„Ich bin Student und habe gerade viel Zeit“, „Bin Lehrerin ohne Aufgaben“, „Mein Hotel hat geschlossen und deswegen biete ich meine Hilfe an“ oder „Mir fällt als Rentner zu Hause die Decke auf den Kopf.“ Mit Einträgen wie diesen haben sich allein in Überlingen in den vergangenen Tagen mehr als 50 Menschen auf der Vermittlungsplattform „Das Land hilft“ für landwirtschaftliche Arbeitskräfte gemeldet. In den umliegenden Gemeinden ist die Hilfsbereitschaft für Landwirte, denen wegen der Corona-Krise die Erntehelfer aus Osteuropa fehlen, ähnlich groß.

Die Rubrik auf der Internetseite, in der sich Landwirte selbst melden können, wenn sie Hilfe brauchen, ist rund um Überlingen allerdings fast leer. Auch im Umkreis von 30 Kilometern taucht gerade mal eine Handvoll Betriebe auf. Ist die Not der Landwirte also doch nicht so groß?

Landwirte suchen Helfer gezielt aus

„Doch“, sagt Ingrid Martin vom Maschinenring Tettnang, die das bundesweite Hilfsportal für die Landwirte ins Rollen gebracht hat. „Aber viele Landwirte sind zurückhaltend bei der Registrierung, weil ihnen schlicht die Zeit fehlt, die Anfragen zu bearbeiten.“

Es sei für sie einfacher, gezielt Leute anzurufen, die auch die nötige Arbeitszeit mitbringen. „Denn mit ein paar Stunden am Wochenende oder einer Woche Urlaub ist den meisten Bauern nicht geholfen“, sagt Ingrid Martin.

Hinzu komme, dass das kühlere Wetter den Landwirten beim Pflanzen noch ein paar Tage Aufschub gewährt hat. Und dass viele Landwirte bis zum Einreisestopp vor einigen Tagen noch gehofft haben, dass ihre bewährten Hilfskräfte aus Osteuropa doch noch kommen können. „Denn die sind einfach eingearbeitet und wissen, worauf sie sich bei der Arbeit einlassen“, erklärt Martin.

Stockacherin setzt auf Selbstpflücke

So sieht das auch Annelie Wassmer vom Obst- und Rosenhof in Stockach. „Erdbeeren pflücken kann eigentlich jeder. Aber für einen Mindestlohn geht kein Deutscher tagelang aufs Feld und nimmt Rückenschmerzen in Kauf“, ist die Landwirtin der Meinung.

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Wenn ihre zehn Hilfskräfte aus Rumänien und Polen im Mai nicht kommen, setzt Wassmer auf die Selbstpflücke, die in den vergangenen Jahren kaum mehr Anklang gefunden hat. „Zumindest für den Eigenbedarf kann man sich dann vielleicht doch wieder eine Weile bücken“, sagt sie.

Der Winzer Karl Megerle aus Hagnau hat Zweifel

Karl Megerle, Winzer aus Hagnau, hat seine Zweifel, dass die Ehrenamtlichen den Bauern eine große Hilfe sein können. „Es gab vor Jahren einmal Versuche mit Langzeitarbeitslosen. Die haben sich das auch nicht so vorgestellt, mit der harten körperlichen Arbeit jeden Tag und bei jedem Wetter. Viele waren schnell wieder weg.“

Landwirt aus Konstanz macht positive Erfahrung mit Studenten

Mut, sich auf das Experiment einzulassen, macht den noch skeptischen Bauern in der Region Landwirt Thomas Romer aus Konstanz-Litzelstetten. Er hat innerhalb der letzten zwei Wochen fünf Studenten eingestellt – zum Himbeeren pflanzen und Unkraut jäten. Landwirt Romer sagt: „Wir sind erstmal langsam mit fünf Stunden am Tag gestartet und natürlich muss ich viel erklären. Aber die Motivation ist hoch, das Ergebnis stimmt und alle sind dabei geblieben.“

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