„Rettungsschwimmer gesucht“ steht auf dem Plakat, das die Stadtverwaltung bei der Einwohnerversammlung im Graf-Zeppelin-Haus im Februar am Infostand der Bäder-Abteilung ausgehängt hatte. Zehn bis 15 neue Mitarbeiter – je nach Arbeitsumfang – für die Aufsicht am Beckenrand brauchen die städtischen Bäderbetriebe, und mehrere Fachangestellte gleich noch dazu, hieß es da. Im Mai beginnt die Freibadsaison, dann sind vier städtische Bäder parallel im Betrieb. Denn das neue Sportbad hat auch im Sommer und viel länger als das alte Hallenbad bisher auf. Arbeit gibt es aber jetzt schon: Die Freibäder werden "ausgewintert".

Rettungsschwimmer ohne Schein

„So viele Bewerbungen kommen nicht herein“, sagt Reinhard Friedel, Leiter im Amt für Bildung, Betreuung und Sport. Er ist zuversichtlich, dass die Stadt die nötigen Mitarbeiter findet. Friedrichshafen sieht sich in „führender Stellung als Bäderstadt in der Region“, wie es in der Stellenanzeige heißt. Doch ohne ausreichend Personal sind die geplanten Öffnungszeiten kaum einzuhalten. Und Bäderpersonal ist Mangelware, nicht nur in Friedrichshafen. Genauso wie Auszubildende in diesen Jobs. Deshalb ist das Rettungsschwimmabzeichen in Silber keine Voraussetzung mehr für die Einstellung in den städtischen Bäderdienst. Das kann man nachträglich machen.

Bereits bei der Einwohnerversammlung im Graf-Zeppelin-Haus im Februar warb die Stadt Friedrichshafen um neue Mitarbeiter in den Bädern.
Bereits bei der Einwohnerversammlung im Graf-Zeppelin-Haus im Februar warb die Stadt Friedrichshafen um neue Mitarbeiter in den Bädern. | Bild: Cuko, Katy

Schichtarbeit, Spätdienste, häufige Einsätze an Feiertagen und Wochenenden, Überstunden – das schreckt viele ab. Und der Verdienst laut Gehaltstabelle der Kommunen ist nicht überwältigend. Rettungsschwimmer in Vollzeit kommen auf ein Einstiegsgehalt von 2300 Euro brutto. Aber die meisten sind Schüler oder Studenten, arbeiten als Saisonkräfte stundenweise oder im Mini-Job. Aber auch ein Fachangestellter steigt nach dreijähriger Ausbildung nur mit rund 2550 Euro brutto Grundgehalt im Monat in den öffentlichen Dienst ein. Deshalb lockt die Stadt Friedrichshafen zusätzlich mit Fahrkostenzuschüssen für Bus und Bahn, Ferienbetreuung für Kinder oder Mithilfe bei der Wohnungssuche. Und wer als Stadtbediensteter auf eine Stellenanzeige einen neuen Mitarbeiter vermittelt, bekommt eine Prämie.

Fachleute schwer zu bekommen

Aber nicht nur Friedrichshafen braucht mehr Bäder-Personal. In Immenstaad sind momentan 1,5 Stellen nicht besetzt. „Demnächst scheidet mein Stellvertreter aus, dann haben wir ab Mai 2,5 offene Stellen", sagt Betriebsleiter Ralf Kaiser. "Für die Verantwortung, die wir haben, sollte der Beruf besser honoriert werden", sieht auch er ein Manko, warum so schwer Personal zu finden ist.

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In Tettnang wäre ein zusätzlicher Rettungsschwimmer willkommen. Für die Badesaison im Freibad Ried habe man zwei Fachangestellte, die unbedingt benötigt werden, um das Bad öffnen zu können. Die DLRG unterstützt am Wochenende, „sonst wäre es nicht leistbar“, teilt eine Sprecherin der Stadt auf Anfrage mit. Zusatzangebote wie Früh- und Schlechtwetterschwimmen müssen jedoch ausfallen, weil eben ein Rettungsschwimmer fehlt. Das Freibad Obereisenbach betreibt schon lange das Unternehmen Vaude im Auftrag der Stadt. Die 1,5 Stellen hier seien besetzt.

Tobias Kubenz (rechts), hier mit einem Badegast am Illmensee, ist Mitbetreiber der PVM Service UG, die ab diesem Jahr auch das Hallen- und Freibad in Langenargen übernimmt.
Tobias Kubenz (rechts), hier mit einem Badegast am Illmensee, ist Mitbetreiber der PVM Service UG, die ab diesem Jahr auch das Hallen- und Freibad in Langenargen übernimmt. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Die Gemeinde Langenargen hat sich für einen anderen Weg entschieden: die Vergabe der Bäder an einen privaten Betreiber. Im vergangenen Sommer musste das Freibad wegen eines Personalnotstands an drei Tagen geschlossen werden. Nachdem beide erfahrenen Schwimmmeister, die jahrelang den Bäderbetrieb gestemmt hatten, Ende Sommer 2018 bei der Gemeinde kündigten, stand das Rathaus ohne Fachpersonal da. Im September überzeugte Bürgermeister Achim Krafft den Gemeinderat, für Frei- und Hallenbad in der „Sonnenstube“ einen Dienstleister zu suchen. Die Konzession wurde bundesweit ausgeschrieben. Es gab ein Angebot: das der Firma PVM Service UG aus Illmensee.

Drei Bäder im Betrieb

Hinter dem Kürzel steckt ein Familienbetrieb, der seit 2017 bereits das Freibad in Illmensee in Eigenregie betreibt. Im gleichen Jahr entschied sich auch die Gemeinde Heiligenberg, das 81 Jahre in Eigenregie betriebene Höhenfreibad nach der Renovierung 2018 an PVM zu verpachten. „Es war keine leichte Entscheidung, dass Bad aus der Hand und an einen externen Dienstleister zu geben“, gibt Denis Lehmann von der Gemeindeverwaltung zu. Doch mit dem Eintritt des langjährigen Bademeisters in den Ruhestand stand die Frage im Raum, wie es weiter gehen soll. Hier entschied sich der Gemeinderat für das Pachtmodell – und ist nach der ersten Saison vollauf zufrieden mit seinem Dienstleister. „Wir schätzen die unkomplizierte und konstruktive Zusammenarbeit“, sagt Denis Lehmann. Und den Besuchern gefallen Aktionen wie Ferienspiele, Schwimmkurse, Nachtbaden bei Unterwasserbeleuchtung oder Vereinsabende.

Mitarbeiter-Pool macht's einfacher

Jetzt muss PVM qualifiziertes Personal für drei Bäder stellen – in Heiligenberg, Illmensee und Langenargen. Kein Problem? „Es ist auch für uns schwer, gutes Personal zu finden“, sagt Tobias Kubenz, der selbst ausgebildeter Schwimmmeister ist. Aber die Vollzeitstellen im Unternehmen seien alle belegt, zwölf Mitarbeiter werden ganzjährig beschäftigt. Dazu kommen nach Angaben von Tobias Kubenz 75 Saisonkräfte im Nebenjob. Damit hat das Unternehmen einen Pool an Mitarbeitern, die bei Personalengpässen auch in einem der anderen Bäder eingesetzt werden können – ein klarer Vorteil. Aber auf den Jobportalen sucht auch PVM nach weiteren Mitarbeitern für den Freibadbetrieb. Rettungsschwimmer, die nebenberuflich schaffen wollen, könnten sich jederzeit bewerben...

Bäder kommunal oder privat betreiben?

Vergabe einer Dienstleistungskonzession oder den kommunalen Bäderbetrieb verpachten: Hat das Vorteile? Ein Blick in die Region.

  • Dass Gemeinden den Betrieb ihres Frei- oder Strandbads in private Hände legen, ist gerade in kleineren Orten seit vielen Jahren gang und gäbe, so in Sipplingen oder Hagnau. Auch das Strandbad Ost in Überlingen wird seit Jahren extern betrieben. Salem entschied sich nach der Fertigstellung der Freizeitanlage Schlosssee ebenfalls, einen privaten Betreiber zu engagieren. 2019 startet die Saison mit einem neuen Pächter.
  • Dass sich PVM aus Illmensee auf die Ausschreibung der Dienstleistungskonzession in Langenargen beworben hat, war nur möglich, weil das Unternehmen das Freibad in Bad Schussenried nicht mehr betreibt, erklärt Tobias Kubenz. Der Gemeinderat der Kurstadt hatte im vergangenen Jahr entschieden, aus dem Freibad nun eine Badestelle ohne Aufsicht zu machen. Die Kosten für den Freibadbetrieb von 100 000 Euro pro Jahr waren zu viel, in Eigenregie wollte die Stadt das Bad nicht mehr betreiben – weil es auf dem freien Markt eben kein Personal gäbe. So setzt PVM seine Leute von Bad Schussenried nun in Langenargen ein. „Das Wichtigste ist doch, dass die Bäder offen bleiben“, sagt Tobias Kubenz.
  • Dass sich Langenargen für die Vergabe des Bäderbetriebs an PVM entschlossen hat, liegt sicher auch daran, dass der Betrieb in Summe nicht teurer für die Gemeinde wird. Der Betrag deckt sich nahezu mit den bisherigen Kosten. Die Firma erhält laut Ratsvorlage einen Zuschuss von rund 250 000 Euro netto pro Jahr. Die Eintrittsgelder bleiben beim Konzessionär, werden aber de facto mit der jährlichen Pacht von 85 000 Euro verrechnet. Nimmt PVM aus dem Eintritt weniger als 65 000 Euro ein, gibt es einen weiteren Zuschuss der Gemeinde. Zusätzlich erhält die Firma rund 22 000 Euro netto für den Betrieb im Hallenbad. Der Vertrag läuft fünf Jahre. Auf die Höhe der Eintrittspreise und Öffnungszeiten hat die Gemeinde weiterhin Einfluss. (kck)