Es gibt Sportarten wie Nordic Walking, die sind wesentlich ungefährlicher als Kickboxen. Denn was am Samstag im Seepark gezeigt wurde, barg doch ein hohes Verletzungsrisiko. Nicht umsonst gilt Muay Thai als eine der härtesten Kampfsportarten der Welt. Beim Gros der Kämpfe handelte es sich jedoch um Kickboxen, bei dem etwas andere Regeln gelten.

Marco Graf aus Pfullendorf (rechts) im Kampf gegen Wali Kahn Hotak aus Frankreich.
Marco Graf aus Pfullendorf (rechts) im Kampf gegen Wali Kahn Hotak aus Frankreich. | Bild: Johanson, Kirsten

Rund 600 Besucher waren zur „Night of the Champions“ geströmt, um die Bodensee Fightnight VIII. des Verbandes All Fight System Organisation mitzuerleben. Zu den jüngsten gehörte Braxton Eckelt aus Pfullendorf. Der Siebenjährige lernt Karate. Kickboxen hat er noch nie gesehen. Fernando, fünf Jahre alt, aus Stuttgart ist dagegen selber Kickboxer und drückte seinem Trainer die Daumen. „Massimo De Lorenzo kämpft heute, da wollte mein Sohn unbedingt dabei sein“, erklärt Nicola Di Lillo.

„Sportlich ist Kickboxen sehr anspruchsvoll, es geht zur Sache! Ich war letztes Jahr schon bei der Fight Night im Seepark.“Tanja Heinzler, Pfullendorf
„Sportlich ist Kickboxen sehr anspruchsvoll, es geht zur Sache! Ich war letztes Jahr schon bei der Fight Night im Seepark.“Tanja Heinzler, Pfullendorf | Bild: Johanson, Kirsten
„Mich beeindruckt der riesige Aufbau und die Anzahl der Kämpfe. Ich war zuvor noch nie beim Kickboxen.“Sven Eckelt, Pfullendorf
„Mich beeindruckt der riesige Aufbau und die Anzahl der Kämpfe. Ich war zuvor noch nie beim Kickboxen.“Sven Eckelt, Pfullendorf | Bild: Johanson, Kirsten
„Ich bin stolz auf meine Kinder Nadja und Dimitrios, die beide bei der Fight Night mitkämpfen.“Eleni Sapanazidou, Überlingen
„Ich bin stolz auf meine Kinder Nadja und Dimitrios, die beide bei der Fight Night mitkämpfen.“Eleni Sapanazidou, Überlingen | Bild: Johanson, Kirsten

Langer Laufsteg ins Rampenlicht

Der Boxring war mitten im Zelt aufgebaut und wurde von bunten Scheinwerfern spektakulär beleuchtet. Über einen langen, schwarzen Laufsteg und zu lauter Musik schritten die Kämpfer ins Rampenlicht. Einige Fighter, wie der aus Peru stammende Renato Mansilla, tänzelten im Sambaschritt, andere schienen mit jedem Meter noch ein bisschen mehr Adrenalin zu pumpen. Durchtrainierte, tätowierte Körper, Eimer mit Eiswasser, Nummerngirls, der Geruch nach Thai-Öl.

Video: Jäckle, Reiner

Viele Faktoren trugen zur Gesamtatmosphäre in der „Arena“ bei: vom Ringarzt, der taumelnde Fighter versorgte bis hin zum Cutman, der den Boxern in den Kampfpausen kalte Tücher auflegte. Hier das routinierte Abtasten der Fighter durch Referee Bernd Kornmaier, dort das charakteristische Anmoderieren von Ringsprecher Rainer Jäckle. Hinzu kamen Minuten, die wie Ewigkeiten erschienen und ganz viel Emotion. Dazu trug auch die Schweigeminute bei, um die Sebastian Harms Mendez bat. Sein Vater war im August bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen. Der Trainer und Kämpfer vom Muy Thai Gym aus Überlingen war Veranstalter des Events und kletterte am Samstag selber in den Ring. Dieses Mal nicht zum Kickboxen, sondern um seinen ersten Boxkampf zu absolvieren.

„Meine Box-Premiere war spannend, ich denke, das war nicht mein letzter Boxkampf.“Sebastian Harms Mendez, Überlingen
„Meine Box-Premiere war spannend, ich denke, das war nicht mein letzter Boxkampf.“Sebastian Harms Mendez, Überlingen | Bild: Johanson, Kirsten
Vier Frauen standen auf der Fightcard. Hier kämpft Alisson Dissieux (links) gegen Laura Torre. Laura gehört zum „Boxstall“ Muay Thai Gym in Überlingen. Sie unterlag der Französin knapp.
Vier Frauen standen auf der Fightcard. Hier kämpft Alisson Dissieux (links) gegen Laura Torre. Laura gehört zum „Boxstall“ Muay Thai Gym in Überlingen. Sie unterlag der Französin knapp. | Bild: Johanson, Kirsten

Wer noch beim Kickboxen dabei war, musste bei der Vollkontakt-Sportart sicher das ein oder andere Mal schlucken. Gleich der erste Kampf endete mit einem K.O.: die 28-jährige Nadja Sapanazidou vom Muay Thai Gym aus Überlingen fegte die gleichaltrige Lucrezia Folliero aus Mallorca weg. Wie die Namen schon verraten: Das Teilnehmerfeld war international. Die Fighter verschiedener Kampfsportschulen in Deutschland, Frankreich, Spanien und den Niederlanden kamen unter anderem aus dem Kongo, aus Peru, Griechenland und Mallorca. Neben den Amateur-Kämpfen standen zum krönenden Abschluss auch zwei professionelle Titel-Fights um die europäische Meisterschaft und die Weltmeisterschaft auf dem Programm.

Von 18 bis 23 Uhr herrschte Hochspannung im Zelt – das Publikum fieberte bei den Kämpfen mit.
Von 18 bis 23 Uhr herrschte Hochspannung im Zelt – das Publikum fieberte bei den Kämpfen mit. | Bild: Johanson, Kirsten
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