Mitte Mai schwor Oberbürgermeister Andreas Brand den Gemeinderat auf finanziell schwierige Zeiten ein – und sparte auch die Vereinsförderung nicht aus, wenn es darum geht, den Rotstift anzusetzen. Mehr noch: Der OB stellte die jetzige Form der Förderung nach festen Richtlinien infrage. Derzeit erhalten die Vereine Geld für Übungsleiter, Wettkampfreisen, Pauschalen je Mitglied, für die Jugendförderung, Investitionen und, und, und.

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In diesem Jahr sind das laut Haushaltsplan rund 1,4 Millionen Euro für die Regelförderung und 4,5 Millionen Euro für Investitionen. Brands Vorschlag in der Ratssitzung: Künftig soll es ein festes Budget geben, die Vereine sollen sich um Zuschüsse bewerben.

Auch Sportvereine sind durch die Corona-Krise schwer gebeutelt

Das Signal kam auch beim Stadtverband Sporttreibender Vereine (SSV) an, die Dachorganisation von 44 Sportvereinen im Stadtgebiet. Ende Mai schrieb dessen Vorsitzender Peter Lutat – „aufgeschreckt“ durch die Berichterstattung aus der Ratssitzung – einen Brief an den OB. Im Namen der Vereine bat er darum, die Sportförderung „nicht auszusetzen“, auch wenn sich die Vereine der Tatsache bewusst seien, „dass sie ihren Beitrag erbringen müssen, diese Krise mit ihrem noch nie da gewesenen Ausmaß zu bewältigen“.

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Doch auch die Sportvereine seien durch die Corona-Krise schwer gebeutelt. Mancher Verein könne die Fix-Kosten allein durch Mitgliedsbeiträge nicht decken, durch Auflagen der Behörden seien sogar Zusatzausgaben zu stemmen. Ohne die Gewährung zumindest der Regelförderung „sind die meisten Vereine gezwungen, ihre Mitgliedsbeiträge deutlich zu erhöhen“, schreibt Peter Lutat in diesem Brief vom 27. Mai – und bietet OB Brand das Gespräch an, „um gemeinsam das weitere Vorgehen zu beraten“.

OB schreibt von „Änderungen der Förderkriterien“

Die Antwort aus dem OB-Büro kam prompt bereits einen Tag später. Es sei unverzichtbar, sich Gedanken über die künftigen Einnahmen und Ausgaben zu machen. „Dabei darf es keine Denkverbote geben“, steht in diesem Brief – auch nicht bei der Vereinsförderung.

Für Oberbürgermeister Andreas Brand geht es nicht darum, die Förderung komplett aufzugeben, „sondern mehr um die Frage, wie wir zukünftig fördern“, schreibt er in einem Brief an den SSV.
Für Oberbürgermeister Andreas Brand geht es nicht darum, die Förderung komplett aufzugeben, „sondern mehr um die Frage, wie wir zukünftig fördern“, schreibt er in einem Brief an den SSV. | Bild: Stadt Friedrichshafen

Es gehe ihm allerdings nicht darum, die Förderung komplett aufzugeben, „sondern mehr um die Frage, wie wir zukünftig fördern“. An den Zusagen gegenüber den Vereinen für 2020 halte die Stadt trotz aller finanzieller Herausforderungen fest. Ihm sei wichtig, Kürzungen bei den freiwilligen Aufgaben nicht übereilt zu beschließen. Und doch wird es ab nächstem Jahr Einschnitte geben: In dem OB-Brief ist deutlich von „Änderungen der Förderkriterien“ die Rede, die man „nur gemeinsam erreichen“ könne.

Was die Vereine bekommen (Auswahl)

Keine Abstriche in diesem Jahr

Mit dieser Antwort ist Peter Lutat vorerst zufrieden, zumal die Stadt die Vereine noch nie hängen gelassen habe. „2020 läuft noch ganz normal, da sind die Vereine auf der sicheren Seite, was die Regelförderung angeht“, sagt der SSV-Vorsitzende.

Bild: Claudia Wörner
„Wir wissen nicht, was kommt. Aber wir werden vorher darüber sprechen.“
Peter Lutat, Vorsitzender des Stadt-Sportverbands

Alles andere sei im Moment der Blick in die Glaskugel. „Wir wissen nicht, was kommt. Aber wir werden vorher darüber sprechen.“ Er hofft, dass diese Gespräche so schnell wie möglich beginnen. Denn im Herbst beginnt bereits die Beratung für den Doppelhaushalt 2021/22 – und damit wohl das große Streichkonzert.

Umfrage bei Vereinen: Was ist verzichtbar?

Um gut vorbereitet in diese Runden mit dem Rathaus zu gehen, hat der SSV alle Vereine angeschrieben und sie um Stellungnahme gebeten: Was wäre verzichtbar, wenn die Sportförderung zusammengestrichen wird? Der SSV-Vorstand hat seinen Zielrahmen im Groben abgesteckt. „Wir möchten, dass die Regelförderung bleibt, denn hier wären Einschnitte für die Vereine problematisch“, sagt Jürgen Schrandt vom SSV-Vorstand. Besser sei es, Investitionen zu schieben, wenn es machbar sei, oder noch mal auf den Prüfstand zu stellen.

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