Das Stadtwerk erklärte die Verhandlungen zum Verkauf des Wasserkraftwerks am Mantelhafen zwar für beendet. Doch aus Sicht des Vereins Bürgerenergie ist die geplante Übernehme noch nicht gescheitert. Auf politischer Ebene wirkt der Verein weiter. Er erhält Rückenwind von mehr als 1000 Bürgern, die in den vergangenen Wochen eine Petition unterschrieben haben.

Termin nächste Woche

Der Petitionsausschuss des Landtags nahm sich der Petition an. Bereits für nächste Woche sei ein informeller Austausch terminiert, sagte Silke Rockenstein von der „Bürgerenergie„. Jürgen Keck, FDP-Landtagsabgeordneter und Berichterstatter des Petitionsausschuss im Landtag, habe um einen Termin gebeten und wolle das Projekt vorgestellt bekommen. Des Weiteren habe man bei OB Zeitler um einen Termin gebeten, um ihm die Unterschriftenliste zu übergeben.

Der OB äußerte sich in einem Gespräch mit dem SÜDKURIER zum Jahresende über die Initiative. Er sprach von „bewundernswertem Idealismus“, empfahlt aber, dass sich die Initiative „sehr genau anschaut, auf was sie sich einlässt“.

Jan Zeitler, Oberbürgermeister: „Ein bewundernswerter Idealismus.“
Jan Zeitler, Oberbürgermeister: „Ein bewundernswerter Idealismus.“ | Bild: Hilser, Stefan

Eric Hueber ist Mitglied der Initiative und weist die Äußerungen Zeitlers zurück. Was der OB als Idealismus darstellt, sei in anderen Regionen Europas Stand der Technik. Mit einem zum Pumpspeicher ertüchtigten Andelshofer Weiher ließen sich etwa 500 Haushalte komplett mit regenerativer und kohlendioxidfreier Energie versorgen. Der große Vorteil von Wasserkraftanlagen bestehe in der Lebensdauer von rund 100 Jahren.

Das könnte Sie auch interessieren

„Etwa 80 Prozent der Baukosten entfallen auf den Wasserspeicher und die Druckleitung. Beides ist in Überlingen bereits vorhanden und kann mit kalkulierbarem Aufwand instand gesetzt werden“, so Huebers Einschätzung. Er schreibt: „Leider hatten die Verantwortlichen des Stadtwerk am See, deren Aufsichtsräte und weite Teile des Überlinger Gemeinderats sowie unser Oberbürgermeister bisher nicht den erforderlichen Idealismus, um sich über den aktuellen Stand der Technik zu informieren.“

Eric Hueber, Bürgerenergie: „Leider hatten die Verantwortlichen bisher nicht den erforderlichen Idealismus.“
Eric Hueber, Bürgerenergie: „Leider hatten die Verantwortlichen bisher nicht den erforderlichen Idealismus.“ | Bild: Deck, Martin

An verantwortlicher Stelle im Verein Bürgerenergie sitzt neben Eric Hueber auch Peter Rieger. In einem Schreiben an mehrere Gemeinderäte erinnerte er daran, dass die Anlage unter Denkmalschutz steht, also ohnehin erhalten werden muss. Mit einer Druckleitung und der Nutzung des Weihers als Speicher könnten mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden. Er hält den Gemeinderäten Lothar Thum und Günter Hornstein und OB Zeitler vor, dass sie sich inhaltlich nicht mit dem Thema beschäftigt hätten, bevor die Verfüllung der Druckleitung mehrheitlich gebilligt worden ist.

Hornstein und Thum finden: „Ein merkwürdiges Demokratieverständnis“

Das weisen Günter Hornstein (CDU) und Lothar Thum (FWV/ÜfA) in einer Mail an Rieger zurück. „Der Vorwurf entspricht in keiner Weise auch nur annähernd den Tatsachen“, schrieben die langjährigen Stadträte am Mittwoch an Rieger. „Wir haben seit Bekanntwerden Ihrer Überlegungen zahlreiche Gespräche geführt und Informationen eingeholt um uns ein Gesamtbild zu dem doch sehr komplexen Sachverhalt zu verschaffen.“ Zu einer Demokratie gehöre es auch, Mehrheitsentscheidungen zu akzeptieren. Hornstein und Thum: „Uns nach zwischenzeitlich über 25-jähriger Gemeinderatsarbeit bei einer Entscheidung, die nicht in Ihrem Sinne ausgefallen ist, ‚wenig Engagement und Sachverstand‘und ‚dass wir uns nicht für die Belange unserer Stadt und deren Bürger einsetzen‘ vorzuwerfen, zeugt von einem merkwürdigen Demokratieverständnis.“

Joachim Betten, Bürgersinn: „In diesem Sinne verstehen wir Bürgerbeteiligung.“
Joachim Betten, Bürgersinn: „In diesem Sinne verstehen wir Bürgerbeteiligung.“ | Bild: Hilser, Stefan

Joachim Betten, Vorsitzender des Vereins „Bürgersinn“ und auch bei der Bürgerenergie aktiv, antwortete: Er hätte es für „demokratisch richtiger“ gehalten, wenn das Thema zunächst öffentlich im Gemeinderat diskutiert worden wäre, bevor der mit Stadträten besetzte Aufsichtsrat des Stadtwerks eine Entscheidung traf. So aber wurden nichtöffentlich vermeintliche Tatsachen geschaffen, die im Nachhinein vom Gemeinderat gebilligt wurden. Der Fall zeige, dass es engagierte Bürger mit Sachverstand in Überlingen gibt, die auch bereit sind, Geld für ein Gemeinschaftsprojekt in die Hand zu nehmen, und die nun Spezialisten für Wasserkraftwerke zurate zogen. Mit dem Wissensstand von heute, so seine Überzeugung, wäre im Gemeinderat ein anderes Ergebnis erzielt worden. Betten: „In diesem Sinne verstehen wir Bürgerbeteiligung.“