Die Garten- und Balkonsaison steht vor der Tür. Die kommenden Wochen versprechen gutes Wetter, auch trotz der Corona-Krise. Da beschäftigt sich so mancher Bürger als Heimwerker zu Hause und nimmt sich jener Großprojekte an, die schon lange liegen geblieben sind. Die kostenlose Kinderbeschäftigung gibts als Bonus obendrauf. Noch sind Tapetenrollen und -Kleister gefragt, schon bald wird der Gartenbereich im Baumarkt in Beschlag genommen. Entsorgt werden Grünschnitt, Sperrmüll und Abfälle dann an den Wertstoffhöfen und Entsorgungszentren. Das alles sorgt für Probleme.

Wertstoffhöfe an der Schmerzgrenze

Robert Schwarz, Pressesprecher des Landratsamts Bodenseekreis und des Abfallwirtschaftsamts sagt: „Die Menschen entsorgen definitiv mehr zur Zeit. Sie nutzen die Zeit zu Hause um aufzuräumen, zu basteln und herzurichten. Es hat auch niemand etwas dagegen, wenn sie die Zeit nutzen. Allerdings frage ich mich, ob man wegen jeder Mülltüte oder Farbdose gleich zum Wertstoffhof oder Entsorgungszentrum fahren muss.“ Denn diese seien an der Schmerzgrenze, es gebe chaotische Szenen und laut Schwarz herrsche „Land unter“.

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Ein Problem sei, dass die Entsorgungszentren auch gewerbliche Anlieferer und die Müllabfuhr abfertigen. Der Müll würde dann von dort beispielsweise in die Biomüllvergärungsanlage weiter geleitet. „Und dazu kommen jetzt auch noch die vielen privaten Kunden. Die Situation ist angespannt und wir müssen ja auch auf die Gesundheit der Mitarbeiter achten“, sagt Robert Schwarz. Er rechnet damit, dass sich die Lage um Ostern herum nur noch verschlimmern könnte. Und dabei hätten die Wertstoffhöfe aus diesen Gründen sonst schon fast überall geschlossen. Aber das Landratsamt Bodenseekreis wolle das System weiter aufrecht erhalten, aber auch die Strukturen nicht überlasten.

Nur kommen, wenn es drängt

Robert Schwarz sagt: „Die Menschen haben außerdem auch nichts davon, wenn sie sich zu Dutzenden am Wertstoffhof treffen. Das ist bestimmt nicht im Sinne des Erfinders der Regeln. Man soll Abstand halten, darum gehts.“ Er plädiert dafür, nur zu kommen, wenn es dringend sei. Wenige Abfälle und Kleinkram solle man vorerst in einer Ecke aufbewahren und es später vorbeibringen, wenn es sich lohnt. Und das sei dann auch gut, dafür wären die Wertstoffhöfe da und geöffnet. Alles andere sei aber nicht zielführend.

Ein Mitarbeiter beim Einweisen der Besucher am Entsorgungszentrum des Bodenseekreises in Überlingen, an der Füllenwaid. Die Besucher werden nur noch so auf das Gelände gelassen, dass sie sich dort nicht zu nahe kommen. Vor dem Tor bilden sich gerade am Samstag – und vermutlich auch jetzt vor Ostern – lange Schlangen.
Ein Mitarbeiter beim Einweisen der Besucher am Entsorgungszentrum des Bodenseekreises in Überlingen, an der Füllenwaid. Die Besucher werden nur noch so auf das Gelände gelassen, dass sie sich dort nicht zu nahe kommen. Vor dem Tor bilden sich gerade am Samstag – und vermutlich auch jetzt vor Ostern – lange Schlangen. | Bild: Stefan Hilser

Wie das Landratsamt mitteilt, hatte der Wertstoffhof Oberteuringen zwischenzeitlich geschlossen, konnte aber wieder geöffnet werden. Bei den Wertstoffhöfen und Entsorgungszentren wurde der Einlass der Kunden bereits reduziert, um Abstand zu halten. Außerdem wurde zur Blockabfertigung übergegangen und es gebe keine Ausladehilfe mehr. Daher richtet das Landratsamt den dringenden Appell an die Bürger, große private Entrümpelungs- und Ausräumaktionen zu verschieben.

„Corona-Partys“ am Baumarkt

Robert Schwarz sieht außerdem die „Corona-Partys“, die mittlerweile am Baumarkt stattfinden würden, kritisch. Nicht nur zum Schutz der Mitarbeiter. Natürlich gehöre der Baumarkt auch zur Grundversorgung, deshalb habe er ja auch noch geöffnet. „Allerdings geht es am Ende darum, das Virus in die Schranken zu weisen, damit nicht zu viele Menschen gleichzeitig behandelt werden müssen. Das ist der einzige Grund. Größere Trauben von Menschen sind nicht zielführend. Hier stehen Bürger und Kunden in Zivilverantwortung, müssen Rücksicht nehmen und eben manchmal auch verzichten“, sagt Schwarz.

Kunden sind teilweise aggressiv

Auch Uwe Beck, Store-Manager beim Obi-Baumarkt in Überlingen, nimmt Probleme wahr: „Die Leute haben Zeit. Sie nehmen sich Projekte vor, aber die Gefahr nicht wahr.“ Zum Teil seien die Kunden unvernünftig und aggressiv. So sei eine Kassiererin bereits angehustet worden, als sie einen Kunden bat, den Abstand einzuhalten. Uwe Beck zitiert einen weiteren Kunden: „Hoffentlich kriegt ihr alle Corona und verreckt hier drin.“

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Reagiert habe man bereits mit Sicherheitsmaßnahmen. So lasse man nicht mehr als 100 Kunden in den Markt und habe Plexiglas an den Kassen, den Infoschaltern und an der Farbmischanlage angebracht. Die Mitarbeiter trügen alle Handschuhe und viele auch Schutzmasken. Außerdem habe man den verkaufsoffenen Sonntag abgesagt, um den Ansturm zu vermeiden. Auch die Werbung und Beilagen habe man herunter gefahren. Uwe Beck sagt: „Außerdem ist nicht die komplette Mannschaft an Bord. Die allgemeine Vorsicht der Mitarbeiter ist zu spüren.“

Rücksicht nicht nur an Ostern

Gekauft werde derweil nichts spezielles außerhalb der Saison. Doch der Durchschnittseinkauf liege bei ungefähr fünf Euro mehr, als normalerweise. Beck nimmt viele Einkäufe für größere Projektarbeiten und Umbauten an Häusern wahr. Er sagt: „Mit den neuen, wärmeren Temperaturen wird das Thema Garten bestimmt größer.“ Ähnlich wie Robert Schwarz erwartet er vor den Osterfeiertagen mehr Kunden, da man ja niemand besuchen solle. Dann würden wohl viele Waren aus dem Grill-, Kohle und Pflanzensortiment gekauft, vermutet Beck. Auch er hofft, dass die Kunden zwar kommen, aber sich in Zeiten der Corona-Krise rücksichtsvoll verhalten.

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