Der Gemeinderat hat zum wiederholten Male in diesem Jahr eine kostspielige Entscheidung zu treffen. Nachdem bereits Millionenzahlungen an das Klinikum und den Flughafen bereitgestellt wurden, steht nun auch eine deutlich höhere Förderung für die Zeppelin Universität (ZU) an. Die private Hochschule braucht mehr Geld, um die Auflagen des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst zu erfüllen, die mit der Verlängerung des Promotionsrechts bis 2023 einhergingen. Oberbürgermeister Andreas Brand und die Präsidentin der Zeppelin Universität, Insa Sjurts, informierten in einem Gespräch mit der örtlichen Presse die anstehenden Herausforderungen. Ab 2021 soll die Zeppelin-Stiftung die Finanzierung der ZU allein übernehmen – mit jährlich acht Millionen Euro. Schon 2019 soll die Stiftung auch die bisherige Förderung in Höhe von sechs Millionen Euro übernehmen, die sich bisher Stiftung, ZF und Zeppelin GmbH geteilt hatten. Das sind die Einzelheiten des Plans, der bereits mit dem Ältestenrat und den beteiligten Gremien (Zeppelin-Universitätsstiftung, ZF Friedrichshafen AG und Zeppelin Konzern) abgestimmt ist:

Wie viel Geld braucht die ZU?

Bisher bekam die Uni sechs Millionen Euro Grundförderung im Jahr von der Zeppelin-Stiftung, der ZF Friedrichshafen AG und dem Zeppelin Konzern. Durch eine "solide Haushaltsführung", die OB Brand Insa Sjurts attestierte, konnte die Hochschule in den vergangenen Jahren Rückstellungen bilden. Der Plan sieht vor, dass die Zeppelin-Stiftung, die bisher 1,1 Millionen Euro im Jahr direkt an die Hochschule zahlte, in 2019 und 2020 die gesamten sechs Millionen Euro übernimmt. Ab 2021 sollen es dann acht Millionen Euro per anno sein, die aus Stiftungsmitteln getragen werden. Die ZF und die Zeppelin GmbH beteiligen sich mit einer "konkreten Lehrstuhl- und Projektförderung" weiter an der Uni, aber nicht mehr an der Grundförderung. Sie zahlen aber als Stiftungsbetriebe sowieso in die Zeppelin-Stiftung ein. Zwischen 2003 und 2018 haben die "3Z" die ZU mit 95,15 Millionen Euro finanziert.

Welche Auflagen hat das Ministerium der Hochschule gemacht?

Im Rahmen der Re-Akkreditierung des Promotionsrechtes, das in diesem Jahr erfolgte, muss die ZU bis 2023 dafür sorgen, dass mehr Professoren eingestellt werden, dass die Forschungsleistung steigt und dass die Entlohnung der wissenschaftlichen Mitarbeiter an das Niveau staatlicher Hochschulen angeglichen wird. "Ein klares Ziel ist es, mehr wissenschaftliche Veröffentlichungen zu erreichen und uns definierte Forschungsschwerpunkte zu setzen", erläutert Insa Sjurts. "So wollen wir das Profil der Uni schärfen."

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Wie sollen diese Auflagen umgesetzt werden?

Insgesamt sollen sechs neue Lehrstühle und drei Juniorprofessuren eingerichtet werden. "Das kostet natürlich Geld, etwa zwei Millionen Euro pro Jahr zusätzlich", erläutert ZU-Präsidentin Insa Sjurts. Die Hälfte der Zeit sollen die Professoren lehren, die andere Hälfte Zeit für eigene Forschung haben. Die Forschung soll dabei auf fünf definierten Schwerpunkten liegen, aber auch Raum für individuelle Themen bieten. Um die Vernetzung mit den lokalen Unternehmen zu verbessern, sollen ab 2019 Forschungsarbeiten in einem Transferzentrum in Zusammenarbeit mit den Firmen umgesetzt werden. "Wir müssen uns weiterentwickeln, sonst haben wir angesichts des steigenden Wettbewerbs auf dem Markt privater Hochschulen keine Chance", so Sjurts.

Insa Sjurts, Präsidentin der Friedrichshafener Zeppelin-Universität, will den Gemeinderat davon überzeugen, einer höheren Förderung zuzustimmen. Das Stadtoberhaupt und die Stiftungsbetriebe hat sie bereits hinter sich. Bild: Ilja Mess
Insa Sjurts, Präsidentin der Friedrichshafener Zeppelin-Universität, will den Gemeinderat davon überzeugen, einer höheren Förderung zuzustimmen. Das Stadtoberhaupt und die Stiftungsbetriebe hat sie bereits hinter sich. Bild: Ilja Mess | Bild: Ilja Mess

Was ist sonst noch geplant?

Im Bereich der Studiengänge soll es keine Ausweitung etwa auf technische Berufe geben. "Das wäre ein zu weiter Weg für uns, denn wir haben uns von Anfang an den 'Buchwissenschaften' verschrieben", erläutert Insa Sjurts. Neue Masterstudiengänge sind trotzdem angedacht, etwa "Wirtschaft und Psychologie", "Master of Laws für Nichtjuristen" oder englischsprachige Studiengänge. Studienanfänger sollen in einem neuen "Kompass-Studium" ein halbes Jahr lang Uniluft schnuppern, bevor sie sich endgültig entscheiden. Vermehr soll auch der wissenschaftliche Nachwuchs an der ZU Aufstiegsmöglichkeiten bekommen.

Wie geht es nun weiter?

Am 3. Dezember berät der Finanz- und Verwaltungsausschuss über die künftige Finanzierung, endgültig entscheidet der Gemeinderat in seiner öffentlichen Sitzung am Montag, 17. Dezember, ob sie den Plänen der Verwaltung und der ZU-Gremien folgen will. De facto müssen die Stadträte zustimmen, das Sechs- bis Achtfache der bisherigen Förderung aus Stiftungsmitteln bereitzustellen, also sechs bis acht Millionen Euro statt wie bisher 1,1 Millionen Euro.
Sollte die Finanzierung nicht genehmigt werden, stände die Zukunft der Universität auf dem Spiel. "Wir haben uns im ZU-Stiftungsrat eingehend mit der Thematik befasst und sind zu dem Schluss gekommen, dass diese Strategie Sinn macht", erklärt Oberbürgermeister Brand. "Wir wollen zeigen, dass es sich lohnen wird, dieses Geld zu investieren", macht Insa Sjurts deutlich.

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Die Entwicklung der Zeppelin-Universität

Einleitung

  • Juni 2003: Gründung der Universität. Präsident damals ist Stephan A. Jansen.
  • Mai 2004: Der Rat beschließt die Förderung eines Lehrstuhls an der ZU durch die Zeppelin-Stiftung.
  • Juli 2006: Die Stadt verkauft das Grundstücks am Seemooser Horn, das zum "See-Campus" wird.
  • Juni 2007: Der Gemeinderat genehmigt eine jährliche Uni-Förderung von 1,1 Millionen Euro durch die Zeppelin-Stiftung für zunächst fünf Jahre.
  • Januar 2008: Einweihung des Neu- und Erweiterungsbaus am Seemooser Horn
  • Juli 2011: Der Rat erneuert die Förderzusage für die Uni und segnet die geplante Weiterentwicklung ab, die im Fallenbrunnen einen zweiten Campus-Bau vorsieht.
  • September 2011: Verleihung des Promotions- und Habilitationsrechts
  • Dezember 2013: Das Gremium genehmigt einen Infrastrukturförderbeitrag von 1,65 Millionen Euro für die Stellplatzablöse im Fallenbrunnen.
  • September 2014: Stephan A. Jansen tritt als Präsident zurück, nachdem irreguläre Provisionszahlungen bekannt geworden waren.
  • April 2015: Insa Sjurts wird neue Präsidentin der ZU
  • September 2015: Eröffnung des neuen ZF-Campus im Fallenbrunnen.
  • Mai 2018: Das Promotionsrecht wird bis 2023 unter Auflagen verlängert.
Kerstin Mommsen