Am Dienstag, 21. Januar, soll die Verfüllung der Druckleitungen vom Andelshofer Weiher zum Wasserkraftwerk am Mantelhafen starten. Das Stadtwerk am See (SWSee) als Eigentümer begründet diese Eile mit einem Haftungsrisiko für die Leitung. Das Risiko, dass diese Risse bekomme, sei zu hoch. Der Verein Bürgerenergie ruft das Stadtwerk dazu auf, die Verfüllung zu stoppen. „Sie können das aufhalten, worum ich Sie hiermit ausdrücklich bitten möchte“, schreibt Peter Riegger, Gründungsmitglied des Vereins, dem Geschäftsführer des Stadtwerks am See Alexander-Florian Bürkle.

Das könnte Sie auch interessieren

Die bisherige Argumentation des Stadtwerks sei intransparent und habe sich an einigen Stellen als inhaltlich falsch erwiesen, so Riegger weiter. „Insbesondere ist die der Denkmalbehörde gegenüber vorgebrachte Beschreibung von ,Gefahr im Verzug‘ alles andere als offensichtlich.“ Riegger ruft Oberbürgermeister Jan Zeitler dazu auf, dem Stadtwerk am See die Verfüllung der Leitung unter städtischen Grundstücken zu untersagen.

Das könnte Sie auch interessieren

Auch Joachim Betten, der eine Online-Petition zum Erhalt von Kraftwerk und Leitung gestartet hatte, zweifelt am Argument des Stadtwerks. Aktuell hat seine Online-Petition 1276 Unterzeichner. Außerdem liegt dem Landtag eine Petition vor, die angenommen aber noch nicht beraten wurde. „Ungeschriebenes Gesetz ist in Baden-Württemberg, dass bei vom Landtag Baden-Württemberg angenommenen Petitionen keine unwiederbringlichen Veränderungen am ,strittigen Projekt‘ vorgenommen werden. Daran halten sich strickt alle Verwaltungsbehörden und Städte. Dies wünschen wir uns auch vom Stadtwerk am See.“ Und Betten weiter: „Unverständlich bleibt, wie bei solch einem qualitativ hochwertigen Zustand der Druckleitung ,Gefahr im Verzug‘ sein sollte, sodass die Druckleitung noch vor einem Abschluss des Petitionsverfahrens verfüllt sein muss.“

Stadtwerk schafft Fakten

Die Fraktion LBU/Die Grünen beklagt, dass die Überlinger Bürger keinen Einfluss auf diese Entscheidung gehabt haben. „Die Entscheidungen fielen im Aufsichtsrat des Eigentümers Stadtwerk am See“, die mit der irreversiblen Verfüllung der Leitung Fakten schaffe. Die Fraktion mache den vier Überlinger Vertretern des Stadtwerk-Aufsichtsrats, darunter OB Zeitler, keinen Vorwurf. „Vielmehr muss festgestellt werden, dass mit der Konstruktion SWSee als eine interkommunale GmbH in diesem Fall berechtigte Interessen Überlingens untergegangen sind.“

Das könnte Sie auch interessieren

Die Fraktion plädiert für einen Runden Tisch mit allen Beteiligten. „Wie auch immer die Sache ausgehen wird und was inhaltlich am Ende herauskommt: Überlingen ist gut beraten, den Andelshofer Weiher und das Turbinenwerk wieder in den eigenen Besitz zu bekommen, um über ein wichtiges Stück Überlinger Zukunft selbst zu entscheiden.“

Das könnte Sie auch interessieren

Die Ortsgruppe von Fridays-for-Future hatte sich ebenfalls für den Erhalt des Kraftwerks ausgesprochen, die laut Aussage des Stadtwerks 2,8 Millionen Euro kosten würde. Die Klimaaktivisten fordert vom Stadtwerk diese „2,8 Millionen Euro Umbaukosten, welche laut eigener Aussage der Erhalt des Kraftwerks verursacht hätte, bis Ende 2021 in regionale erneuerbare Energiegewinnung zu investieren.“ Erst wenn das Stadtwerk gewillt sei, diese Summe einzusetzen, wären die Klimaaktivisten davon überzeugt, dass es das Stadtwerk seine Klimazielen ernsthaft verfolge.

Vorbereitende Maßnahmen zur Verfüllung der Druckleitung laufen bereits.
Vorbereitende Maßnahmen zur Verfüllung der Druckleitung laufen bereits. | Bild: Bürgerenergie Überlingen