Die Arbeit zweier Handwerker an der Überlinger Hofstatt, die eine große gläserne Geschäftstür ausbauten und den Eingang dann mit Brettern zunagelten, sorgte am Abend des Freitag, 4. September, kurz nach 18.30 Uhr, für Aufsehen in der Überlinger Innenstadt. „Wie im Wilden Westen“ war aus dem Kreis der Passanten zu hören, unter denen auch Stadtrat Herbert Dreiseitl war, der zufällig zum Augenzeuge wurde. Er spricht von einer „unglaublich rohen Aktion“.

Mit Grobspanplatten dicht gemacht

Ort des Geschehens war das Modegeschäft „up to lake, seedesign„ von Judith Braun, die von der Aktion vorher nichts gewusst hatte, wie sie sagt, und erst von einer Anwohnerin telefonisch alarmiert wurde. Sie kam sofort zurück zu ihrem Geschäft und stellte fest, dass die beiden Männer die gläserne Eingangstüre entfernt hatten und das entstandene Loch mit Grobspanplatten zuzimmerten. Veranlasst hatte die Arbeiten Unternehmer Michael Stehle, der Vermieter des Geschäfts, wie sich herausstellte. Er habe durch diese Maßnahme die Kunden des Modegeschäfts „up to lake, seedesign„ vor einer möglichen Unfallgefahr bewahren wollen, erklärt er auf Anfrage.

Am Ende der Arbeiten war die gesamte Eingangsfront mit Grobspanplatten versiegelt.
Am Ende der Arbeiten war die gesamte Eingangsfront mit Grobspanplatten versiegelt. | Bild: Stef Manzini

In ihrer „Hilflosigkeit“ die Polizei gerufen

Nach dem Anruf der Anwohnerin sei sie nach Geschäftsschluss gegen 19 Uhr zurückgekommen an die Hofstatt, schildert Judith Braun den Abend. Dort fand die Geschäftsfrau die zwei Männer vor, die im Auftrag ihres Vermieters arbeiteten. „Während die Männer da zu Gange waren, stand mein Geschäft übrigens sperrangelweit offen, da ist ja auch eine Kasse drin und viel Ware“, empört sich Judith Braun. In ihrer Hilflosigkeit habe sie die Polizei gerufen, die aber sei nicht zuständig, so habe man ihr erklärt.

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Braun räumt Unstimmigkeiten mit Vermieter ein

Nun kann Braun, die ihren Laden seit 2011 bereits im angrenzenden Geschäft betreibt, ebenfalls mit Stehle als Vermieter, erst mal nicht mehr weitermachen. Corona-bedingt hatte sie sich verkleinert und war in die kleineren Räume umgezogen, zu denen ihr jetzt der Zugang verwehrt ist. Für sie sei diese „neuerliche Katastrophe“ besonders bitter. „Das alles wäre vermeidbar gewesen, wenn man sich zusammen gesetzt hätte, um einen seriösen Weg zu finden“, sagt Braun, die Unstimmigkeiten mit ihrem Vermieter einräumt. Nachdem sie zum 1. Mai in diese Räume umgezogen war, habe sie bereits Anfang Juni ihren Vermieter darüber in Kenntnis gesetzt, dass die Sicherungsbolzen im unteren Bereich der Glastür nicht mehr richtig schließen würden. Sie habe dazu auch schon Erkundigungen bei einem hiesigen Glas- und Fensterbauer eingezogen. „Ich hatte Sorge, dass die schwere Glastür einem Kunden in die Hacken knallt, und habe Herrn Stehle mehrfach um eine Reparatur der Tür gebeten. Es handelt sich bei dieser Reparatur nicht um eine große Sache“, meint die Geschäftsfrau.

... und dann noch Trassierband davor. Kunden können den Laden erst mal nicht mehr betreten.
... und dann noch Trassierband davor. Kunden können den Laden erst mal nicht mehr betreten. | Bild: Stef Manzini

Vermieter: „Reparaturarbeiten angekündigt“

Vermieter Michael Stehle erläutert dazu: „In einem eindringlichen Schreiben an meinen Anwalt, Herbert Eppler, hat Frau Braun die defekte Ladentür moniert. Diese stelle eine Gefahr für ihre Kunden dar“. Braun habe ihm auch, ob der Dringlichkeit, mit Mietabzug gedroht, so Stehle weiter. Am 31. August habe man dann reagiert, und die Reparaturarbeiten angekündigt. „Um jedwede Gefahr abzuwenden, würde die Ladentür umgehend ausgebaut und die Räumlichkeiten gegen das Betreten durch unbefugte Dritte in angemessener Weise gesichert“, mit diesen Worte habe sein Rechtsanwalt Judith Braun die Maßnahme angekündigt, erläutert Stehle.

„Absolut überzogen und in keiner Weise angemessen“

Die Geschäftsfrau legt Wert auf die Feststellung, dass diese „Aktion in Wild-West-Manier“ doch „absolut überzogen und in keiner Weise angemessen“ sei. Ihr sei damit bis auf weiteres die Geschäftsgrundlage entzogen, und dass wäre gerade nach dem schwierigen Lockdown während der Corona-Pandemie besonders bitter, beklagt Braun, „natürlich hätte man eine Behelfstür anbringen, und alles viel besser regeln können“.