Vanessa Brünsing ist gelernte Grafikdesignerin, als freischaffende Künstlerin tätig und lebt in Friedrichshafen. Weil sie sich an der Maskenpflicht stört und eine kommende (zweite) Impfpflicht befürchtet, hat sie an mehreren Demonstrationen in Ravensburg und der großen Querdenken-Demonstration am 29. August in Berlin teilgenommen.

Auf Facebook werde sie momentan ständig gefragt: „Wie konntest du denn da mitlaufen, Seite an Seite mit Rechten?“ Vanessa Brünsing kann sich an diese Fragestellung nicht gewöhnen, auch wenn sie diese nun schon oft gehört und gelesen hat. „Ich finde es schade, dass dieses Bild so verbreitet wird. Es macht mich traurig und es erschreckt mich, wie eine Minderheit auf der Demo sich so in den Vordergrund drängen konnte“, erklärt sie. Auf die Frage, ob sie denn Nazisymbole oder Reichsflaggen gesehen habe, überlegt sie nicht lange und verneint: „Das heißt ja nicht, dass es die nicht gegeben hat, aber ich habe sie nirgends gesehen.“

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Natürlich sei es wichtig, dass über den versuchten Sturm auf das Reichstagsgebäude berichtet werde und über die tatsächlich Rechtsextremen auf der Demonstration. Gleichzeitig hätte sie sich gewünscht, dass auch die andere Seite mehr gezeigt worden wäre, sagt Vanessa Brünsing: „Es waren wirklich so viele unterschiedliche Menschen da, Menschen aus allen sozialen Schichten, alte und junge Menschen, alle haben sich miteinander für dieselbe Sache eingesetzt.“ Es sei friedlich gewesen, die Menschen hätten weitgehend Abstand gehalten.

Es sei wichtig gewesen, gemeinsam für die eine Sache einzutreten

Was sie dazu sagt, dass Parteien wie die NPD und AfD zur Teilnahme an der Demonstration aufgerufen hätten? Diese Frage bringt sie kurz ins Grübeln. „Ich habe das gar nicht so genau mitverfolgt, wer da alles aufgerufen hat. Ich denke aber, ich wäre trotzdem gegangen, auch wenn ich es gesehen hätte“, erklärt sie dann. Sie sei als Mensch nach Berlin gegangen, um ihre Rechte als Mensch zu vertreten.

Vanessa Brünsing in Friedrichshafen: Das Treffen findet draußen statt.
Vanessa Brünsing in Friedrichshafen: Das Treffen findet draußen statt. | Bild: Lena Reiner

Dabei spiele es keine Rolle, welche politische Richtung sie vertrete: „Ganz egal ob ganz links oder rechts oder irgendwo dazwischen.“ Es sei einfach wichtig gewesen, gemeinsam für die eine Sache einzutreten. Sie möchte aber betonen, dass die Mehrheit der Menschen bei der Demonstration nicht extremistisch gewesen sei, weder in die eine, noch in die andere Richtung.

„Für Corona gibt es ja noch keine Impfung, aber ich bin jetzt schon gegen einen Impfzwang.“
Vanessa Brünsing

Doch was ist diese „eine Sache“ überhaupt? „Ich möchte, dass jeder Mensch selbst entscheiden kann, was er mit seiner Gesundheit anstellt“, erklärt Brünsing. Sie sei gegen die Maskenpflicht und an die Abstandsregeln halte sie sich lediglich deshalb, da sie sich dazu gezwungen fühle. „Das muss ich ganz ehrlich zugeben“, sagt sie und lacht kurz auf. Dann wird sie wieder ernst und sagt: „Ich bin auch dagegen, dass es eine Impfpflicht gibt. Ich finde es nicht gut, dass Kinder zur Impfung gezwungen werden, damit sie in den Kindergarten gehen dürfen.“ Sie ergänzt schnell, dass sie natürlich wisse, dass diese Pflicht bislang lediglich für Masern bestehe: „Für Corona gibt es ja noch keine Impfung, aber ich bin jetzt schon gegen einen Impfzwang.“

Impfungen als Option, aber nicht als Verpflichtung

Wichtig sei es ihr, in diesem Kontext zu betonen, dass sie nicht generell gegen Impfungen sei: „Wenn ein erwachsener Mensch sich impfen lassen möchte, soll er das tun können.“ Auch bezogen auf Kinder macht sie eine Einschränkung: „Wenn ein Kind untersucht wurde und festgestellt wurde, dass es gar keine Antikörper hat und es unbedingt nötig ist, dann fände ich es okay, wenn es geimpft wird.“

Ein weiteres Foto von Vanessa Brünsing von der Demo. „Nazis raus“ steht auf dem Schild – diese Facette hat sie in Berlin erlebt.   Auf die Frage, ob sie denn Nazisymbole oder Reichsflaggen gesehen habe, überlegt sie nicht lange und verneint: „Das heißt ja nicht, dass es die nicht gegeben hat, aber ich habe sie nirgends gesehen.“
Ein weiteres Foto von Vanessa Brünsing von der Demo. „Nazis raus“ steht auf dem Schild – diese Facette hat sie in Berlin erlebt. Auf die Frage, ob sie denn Nazisymbole oder Reichsflaggen gesehen habe, überlegt sie nicht lange und verneint: „Das heißt ja nicht, dass es die nicht gegeben hat, aber ich habe sie nirgends gesehen.“ | Bild: Vanessa Brünsing

Dass pauschal alle Kinder geimpft werden müssten, das lehne sie ab. Die Thematik beschäftige sie auch nicht erst seit der Corona-Pandemie. „Ich habe mal in einem Kindergarten gearbeitet und von der Masernimpfpflicht erfahren. Da habe ich mir dann überlegt, wie ich dazu stehe.“

Nach Brünsings Beobachtung hapert es oft am Umgang mit den Masken

Mehr noch als die Impfpflicht beschäftigt sie allerdings derzeit die Maskenpflicht: „Ich kenne wirklich niemanden, der sie korrekt trägt. Viele lagern die im Auto oder in einem dreckigen Rucksack oder vergessen, eine frische einzupacken.“ Gespräche mit Freunden hätten ihr bestätigt, dass auch diese dieselben Beobachtungen machten. „Und ich selbst habe gemerkt, dass die Maske nach dem Waschen manchmal gar nicht sauber riecht. Das kann doch dann nicht gesund sein“, ergänzt sie. Auch atme sie unter einer Mund-Nasen-Bedeckung deutlich schlechter. Deshalb gehe sie deutlich seltener einkaufen, obwohl sie normalerweise gern gerade kleinere Läden unterstütze.

„Die ersten zwei Monate war ich gar nirgends einkaufen“, erinnert sie sich. So habe sie verhindert, die Maske tragen zu müssen. Auch hier möchte sie wieder betonen, dass sie nicht grundsätzlich den Sinn von Masken anzweifele: „Wenn ein Arzt oder Arzthelfer eine trägt, ist das schon sinnvoll. Die nehmen aber auch jedes Mal eine frische und tragen sie korrekt. Das ist nicht vergleichbar.“

Die aktuellen Regelungen wirkten so, als halte der Staat die Menschen für „zu dumm“

Brünsing jedenfalls will weiterhin auf die Straße gehen: Für die Abschaffung der Hygieneregeln, die zum Masketragen und Abstandhalten verpflichten: „Ich denke sowieso, dass man uns nicht alles vorschreiben muss: So dumm sind wir dann doch nicht.“ Die aktuellen Regelungen wirkten so, als halte der Staat die Menschen für „zu dumm“, um auf sich selbst aufzupassen, erläutert sie.

Die nächste Demonstration, die sie besuchen möchte, ist die groß angekündigte in Konstanz am 3. Oktober. Noch sei allerdings unklar, ob diese stattfinden dürfe.

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Ob es etwas gebe, was sie davon abhalten könne? Sie schüttelt den Kopf: „Ich gehe hin, wenn sie stattfindet.“ Wir fragen nochmals genauer nach, was sie denn davon halte, dass Michael Ballweg, der hinter den Querdenken-Demonstrationen steht, die aktuelle Verfassung abschaffen und durch eine neue ersetzen wolle. Ob das für sie eventuell ein Hinderungsgrund an der Demoteilnahme sei? „Sagen wir so: Es ist ja nicht so, als sei aktuell alles gut auf der Welt. Es kommt natürlich darauf an, was in der neuen Verfassung dann drinstehen soll. Aber erst mal ist das kein Grund für mich, nicht hinzugehen.“

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