„Es herrscht bereits jetzt ein Mangel an pädagogischen Fachkräften an den Häfler Kita“, meldete sich der Gesamtelternbeirat (GEB) der Kindertagesstätten Ende Mai zu Wort, bevor der Kita-Bedarfsplan für 2019/20 vom Gemeinderat verabschiedet wurde. Die Personallage in einigen der 43 Einrichtungen in der Stadt sei am Anschlag. Was tun? Genau das wollte der GEB von den Ratsfraktionen wissen und bat um Stellungnahme. Die Antworten von CDU und Freien Wählern, Grünen und SPD, Netzwerk für Friedrichshafen, FDP und der Linken liegen dem SÜDKURIER vor. Die Auswertung ergibt: Handlungsbedarf wird quer durch alle Fraktionen gesehen, doch mit großen Abstufungen.

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  • Mit welchen konkreten Maßnahmen wollen die Fraktionen dem Personalmangel begegnen und neue Erzieherinnen gewinnen? Mit einem Strauß an Vorschlägen antworten Linke, Netzwerk und Grüne, für die „jede mögliche Anstrengung unternommen werden muss“. Neben guten Rahmenbedingungen in den Einrichtungen gehören für sie übertarifliche Leistungen, Bonuszahlungen oder die Vermittlung von bezahlbarem Wohnraum für Erzieherinnen dazu. Das Netzwerk hält kostenlose oder ermäßigte Jobtickets für den ÖPNV für geeignet, Anreize für Erzieherinnen aus anderen Städten zu schaffen, nach Friedrichshafen zu wechseln. Wie die SPD ist man der Meinung, durch Umschulungen auch Quereinsteiger in den Beruf fördern zu können. Fast alle Fraktionen sind sich einig, dass die Ausbildung für Erzieherinnen attraktiver sein muss. Das Land Baden-Württemberg habe hier mit der Einführung der praxisintegrierten Ausbildung (PiA) bereits beigetragen. Während bei der klassischen Berufsausbildung Erzieher erst nach drei Jahren Schule im einjährigen Berufspraktikum Geld verdienen, bietet PiA seit 2012 eine dreijährige duale Ausbildung mit durchweg bezahltem Vertrag. Solche PiA-Plätze hat beispielsweise die Berufsfachschule Ravensburg. Weil dieses Angebot hier sehr stark nachgefragt ist, regt die CDU-Fraktion an, eine Zweigstelle in Friedrichshafen einzurichten. Die Christdemokraten halten den Personalmangel in den Häfler Kitas aber für „noch nicht so dramatisch“ wie in anderen Kommunen oder Bundesländern.
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  • Wie sollen Personalengpässe bei Krankheit, Urlaub, Weiterbildung oder Schwangerschaft besser aufgefangen werden? Derzeit stehen für alle 43 Kitas zusammen fünf Stellen als Krankheitsvertretung zur Verfügung. Allein die Anzahl der offenen Stellen sei um ein Vielfaches höher, argumentieren die Grünen. „Man muss kein Rechengenie sein, um erkennen zu können, dass diese fünf Stellen nicht ausreichen, um das Loch zu stopfen.“ Deshalb sollten die Stellenanteile für das Vertretungsbudget aufgestockt werden. Das Netzwerk schlägt vor, Fehltage von vornherein mit mindestens 15 Prozent der Arbeitszeit in die Berechnung des Personalschlüssels einfließen zu lassen, um Engpässe bei Fehlzeiten zu vermeiden. Für die SPD geht an der Schaffung eines „Springer“-Pools für alle Einrichtungen nichts vorbei. Möglich sei aber auch, pensionierte Erzieherinnen vorübergehend als Vertretung zu gewinnen oder die Kooperation der Kitas untereinander zu verstärken, um sich gegenseitig mit Personal auszuhelfen. Die Freien Wähler haben die Verwaltung gebeten, die Zahlen des GEB zu den „angemerkten Personalproblemen“ aufzuarbeiten, weil man keine Kenntnis davon habe. Die Linke argumentiert, dass der Personalschlüssel von anderer Stelle vorgegeben werde. Die Stadt habe aber das Geld und auch die Möglichkeiten, darüber hinaus etwas zu tun. Die CDU unterstützt gesundheitsfördernde Maßnahmen für die Erzieherinnen. Leider gebe es in den Wintermonaten aber zu viele Eltern, die ihre kranken Kinder in die Kita bringen – ein Grund, warum vermehrt Personal ausfalle.
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  • Wie könnte man die Arbeit der Erzieherinnen an den Häfler Kitas stärker wertschätzen? „Das ist in aller erster Linie Sache des jeweiligen Trägers“, antwortete die CDU. In solche Fragen „darf und kann sich die Politik nicht einmischen“. Auch die FDP verweist darauf, dass der Gemeinderat „kaum Einfluss auf Personalangelegenheiten in den einzelnen Kitas„ habe. Der jeweilige Träger sei Ansprechpartner bei Engpässen und Problemen. Die Freien Wähler hingegen sehen die vielen freiwilligen Leistungen der Stadt als Indiz dafür, dass die pädagogische Arbeit in allen Kitas wertgeschätzt wird. Erzieherinnen könnten gern weitere Vorschläge unterbreiten. Das Netzwerk würde in einem verbesserter Personalschlüssel eine grundsätzliche Entlastung fürs Personal sehen, hält aber auch Konzepte fürs Gesundheitsmanagement für wichtig, um Arbeitsüberlastung zu vermeiden. Für die Grünen gehören Personalgewinnung und -bindung zusammen. Ob Garantie-Kitaplätze für eigene Kinder oder zur Erholung geeignete Pausenräume: „Der Fantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt.“