Seit 2013 plant die Kreisverwaltung die dringend notwendige Erweiterung des Landratsamtes in Friedrichshafen, denn das platzt aus allen Nähten (siehe Kasten). Seit 2015 liegen dem Häfler Rathaus konkrete Pläne vor, wie die Kreisbehörde aus ihrer Raummisere herauskommen will.

Aber vier Jahre lang ging nicht vorwärts. Denn die damals vorgelegten Ideen sehen ein zweites Hochhaus gegenüber dem „Fränkel-Bau“ an der Albrechtstraße 77 vor. Ein Zwillingsturm sozusagen, sodass beide Bauten nach Vorstellung der Planer – architektonisch – ein Tor zur Stadt bilden würden. Und genau dieser zweite Turm ist der kritische Punkt.

Für diese Pläne braucht das Landratsamt nämlich Baurecht, das die Stadt Friedrichshafen schaffen muss. Und dafür braucht es Vorgaben, wie hoch oder massiv hier gebaut werden darf. Genau darüber entbrannte am Montag im Gemeinderat eine über zweistündige Diskussion.

Denn nicht nur im Rathaus erinnert man sich mit gemischten Gefühlen an die über Monate heftigen Bürgerproteste von Anwohnern im Oberhof, seit damals die Pläne für das erste, 2006 fertiggestellte Hochhaus spruchreif wurden. Oberbürgermeister Andreas Brand warb dann auch für eine „gebietsverträgliche Lösung“. Was auch immer am Ende auf dem Tisch liegt: Eine Bürgerbeteiligung sei geplant.

Landratsamt Bodenseekreis
Landratsamt Bodenseekreis | Bild: Hilser, Stefan

„Lieber hoch als breit“

Die Stadtverwaltung hatte vorgeschlagen, das neue Hochhaus maximal so hoch werden zu lassen, dass es den „Fränkel-Bau“ auf der anderen Straßenseite nicht überragt. In der nicht-öffentlichen Beratung des Ratsausschusses für Planen, Bauen und Umwelt (PBU) Anfang Juni bekam die Diskussion allerdings eine andere Dynamik. „Lieber hoch als breit“ sollte dieser Kopfbau sein, fasste Ulrich Heliosch (Grüne) die vorherrschende Meinung im PBU zusammen. So müsste weniger Fläche versiegelt werden, bleibe mehr Raum für Grün.

„Wir sollten vor Angst nicht in die Ecke kriechen und uns vorsichtig an Höhen herantasten“, erklärte Heinz Tautkus (SPD). Dieser Auffassung schloss sich am Montag der Gemeinderat fast einstimmig an und beschloss, dass sich die Höhe des Zwillingsturms am bestehenden Hochhaus orientieren soll. Damit ist nicht nur eine Begrenzung vom Tisch, sondern die Möglichkeit gegeben, dass dieser „Kopfbau“ höher geplant werden kann. Nur Gaby Lamparsky (FDP) konnte dieser Argumentation nicht folgen.

Wie genau das künftig aussehen wird, dafür sollen zunächst 25 Architekturbüros in einem städtebaulichen Wettbewerb Pläne entwickeln. Darin geht es nicht nur um das zweite Hochhaus. Gefragt sind Ideen, wie sich das Landratsamt an seinem Standort in Friedrichshafen langfristig entwickeln kann. Vorgesehen ist eine Bebauung in vier Abschnitten. So sollen zuerst auf der grünen Wiese gegenüber dem 43 Jahren alten Verwaltungsbau an der Glärnischstraße Wohnungen gebaut werden, für die es Baurecht bereits gibt.

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Die braucht man, um in den Tiefgaragen darunter auch 200 Stellplätze fürs Landratsamt unterzubringen. Denn im zweiten Bauabschnitt wäre der „Kopfbau“ dran, womit der Parkplatz wegfällt. Das Hochhaus würde genug Platz schaffen, damit alle Mitarbeiter aus dem Altbau umziehen können. „So entfallen teure Interimslösungen“, erklärte Landrat Lothar Wölfle am Montag im Gemeinderat.

Anschließend soll der alte Verwaltungsbau an der Glärnischstraße weichen und Raum für einen Neubau mit Tiefgarage für 100 Stellplätze schaffen. Dort, wo heute die Zufahrt zur Zulassungsstelle ist, wäre dann noch Platz für ein drittes neues Bürogebäude, ebenfalls mit Tiefgarage. Das brauche das Landratsamt aber in den nächsten 20 Jahren nicht, so Wölfle.

Antrag sorgt für Aufregung

Dass der Gemeinderat am Montag nach langer Diskussion sogar eine kurze Auszeit nahm, um sich fraktionsintern zu beraten, lag an einem Antrag der CDU-Fraktion, mit dem keiner gerechnet hatte. „Was ist mit dem IBM-Gebäude?“, fragte Fraktionschef Achim Brotzer, womit er das Bürogebäude neben dem Hochhaus an der Albrechtstraße meinte, dass das Landratsamt schon lange nutzt. Brotzer wollte wissen, warum man dieses Gebäude oder den Standort nicht in die Zukunftsplanung einbezogen hat. So könne man auf der anderen Straßenseite vielleicht sparsamer mit den Flächen umgehen. „Wir halten dieses Signal an die Bevölkerung für wichtig, dass wir alles untersucht haben und nur Bauten kommen, die auch gebraucht werden“, erklärte Daniel Oberschelp im Namen der Fraktion.

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„Wir haben die Frage geklärt, das Gebäude kann man nur abreißen. Aber das ändert doch nichts daran, wie hoch der Kopfbau werden soll“, antwortete Landrat Wölfle und verwies auf entsprechende Untersuchungen. Da die Grundfläche dieses Baus aus den 1970er Jahren deutlich kleiner sei als an der Glärnischstraße, müsste man auch hier höher gehen, womit die gleiche Problematik auf dem Tisch läge wie auf dem Parkplatz-Grundstück. Letztlich stimmte auch die CDU zu, das IBM-Gebäude – wie ursprünglich gefordert – nicht in den städtebaulichen Wettbewerb einzubeziehen. Stattdessen soll das Landratsamt diese Standortalternative bis zur Auslobung nochmal separat prüfen.