Der Verein „Bürgerenergie„ hegte bis zuletzt die Hoffnung, das Überlinger Wasserkraftwerk, das vom Stadtwerk 2013 stillgelegt wurde, übernehmen zu können. Verhandlungen waren im Dezember zwar geplatzt, doch erbrachte eine offene Petition 1276 Unterschriften, und eine beim Landtag eingereichte Petition befinde sich noch in der Prüfung. Umso enttäuschter ist der in Gründung befindliche Verein, dass das Stadtwerk am See (SWSee) nun Fakten schafft.

Das könnte Sie auch interessieren

Eine vom Stadtwerk beauftragte Firma hat mit den Vorbereitungen zur Verfüllung der Druckleitung begonnen. Wie SWSee-Bereichsleiter Udo Woble gestern bestätigte, werde die Leitung mit einem flüssigen Dämmstoff verfüllt, der aushärtet, und die 100 Jahre alte Leitung dauerhaft stabilisiert.

Am „Andele“, oberhalb der neuen B 31, wird mit den Arbeiten zur Verfüllung der Druckleitung begonnen. Der Andelshofer Weiher ist ein künstlich angelegter Stausee, der mittlerweile zum Naturschutzgebiet wurde.
Am „Andele“, oberhalb der neuen B 31, wird mit den Arbeiten zur Verfüllung der Druckleitung begonnen. Der Andelshofer Weiher ist ein künstlich angelegter Stausee, der mittlerweile zum Naturschutzgebiet wurde. | Bild: Hilser, Stefan

Damit verhindere man, dass auf der fast zweieinhalb Kilometer langen Strecke zwischen Andelshofener Weiher und Turbinenhaus am Mantelhafen die Leitung bricht und es zu ungewollten Setzungen des Erdreichs kommt. Das Risiko sei zu hoch, Gebäude könnten Risse bekommen, Dachziegel herunterfallen und auf Menschen stürzen, oder auf landwirtschaftlichen Flächen könnten Maschinen in plötzlich auftretende Löcher stürzen.

Im Auftrag des Stadtwerk am See verfüllt eine Firma die 100 Jahre alte Druckleitung, die den Andelshofener Weiher mit dem Turbinenhaus am Mantelhafen verbindet.
Im Auftrag des Stadtwerk am See verfüllt eine Firma die 100 Jahre alte Druckleitung, die den Andelshofener Weiher mit dem Turbinenhaus am Mantelhafen verbindet. | Bild: Hilser, Stefan

Da bereits 2017 eine Verfüllung beschlossen und eine Firma damit beauftragt wurde, seien sie jetzt in der Pflicht gestanden, die Arbeiten zu starten. SWSee-Pressesprecher Sebastian Dix sagte, dass trotz des Drucks, unter dem das Stadtwerk wegen ihres Haftungsrisikos stehe, Verhandlungen mit den Kaufinteressenten – vertreten durch die Firma HMF von Eric Hueber – stattgefunden haben. Woble: „Es handelte sich um aufrichtige, offene und mit großer Ernsthaftigkeit geführte Gespräche.“ Man habe viel Zeit investiert und alle Unterlagen, die zur Beurteilung der Lage nötig seien, bereitgestellt.

An der Wasserentnahme am Andelshofener Weiher. Bis zur Stilllegung 2013 wurde hier Strom aus Wasserkraft gewonnen, die knapp zweieinhalb Kilometer lange Leitung mündet im Turbinenhaus am Überlinger Mantelhafen.
An der Wasserentnahme am Andelshofener Weiher. Bis zur Stilllegung 2013 wurde hier Strom aus Wasserkraft gewonnen, die knapp zweieinhalb Kilometer lange Leitung mündet im Turbinenhaus am Überlinger Mantelhafen. | Bild: Hilser, Stefan

Woble und Dix widersprechen den Angaben des Vereins, es seien relevante Unterlagen vorenthalten und es sei künstlich Druck aufgebaut worden. Man stehe selbst unter Druck, weil von den Rohren jederzeit Gefahr ausgehe.

Das Zeitfenster für die Verhandlungen, die ab Anfang November liefen und am 20. Dezember endeten, sei allen Beteiligten bekannt gewesen, betont Pressesprecher Dix. Wenn sich jemand findet, der die Anlage mit allen Pflichten und Risiken übernimmt, werde man es gerne übergeben. „Wir sind nicht in der Position, dass wir die Gefährdung nachweisen müssen, sie ist offensichtlich.“

„Bürgerenergie„ schwer enttäuscht

„Bürgerenergie„-Vorstand Peter Riegger teilte mit Verweis auf die 1276 Unterschriften, die weder die Stadt, noch das Stadtwerk offiziell angenommen hätten, mit: „Es ist sehr enttäuschend, dass OB Jan Zeitler und das Stadtwerk sich auch bei so einer großen Anzahl an Interessenten und Unterstützern nicht mehr mit der Option auf Erhalt des Wasserkraftwerks beschäftigen.“

FFF fordert zu weiteren Verhandlungen auf

Die Ortsgruppe von Fridays for Future wandte sich in einem offenen Brief an das Stadtwerk und forderte es zur Wiederaufnahme der Verhandlungen mit der „Bürgerenergie„ auf. In der Diskussion um Risiken seien die Chancen für den Klimaschutz zu wenig berücksichtigt worden, kommentieren sie. 

Das könnte Sie auch interessieren