bild: Lena Reiner

Und auch für die Gäste herrscht Maskenpflicht beim Hereinkommen und auf dem Weg zur Toilette, auch wenn der Mindestabstand eingehalten werden kann. „Wir machen lieber etwas mehr, als wir müssen“, erklärt Lanz, der mit Ralph Kurz zusammen die Bar nebenberuflich betreibt. Das sei in den vergangenen Wochen ihr Glück gewesen.

Gastronomen privat in finanziellen Schwierigkeiten

„Ich weiß von vielen, die hauptberuflich eine Gastronomie betreiben, dass sie privat nun finanziell in Schwierigkeiten stecken. Während es für die Angestellten Kurzarbeitsgeld vom Staat gab, war für die Unternehmer nicht ausreichend gesorgt.“ Auch der Wegfall des Seehasenfestes bedeute einen großen Umsatzeinbruch: „Das war sonst das beste Wochenende im Jahr für uns Gastronomen.“

Sepehr Pouladkhan, Pächter Isla Bonita: „Wir haben nur mit geöffneter Terrasse eine Warmlaufphase gehabt.“
Sepehr Pouladkhan, Pächter Isla Bonita: „Wir haben nur mit geöffneter Terrasse eine Warmlaufphase gehabt.“ | Bild: Lena Reiner

Sepehr und Soheil Pouladkhan, die seit fünf Jahren das „Isla Bonita“ im Bodensee-Center betreiben, zählen zu den hauptberuflichen Gastronomen. „Die Soforthilfe konnte nicht einmal die Pacht für drei Monate decken“, bemängeln sie. Einer der groß beworbenen Hilfskredite sei ihnen für die Finanzierungslücke nicht genehmigt worden. Umso mehr freuen sie sich nun, wieder Gäste begrüßen zu dürfen. Die Stimmung sei gut: „Wir sind so froh, wieder geöffnet zu haben. Wir stehen hier seit fünf Jahren sieben Tagen die Woche hinter der Theke. Das nicht machen zu können, war wirklich seltsam.“ Auch die Regelungen zum Infektionsschutz würden von den Gästen diskussionslos eingehalten.

Laila und Silvio Klinger haben die Zwangspause im Pier 40 für Renovierungsarbeiten genutzt und direkt coronaverordnungsgemäß aufgerüstet: Plexiglasabtrennungen zwischen den Tischen ersetzen den Mindestabstand in der Hafenkneipe.
Laila und Silvio Klinger haben die Zwangspause im Pier 40 für Renovierungsarbeiten genutzt und direkt coronaverordnungsgemäß aufgerüstet: Plexiglasabtrennungen zwischen den Tischen ersetzen den Mindestabstand in der Hafenkneipe. | Bild: Lena Reiner

Laila und Silvio Klinger von der Hafenkneipe „Pier 40“ haben eine gute Beschäftigung gefunden, um die Schließungsphase zu überbrücken: Das Pier 40 ist frisch gestrichen und renoviert. Kurzfristig haben sie dann noch Plexiglasscheiben ergänzt, um den Infektionsschutz gewährleisten zu können. „Wir hätten nicht damit gerechnet, dieses Jahr noch öffnen zu dürfen“, sagt er, „das kam ganz schön spontan.“ Umso mehr freuen sich die beiden, denn ihre Hafenkneipe wurde schmerzlich vermisst. So saßen die ersten Stammgäste am Wiedereröffnungstag auch schon 10 Minuten nach 10 Uhr am Tresen.