Vier Paare stehen sich gegenüber, die Frauen tragen wallende Petticoats, die Männer schwarze Hosen und Westernhemden. Countrymusik ertönt. Ein Mann am Mikrofon sagt: „Join hands, circle to the left“ – und plötzlich setzen sich alle in Bewegung: Die Paare nehmen sich an den Händen und laufen im Kreis. Die bunten Röcke der Frauen wippen im Takt ihrer Schritte. Dann ein neues Kommando: „Allemande Left.“ Die Paare lösen sich und fassen den Unterarm des Tänzers auf ihrer anderen Seite an. So drehen sie sich um 180 Grad.

Die Paare tanzen Square Dance. Jeden Mittwoch trainieren die „Dancing Wolves“, wie der Verein heißt, von 20 bis 22 Uhr in der alten Grundschule in der Jahnstraße in Mühlhofen. Die Tanzgruppe ist wild gemischt. Jung und Alt tanzen zusammen. „Unser ältestes Mitglied ist 85“, erzählt Präsident Günther Schrettinger stolz. Für ihn steht der Spaß ganz klar im Vordergrund: „Es geht sehr viel um Geselligkeit und Kontakte.“ Dafür sorge auch, dass Square Dance kein Wettkampfsport sei, man tanze einfach aus Freude.

Die „Dancing Wolves“ achten auf ihre Kleidung: Die Männer tragen schwarze Hosen und Westernhemden, die Frauen Petticoats.
Die „Dancing Wolves“ achten auf ihre Kleidung: Die Männer tragen schwarze Hosen und Westernhemden, die Frauen Petticoats. | Bild: Judith Brouwers

„Square Dance ist eine Disziplin, die Körper und Geist gleichermaßen fit hält“, sagt Schrettinger. Das können Anfänger auch gleich selbst ausprobieren: Im Gegensatz zu anderen Tanzdisziplinen, bei denen Tänzer zunächst eine Choreographie lernen und dann genau wissen, welche Bewegungen nacheinander kommen müssen, wissen Square Dancer währenddessen nicht, welche Figuren sie als nächstes machen werden. Das ist die Besonderheit des Square Dances: Nicht die Tänzer selbst entscheiden, wie sie sich bewegen, sondern ein sogenannter „Caller“. Der gibt über ein Mikrofon spontane Anweisungen an die Tänzer. „Das macht Square Dance so interessant. Die Zurufe müssen vom Kopf in die Beine transportiert werden, das erfordert Konzentration. Genau dadurch ist Square Dance so entspannend, da alltäglicher Stress dabei keinen Raum hat“, sagt Günther Schrettinger.

Video: Judith Brouwers

Rund 70 verschiedene Kommandos

Der „Caller“ Markus singt passend zum Lied den Songtext mit, zwischendrin verflechtet er die Anweisungen, sogenannte „Calls“. „Do a Do Sa Do“, singt er dann zum Beispiel. Dann umkreisen sich die Partner, ohne dabei die Blickrichtung zu wechseln. Der „Caller“ gibt zwar alle Anweisungen auf Englisch, die Sprache müssen Tänzer zum Square Dancen aber nicht können. Ein Dreivierteljahr dauert eine Ausbildungsperiode für Tänzer, die auf Mainstream-Niveau tanzen wollen. Rund 70 verschiedene Figuren beherrschen die Tänzer dann. Bei den „Dancing Wolves“ sind viele Mitglieder schon länger dabei. Günther Schrettinger selbst tanzt seit 26 Jahren Square Dance.

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Trotzdem geht nicht immer alles gut, manchmal vergisst ein Tänzer auch, was er gerade zu tun hat. Das ist dann vor allem für den „Caller“ eine Herausforderung: Seine Aufgabe ist, dass alle Paare bei Liedende wieder genauso stehen wie zu Beginn des Tanzes. Wenn dann ein Tänzer aus dem Takt kommt und sich der weitere Ablauf verzögert, muss er umplanen. „Getanzt wird nach allem, was die Musik zu bieten hat, Rock, Pop, Jazz und Western. Somit ist die Musik genauso vielseitig wie der Tanz selbst, bei dem keiner dem anderen gleicht“, sagt Schrettinger. Eine Ausnahme scheint es aber zu geben: Als „Caller“ Markus das Lied „Atemlos“ von Helene Fischer abspielt, fehlt jede Euphorie bei den „Dancing Wolves“. Nach wenigen Sekunden wechselt er zurück zur Countrymusik. Nach dem Training gehen die Tänzer nicht sofort auseinander.

Kein typischer Tanz: Square Dance ist eher ein „rhythmisches Gehen“, wie die Clubmitglieder erklären. Vor allem der Kopf ist dabei gefordert. Wenn die Kommandos kommen, bleibt kaum Zeit zu überlegen, was zu tun ist.
Kein typischer Tanz: Square Dance ist eher ein „rhythmisches Gehen“, wie die Clubmitglieder erklären. Vor allem der Kopf ist dabei gefordert. Wenn die Kommandos kommen, bleibt kaum Zeit zu überlegen, was zu tun ist. | Bild: Judith Brouwers

Der letzte Tanz wird mit einem gemeinsamen „After Party!“-Ruf beendet, der in den gemütlichen Teil überleitet. Die Clubmitglieder sitzen noch beisammen. Der Tanzraum in der alten Grundschule ist mit einer eigenen Küche ausgestattet, in der Getränke kalt gestellt sind. Um den Zusammenhalt zwischen den Tänzern zu stärken, unternimmt der Club einmal im Monat weitere Aktivitäten, dann wandern die Square Dancer zusammen oder gehen ins Theater. Die „Dancing Wolves“ bieten einen Anfängerkurs an, bei dem noch Plätze frei sind. Erwünscht sind alle Tänzer, ob als Single oder Paare. Vorkenntnisse sind nicht notwendig. Am kommenden Mittwoch, 18. September, 20 Uhr, können Interessierte zum Schnuppertanzen vorbeikommen.

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