Gehörlose und Gehörgeschädigte sind bei der Kommunikation auf das Lippenlesen, sowie die Gesichtsmimik angewiesen. Die seit nunmehr rund eine Woche geltende Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmittel und beim Einkaufen stellt für sie also eine Herausforderung dar. Denn: Ihnen wird die Kommunikation erschwert. Ein Betroffener zeigt Wege auf, wie trotz Maskenpflicht die Kommunikation mit Gehörgeschädigten dennoch gelingen kann.

Wie Gehörgeschädigte verstehen

Pascal Sutter arbeitet am Helios Spital in Überlingen als Operationstechnischer Assistent. Seit seiner Kindheit hat er eine mittelgradige Hochtonschwerhörigkeit. Das heißt, er ist bei der Kommunikation mit anderen darauf angewiesen, Lippen lesen zu können. „Hörgeschädigte verstehen bis zu 20 Prozent des Gesagten über das Lippenbild des Gesprächspartners. Wenn der Mund bedeckt ist, fällt das Lippenlesen logischerweise weg. Außerdem reden viele Menschen anders, wenn Sie einen Mund-Nasen-Schutz tragen, da er beim Reden stört“, so Sutter.

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Und so ist ohne weitere Maßnahme ein Gespräch nicht mehr uneingeschränkt möglich. Hinzu kommt, dass Maskenträger gedämpfter klingen und er und andere Gehörgeschädigte sich nicht mehr auf die Mimik verlassen können, die ihnen normalerweise hilft, das Gesagte zu verknüpfen, so der 26-Jährige.

Ironie und Sarkasmus seien ohnehin schon fast ausschließlich über die Mimik erkennbar. Das mache für ihn die Alltagskommunikation sehr schwer. Auf Gespräche mit Gehörgeschädigten verzichten, müssen Maskenträger aber nicht. Denn es gebe Wege, wie auch Hörgeschädigten und Gehörlosen die Kommunikation trotz Maskenpflicht erleichtert werden kann.

Wie die Kommunikation funktioniert

Ist man der Gebärdensprache nicht mächtig oder gerade kein Gebärdendolmetscher zur Hand, helfe bei Gehörlosen der Griff zu Stift und Papier oder ,ausnahmsweise einmal, auf den Mund-Nasen-Schutz zu verzichten, natürlich unter Wahrung des gebotenen Abstandes von mindestens 1,5 Metern, so Sutter. Denn dann muss nicht auf das Lippenlesen verzichtet werden.

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Die Kommunikation mit einfach Gehörgeschädigten verläuft etwas einfacher. Vor dem Gespräch sei es wichtig, Kontakt mit dem Gehörgeschädigten aufzunehmen – beispielsweise durch Winken oder durch Blickkontakt. Während des Gesprächs sei es essenziell, sich nicht wegzudrehen, sondern immer frontal zum Gesprächspartner zu bleiben, so dass er aus Mimik und Gestik zumindest etwas herauslesen kann.

Des Weiteren helfe es, sich eine ruhige Umgebung zu schaffen, in der immer nur eine Person spricht. Auch etwas lauter, deutlicher und langsamer dürfe gerne gesprochen werden. „Aber bitte nicht schreien“, sagt Sutter. Wenn möglich, sollte auf Dialekt verzichtet werden. Kurze und klare Sätze sind ebenso wichtig, wie Sprachpausen. Diese benötige ein Hörgeschädigter, um das Gesagte zu verarbeiten und, um bei Bedarf, Rückfragen zum Gesagten stellen zu können.

Helfen kann es auch, Gestik zu nutzen oder auf Gegenstände zu zeigen, die das Gesagte verbildlichen können. Am allerwichtigsten sei es jedoch erst zu lachen und dann mit dem Gespräch zu beginnen. Dann sei auch die Kommunikation zwischen Gehörgeschädigtem und Maskenträger möglich.

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