Christian Wetzel aus Meckenbeuren, der seine kleine Tochter im Kinderwagen über die Häfler Promenade schiebt, hat bereits damit gerechnet, dass Großveranstaltungen wie das Seehasenfest abgesagt werden. „Ich war nicht überrascht, als ich das gelesen habe. Das war absehbar. Uns belastet das auch weniger. Was uns den Alltag erschwert, das sind die Schulschließungen und drohende Kurzarbeit“, sagt er. Andere sind hingegen traurig, dass das lieb gewonnene Kinder- und Heimatfest mit der Häfler Symbolfigur aus dem Tiefseemöhrenfeld nicht stattfinden kann. Trotzdem gehe die Gesundheit vor, sind sich viele einig, die den SÜDKURIER-Artikel bei Facebook kommentiert haben.

Erstklässler sollen nicht auf Hasenklee verzichten müssen

Oberbürgermeister Andreas Brand erklärt: „Es ist das erste Mal, dass wir auf das Seehasenfest, das seit 1949 jährlich stattfindet, verzichten müssen. Aber angesichts der außergewöhnlichen Lage ist etwas anderes derzeit gar nicht denkbar: Auch hier müssen Gesundheitsschutz und die Verzögerung der Infektionsausbreitung absoluten Vorrang haben. Die Entscheidung ist vernünftig, auch wenn uns allen das Herz blutet. Was uns ganz wichtig ist: Natürlich denken wir gemeinsam mit dem Seehasenfestpräsidium vor allem an unsere Erstklässler, die der Ausfall des Seehasenfestes besonders trifft. Es wird aber auf jeden Fall einen Hasenklee geben – dafür werden wir sorgen.“

Auch auf das Kulturufer (hier ein Archivbild) müssen Besucher in diesem Jahr verzichten.
Auch auf das Kulturufer (hier ein Archivbild) müssen Besucher in diesem Jahr verzichten. | Bild: Lena Reiner

Neben dem Seehasenfest muss auch das Kulturufer in diesem Sommer ausfallen. Nach der Regierungsentscheidung, dass alle Veranstaltungen bis 31. August abgesagt werden müssen, steht fest, die bunten Zelte für das Kulturspektakel werden in diesem Jahr nicht im Uferpark aufgebaut – Musiker, Sänger und Straßenkünstler können ihr Publikum damit in diesem Sommer nicht wie gewohnt unterhalten.

Hermann Bermanseder aus Friedrichshafen: „Ich persönlich finde die Absagen richtig. Das Virus wird uns noch Monate beschäftigen, bis es einen Impfstoff oder Medikamente gibt. Ich glaube nicht, dass sich das Seehasenfest so bewerkstelligen ließe, dass man Abstände einhalten kann und ich denke, es wäre sowieso nicht rentabel für die Beteiligten. Ich hoffe, dass für die Zukunft Menschen etwas dazulernen und auch bei der Grippe besser aufpassen, andere nicht anzustecken. Man sieht den Menschen nämlich nicht unbedingt an, ob sie zu einer Risikogruppe zählen.“
Hermann Bermanseder aus Friedrichshafen: „Ich persönlich finde die Absagen richtig. Das Virus wird uns noch Monate beschäftigen, bis es einen Impfstoff oder Medikamente gibt. Ich glaube nicht, dass sich das Seehasenfest so bewerkstelligen ließe, dass man Abstände einhalten kann und ich denke, es wäre sowieso nicht rentabel für die Beteiligten. Ich hoffe, dass für die Zukunft Menschen etwas dazulernen und auch bei der Grippe besser aufpassen, andere nicht anzustecken. Man sieht den Menschen nämlich nicht unbedingt an, ob sie zu einer Risikogruppe zählen.“ | Bild: Lena Reiner

Das Kulturufer werde als buntes Fest mit Straßenkunst, Zeltveranstaltungen, Konzerten, Aktionen, Spielewiese und Kunsthandwerkermarkt schmerzlich fehlen, so Andreas Brand: „Und auch Künstler und Marktbeschicker trifft diese Entscheidung hart, die nun auf Einnahmen, Hutsammlungen und den Applaus des Publikums verzichten müssen. Vor wenigen Wochen hätten wir uns alle nicht vorstellen können, dass wir so eine Entscheidung einmal treffen müssen, aber mit dem Wissen von heute ist die Entscheidung natürlich sinnvoll. Gesundheit geht jetzt vor.“

Hedy Speth aus Ailingen nimmt ihre Stoffmaske für das Foto ab und meint: „Ich finde die Absage völlig okay, das dient einfach der Sicherheit. Für die Erstklässler, für die das dieses Jahr ausfällt, hoffe ich, dass sie es im nächsten Jahr nachholen dürfen und da dann ihren Hasenklee bekommen. Und auch wenn ich es für die Kinder sehr schade finde: Leben retten geht vor, ein Fest kann man nachholen.“
Hedy Speth aus Ailingen nimmt ihre Stoffmaske für das Foto ab und meint: „Ich finde die Absage völlig okay, das dient einfach der Sicherheit. Für die Erstklässler, für die das dieses Jahr ausfällt, hoffe ich, dass sie es im nächsten Jahr nachholen dürfen und da dann ihren Hasenklee bekommen. Und auch wenn ich es für die Kinder sehr schade finde: Leben retten geht vor, ein Fest kann man nachholen.“ | Bild: Lena Reiner

Die Stadt teilt auf Anfrage außerdem mit: „Wir erwarten noch eine Konkretisierung des Landes, welche Regeln genau für Veranstaltungen bis 31. August gelten werden.“ Die beiden Großveranstaltungen zu verschieben, ist aus Sicht der Stadt aber weder sinnvoll noch möglich. Welche finanzielle Folgen die Absage der Veranstaltung haben wird, müssen man noch prüfen, erklärt die Stadt weiter. Muss Schaustellern und Künstlern für den Ausfall eine Entschädigung bezahlt werden? Die Stadt dazu: „Für das Kulturufer werden wir den Künstlern absagen. Finanzielle Entschädigungen müssen in solchen Fällen nicht gezahlt werden. Bei kleineren Gruppen und Ensembles versuchen wir, die Buchung auf 2021 zu verschieben.“ Bei den Top-Events werde das vermutlich nicht möglich sein. „Jedoch werden wir mit den Künstlern individuelle Lösungen besprechen.“

Messe muss sechste Eigenveranstaltung verschieben

Die Pferd Bodensee war die letzte Messe in Friedrichshafen, die nicht Corona-bedingt ausfallen musste. Mit der ursprünglich für das letzte Juni-Wochenende geplanten Amateurfunkmesse Ham Radio musste die Häfler Messe nun die inzwischen sechste Eigenveranstaltung absagen. Die Aqua-Fisch, die Frühjahrsmesse IBO mitsamt Schwestermessen, die Aero, die Tuning World sowie die Motorworld Classics Bodensee waren in den vergangenen Wochen bereits verschoben worden – zumeist letztlich ins kommende Jahr, für die Motorworld Classics Bodensee wurde bislang kein neuer Termin bekannt gegeben.

Beate Fiegl war gerade beruflich einkaufen, lebt in Friedrichshafen und muss lachen, als sie merkt, dass sie hinter der Maske fürs Foto lächelt: „Ich bin wirklich sehr traurig, es gibt zur Zeit nichts, worauf man sich freuen kann. Aber ich weiß auch, dass es sehr sinnvoll ist. Ich bin gerade beruflich einkaufen für jemanden, der stark lungenkrank ist. Normalerweise begleite ich ihn beim Einkaufen, doch aktuell möchte er das Haus nicht verlassen. Das erinnert mich daran, wie wichtig die Maßnahmen sind. Das muss man sich immer wieder vor Augen halten.“
Beate Fiegl war gerade beruflich einkaufen, lebt in Friedrichshafen und muss lachen, als sie merkt, dass sie hinter der Maske fürs Foto lächelt: „Ich bin wirklich sehr traurig, es gibt zur Zeit nichts, worauf man sich freuen kann. Aber ich weiß auch, dass es sehr sinnvoll ist. Ich bin gerade beruflich einkaufen für jemanden, der stark lungenkrank ist. Normalerweise begleite ich ihn beim Einkaufen, doch aktuell möchte er das Haus nicht verlassen. Das erinnert mich daran, wie wichtig die Maßnahmen sind. Das muss man sich immer wieder vor Augen halten.“ | Bild: Lena Reiner

Auch die 45. Auflage der Ham Radio soll nun erst 2021 stattfinden: vom 25. bis 27. Juni. „Dass die Veranstaltung nicht wie geplant stattfinden kann, ist höchst bedauerlich“, so Projektleiterin Petra Rathgeber. Die Gesundheit aller Aussteller und Besucher habe allerdings oberste Priorität. „Unser Messekalender und die Termine der Branche lassen leider keinen Raum für einen Nachholtermin in diesem Jahr.“

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Auf der Webseite der Ham Radio werden Aussteller der Messe zufolge in diesem Jahr aber bei einer virtuellen Messe Produktneuheiten vorstellen. Außerdem biete der Deutsche Amateur-Radio-Club dort Vorträge an. Weitere Messen stehen ab September wieder an. „Wir sind sehr zuversichtlich und optimistisch, dass wir die Messen, die ab September auf unserem Kalender stehen, wie geplant veranstalten und durchführen können“, teilt Messe-Sprecher Wolfgang Köhle auf SÜDKURIER-Anfrage mit. „Die Vorbereitungen dafür laufen bereits.“

Veranstalter prüfen Verschiebung von Konzerten

Wo im vergangenen Sommer um die 4500 Menschen Dieter Thomas Kuhn und Band zujubelten, bleibt es im kommenden Juli still. Konzertveranstalter Vaddi Concerts sagt alle bis 31. August geplanten Veranstaltungen und damit auch das Tettnang Open Air ab. Im Schlosspark waren ab dem 23. Juli Auftritte von Wincent Weiss, Alvaro Soler und Dieter Thomas Kuhn mit Band geplant. „Nach dem Beschluss der Bundesregierung sind wir nun bemüht, viele Sommerveranstaltungen für die Besucher sinnvoll und zumutbar zu verschieben“, teilte Vaddi Concerts am Donnerstagvormittag mit.

Bei anderen Veranstaltungen – etwa dem Tettnang Open Air auf diesem Archivbild – steht noch nicht fest, ob sie abgesagt oder verschoben werden.
Bei anderen Veranstaltungen – etwa dem Tettnang Open Air auf diesem Archivbild – steht noch nicht fest, ob sie abgesagt oder verschoben werden. | Bild: Kerstin Mommsen

In Einzelfällen werde es aber zu ersatzlosen Veranstaltungsabsagen kommen. Viele der von Vaddi Concerts zwischen März und August geplante Veranstaltungen, darunter ein Auftritt der Kastelruther Spatzen im Graf-Zeppelin-Haus, wurden bereits neu terminiert. Eine Liste ist auf der Webseite von Vaddi Concerts (www.vaddi-concerts.de) zu finden. „Gemeinsam mit den Tourneeveranstaltern arbeiten wir mit Hochdruck an weiteren Lösungen, deshalb bitten wir alle Kartenbesitzer um Geduld“, heißt es in der Mitteilung weiter. Gemeinsam mit der Bundesregierung sei eine Gutschein-Regelung für alle bereits gekauften Tickets in Arbeit.

Gibt es für den ZF-Firmenlauf einen Ersatztermin im Herbst?

Der ZF-Firmenlauf, für die es erklärtes Ziel war, um die 7500 Läufer auf die Strecke zu bringen, steht aktuell noch für Juli im Kalender. Bereits als die Veranstalter kurz vor Ostern eine virtuelle Laufaktion über die Feiertage ankündigten, hieß es allerdings, das über eine Verschiebung des Firmenlaufs in den Herbst nachgedacht werde. „Wir arbeiten momentan mit Hochdruck an der weiteren Vorgehensweise“, hieß es seitens der Agentur „n plus sport“ gestern auf SÜDKURIER-Nachfrage.

Elke Bernhardt aus Markdorf war gerade einkaufen und verlässt sonst nur selten das Haus: „Mich würde interessieren, was die Grundlage für eine so langfristige Maßnahme ist wie das Großveranstaltungsverbot bis 31. August. Vieles wurde ja von Woche zu Woche entschieden. Ich hoffe, da folgen noch Informationen. Ich habe drei Kinder, für die ist das schon alles sehr schwierig. Gestern hatte meine Tochter Geburtstag und alle konnten die Geschenke nur vor der Tür ablegen, das war seltsam.“
Elke Bernhardt aus Markdorf war gerade einkaufen und verlässt sonst nur selten das Haus: „Mich würde interessieren, was die Grundlage für eine so langfristige Maßnahme ist wie das Großveranstaltungsverbot bis 31. August. Vieles wurde ja von Woche zu Woche entschieden. Ich hoffe, da folgen noch Informationen. Ich habe drei Kinder, für die ist das schon alles sehr schwierig. Gestern hatte meine Tochter Geburtstag und alle konnten die Geschenke nur vor der Tür ablegen, das war seltsam.“ | Bild: Lena Reiner

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