Dass in der Seeufergemeinde Sipplingen – und auch im nahen Bodman – die öffentlichen Badestellen aus Sorge vor einer Ausbreitung des Coronavirus ab dem kommenden Wochenende wieder gesperrt werden, ist für die weiter östlich am Bodensee liegenden Orte derzeit kein Beispiel. Weder die Städte Überlingen und Meersburg noch die Gemeinden Uhldingen-Mühlhofen und Hagnau planen eine Sperrung ihrer öffentlichen Badeplätze; nicht zu verwechseln mit den Strandbädern, in die der Eintritt geregelt ist. Vorerst werde man die Situation weiter genau beobachten, heißt es aus den Rathäusern und nur reagieren, wenn die Situation untragbar werde.

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Sipplinger Maßnahme erhöht Druck auf Nachbarorte

Wobei Dominik Männle, Bürgermeister von Uhldingen-Mühlhofen, durchaus damit rechnet, dass sich durch die Sipplinger Maßnahme der Druck auf die Nachbarorte erhöht. „Ich denke auch, dass die temporäre Sperrung der Uferbereiche einzelner Gemeinden die Situation in anderen Gemeinden verstärken wird.“ So Männle wörtlich, zu dessen Gemeinde der vom Tourismus geprägte Ort Unteruhldingen mit seinem beliebten, ohne Eintritt zugänglichen öffentlichen Naturstrand gehört, ebenso der in Richtung Meersburg liegende wilde Badeplatz am Kiosk „Schilfhütte“.

Weitere Schließungen würden Situation „noch verschärfen“

Männles Hagnauer Amtskollege Volker Frede pflichtet bei. Die Schließung einzelner Bereiche führe vermutlich zu einer verstärkten Nutzung anderer, offener Bereiche. Gerade deshalb will auch Hagnau eben nicht schließen, um so viel Platz wie möglich anbieten zu können. Meersburgs Rathauschef Robert Scherer macht eine ähnliche Rechnung auf: „Die Einschränkung der Flächen bei gleichbleibender Anzahl an Gästen bedeutet automatisch eine größere Dichte an Menschen an einem Ort.“ Daher werde Meersburg am kommenden Wochenende die öffentlich zugänglichen Uferbereiche erst einmal offen lassen – um die Situation nicht zu verschärfen. In Überlingen sieht man die Auswirkungen von Zugangsverboten so: „Ob sich die Besucheranzahl durch die Sperrung in Sipplingen erhöht, bleibt abzuwarten“, verlautet aus der Überlinger Pressestelle.

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Nachbargemeinden in dauernder Abstimmung

Wie schon vor Ostern und Pfingsten seien auch jetzt in der Ferienzeit die „Bürgermeisterkollegen aus den benachbarten Seegemeinden dauernd in Abstimmung“, macht Männle deutlich. „Die Pläne für die Sperrung in Sipplingen waren uns seit einigen Tagen bekannt“, heißt es aus dem Überlinger Rathaus. Dort, in der Stadt, gebe es „vergleichbare freie Badestellen“ wie in Sipplingen oder Bodman nicht und das Betreten des Sees sei an öffentlichen Flächen des Ufers überall erlaubt, wo es nicht explizit verboten ist.

Ebenfalls frei zugänglich und weiterhin offen: Das Hagnauer Strandbad lockt mit großen Bäumen als Schattenspender und einem Sprungturm im See.
Ebenfalls frei zugänglich und weiterhin offen: Das Hagnauer Strandbad lockt mit großen Bäumen als Schattenspender und einem Sprungturm im See. | Bild: Martina Wolters

Sperrungen für die Zukunft nicht auszuschließen

„Derzeit ist es bei uns voll, allerdings noch im Rahmen der jeweils geltenden Corona-Verordnungen“, beschreibt Bürgermeister Männle. Deshalb bleibe der Unteruhldinger Naturstrand auch offen. „Für die Zukunft ausschließen kann ich die Sperrung allerdings nicht, da keiner weiß, wie sich die Situation in den nächsten Wochen entwickelt.“

Sicherheitsstreifen sollen Corona-Partys an der „Schilfhütte“ verhindern

In Uhldingen werden in den nächsten Tagen an mehreren Stellen Schilder angebracht, die laut Männle noch mehr auf Corona und die damit verbundenen Abstandsregeln aufmerksam machen sollen. Schon jetzt kontrolliere der Vollzugsdienst den Naturstrand regelmäßig. „Wir versuchen also der Lage – durch mehr Information und Präsenz vor Ort – Herr zu werden“, sagt Männle. Derzeit prüfe die Gemeinde zudem die Möglichkeit, noch engmaschiger zu kontrollieren. Gerade im Bereich der Schilfhütte solle zusätzlich ein Sicherheitsdienst installiert werden, der Streife laufe und speziell hier sicherstellen soll, dass es zu keinen Corona-Partys komme. So hofft Männle, den Naturstrand auch über den Sommer geöffnet lassen zu können.

Personalkapazitäten fehlen bei Verwaltung und Polizei

Aus allen Gemeinden ist zu hören, dass die Zusammenarbeit mit der Polizei sehr gut sei und man sie „im Zweifelsfall zur Unterstützung“ rufe. „Die Polizei leistet hier einen wichtigen Anteil, die schwierige Situation zu bewerkstelligen“, sagt Männle. Allerdings fehle es auch ihr, wie in der Verwaltung, an Personalkapazitäten, um noch engmaschiger kontrollieren zu können.

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Sorglosigkeit in den letzten Wochen „spürbar größer“

Dass manche Menschen, gerade wenn es um Vergnügen und Unterhaltung geht, aktuell so unterwegs sind, als ob es kein Corona gebe, das gibt Bürgermeister Scherer indes ebenso zu Denken wie seinen Amtskollegen in Hagnau und Uhldingen. „In den letzten Wochen schwindet das Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit Corona bei einigen merklich und die Sorglosigkeit wird unserer Meinung nach größer; das beschäftigt uns und bereitet uns auch Sorge“, erklärt Männle. „Diese Sorglosigkeit mancher ist nach unserer Einschätzung spürbar größer, als noch vor ein bis zwei Monaten – dies macht auch uns Sorge“, pflichtet Volker Frede bei, meint indes aber: „Die weit überwiegende Anzahl der Personen hier in Hagnau geht sensibel und verantwortungsbewusst mit der Situation um und ist auch sehr einsichtig, wenn einmal auf zu geringe Abstände oder ähnliches hingewiesen werden muss. „Es wäre schön, wenn das den Sommer über so bliebe und auf weitergehende Maßnahmen verzichtet werden kann.“ Fast wortgleich bescheinigen Männle und Schererer ihren Bürgern „verantwortungsbewusstes“ Handeln.

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Scherer setzt weiter auf Eigenverantwortung

„Ich setze auch weiterhin auf die Eigenverantwortung des Einzelnen“, erinnert Robert Scherer sein Credo, das er zu Beginn der Pandemie beschrieb. „Man sollte es doch schaffen, die vorübergehende Vorsichtsmaßnahmen ernst zu nehmen damit wir alle gemeinsam schneller durch außergewöhnliche Zeit kommen.“ Sollte der Fall eintreten, das Maßnahmen vorgenommen werden müssten, so bleibe allen ja nichts anderes übrig. „Hoffen wir mal das es nicht sein muss und die Menschen sich die Verantwortung sich und anderen gegenüber ins Gedächtnis rufen“, sagt Scherer.