Was ist eigentlich ein Erster Landesbeamter? Wie wird man das und wer entscheidet darüber?

Man bewirbt sich auf solch eine Stelle, die das Innenministerium Baden-Württemberg ausgeschrieben hat. In meinem Fall war das Anfang dieses Jahres. Voraussetzung ist unter anderem, dass man vorher schon der Landesverwaltung angehört und auf mehreren Verwaltungsebenen tätig war. Über die Besetzung entscheidet dann das Ministerium im Benehmen mit dem Landrat, so sagt es die Landkreisordnung. Das Innenministerium hat mich zum 1. Juni ins Landratsamt Bodenseekreis zeitlich unbefristet versetzt. Mein Vorgänger hat das, wie ich gelesen habe, ja beeindruckende 30 Jahre lang gemacht.

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Wer ist dann Ihr Chef, Innenminister oder Landrat?

Mein Dienstvorgesetzter ist der Landrat.

Was sind Ihre Aufgaben in diesem Landratsamt?

Die Funktion ist eine baden-württembergische Besonderheit. Der erste Landesbeamte ist der ständige allgemeine Vertreter des Landrats. Der hat – wie das Landratsamt – eine Doppelfunktion. Die resultiert daraus, dass das Landratsamt zum einen Behörde der kommunalen Selbstverwaltung ist, zugleich aber auch untere staatliche Verwaltungsbehörde. Aufgaben wie Baurecht, Denkmalschutz oder Führerscheinstelle hat das Land quasi auf den Kreis delegiert. Wie die Geschäfte innerhalb der Kreisverwaltung konkret verteilt werden, gehört aber zum Hoheitsrecht des Landrats. In meinem Fall bin ich als Erster Landesbeamter gleichzeitig Leiter des Dezernats 1, in dem kommunale und staatliche Aufgaben erledigt werden.

Sie kommen aus dem Landkreis, sind in Meckenbeuren groß geworden und haben in Konstanz studiert. Danach waren Sie in Stuttgart und Berlin tätig. Was treibt Sie zurück an den Bodensee?

Ich habe nach dem Studium fünf Jahre als Rechtsanwalt in Düsseldorf und Essen gearbeitet. Aber das war‘s für mich nicht, weshalb ich mich 2009 für die Innenverwaltung des Landes Baden-Württemberg beworben habe, das hat geklappt. Als Leiter des Umwelt- und Baurechtsamts im Hohenlohekreis mit rund 35 Mitarbeitenden konnte ich dann gleich erste Führungserfahrungen sammeln. Nach drei Jahren durfte ich nach Stuttgart ins Innenministerium ins Personalreferat wechseln.

2015 hat mich das Land dann ins Bundesinnenministerium nach Berlin abgeordnet, wo ich mit Themen des Beamten- und Dienstrechts befasst war, auch im internationalen Kontext wie OECD oder Nato. Das war mit ziemlich vielen Dienstreisen verbunden und sehr spannend. Früher als eigentlich beabsichtigt hat mich das Land aber wieder zurück nach Stuttgart beordert, weil ein Untersuchungsausschuss eingerichtet wurde. Da bekommt jede Fraktion einen parlamentarischen Berater zur Seite gestellt. April 2017 habe ich diese Rolle in der CDU-Fraktion übernommen und konnte so auch die parlamentarische Arbeit näher kennenlernen.

Bild: Cuko, Katy

Was hat Sie daran gereizt, die ministerielle Ebene gegen das Landratsamt einzutauschen?

Die Funktion des Ersten Landesbeamten hat mich bereits gereizt, als ich 2012 aus dem Hohenlohekreis wegging. Beim Kollegen habe ich damals mitbekommen, wie spannend diese Aufgabe ist, wie nah man am Alltag der Menschen dran ist. Von da ab habe ich versucht, mein Profil so zu erweitern, dass ich die Voraussetzungen für diese Stelle erfüllen kann. Das ist für mich also eine absolute Wunschposition. Dass ich die genau in dem Landkreis bekomme, aus dem ich stamme, der mich auch sehr geprägt hat, ist ein Riesen-Zufall und aus meiner Sicht ein Glücksfall. Aber das konnte ich 2012 nicht voraussehen.

Inwiefern hat Sie die Region geprägt?

Ich glaube, ich bin ein recht bodenständiger Mensch, habe mich unter anderem in Vereinen engagiert. Ich war Ministrant, Pfarrjugendleiter in der katholischen Kirchengemeinde in Meckenbeuren. Recht früh habe ich auch mit der Musik angefangen, habe Saxofon im Musikverein Meckenbeuren gespielt und war während des Studiums eine Zeit lang Leiter des Jugendorchesters in Waldburg, um ein bisschen Geld nebenher zu verdienen. Ich glaub‘, ich weiß, welche Denke die Leute hier haben, was sie bewegt. Nach 20 Jahren fern der Heimat sieht man dann, wenn man zurückkommt, schon, dass es uns hier ziemlich gut geht.

Welche Schwerpunkte werden Sie in Ihrer Arbeit setzen?

Die letzten paar Tage waren dadurch bestimmt, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den fünf Ämtern kennenzulernen, die zu meinem Dezernat gehören, mich da vorzustellen. Da bin ich bei rund 250 Mitarbeitern natürlich noch nicht ganz durch. Das Thema Personal, das zum Hauptamt in meinem Bereich gehört, ist ohnehin grundlegend wichtig für die Arbeit des Landratsamts. Gerade in wirtschaftlich prosperierenden Zeiten ist es für Behörden eben kein Selbstläufer, gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen. Es ist derzeit extrem schwierig, weil der Markt leer ist. Beispiel Ingenieur: Wenn man sich anschaut, wie viele Firmen in der Region ansässig sind, die auch Ingenieure suchen… Die sind nicht an einen Tarifvertrag im öffentlichen Dienst gebunden. Die Personalentwicklung im Landratsamt ist also definitiv ein Schwerpunkt.

Fühlen Sie sich nach den vielen wechselnden Aufgaben hier angekommen?

Ich fühle nicht nur hervorragend aufgenommen, sondern auch sehr angekommen. Das ist schon eine Art Traumposition für mich. Aber die 30 Jahre von Herr Kruschwitz werde ich wohl nicht schaffen, außer wenn sich das gesetzliche Ruhestandsalter bis dahin noch ändert.

Fragen: Katy Cuko