„Das Gefühl, wenn man springt, wenn man die Latte überquert und dann runterfällt.“ Das ist für Ella Buchner die Faszination des Stabhochsprungs. Den Sport betreibt die 18-Jährige seit rund fünf Jahren. „Und auch, dass man während des Sprungs eigentlich an nichts denkt.“ Die Gymnasiastin, die mit ihrer Besthöhe von genau vier Metern derzeit den zweiten Platz in der bundesdeutschen Rangliste in ihrer Altersklasse belegt, wurde im Vorjahr deutsche Hallenmeisterin.

Ella Buchner (Leichtathletikclub Überlingen).
Ella Buchner (Leichtathletikclub Überlingen). | Bild: Privat

Bevor sich Ella Buchner dem Stabhochsprung widmete, war sie in ihrem Geburtsort München im Siebenkampf unterwegs. „Dann habe ich jemanden beim Stabhochspringen gesehen, und mir war sofort klar, das will ich auch mal probieren – und dann bin ich einfach dabeigeblieben“, erläuterte die Abiturientin. 2015, als ihre Familie nach Überlingen zog, begann sie sich der Leichtathletikdisziplin zu widmen, seit drei Jahren als Leistungssport. „Hier in Überlingen sind dazu sogar bessere Voraussetzungen als in München.“

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Was Ella Buchner außerdem am Stabhochsprung begeistert, sei die komplexe Technik. „Wenn man nur ein bisschen besser wird in der Technik, kann man sich richtig stark verbessern. Da ist immer viel Potenzial drin. Ich finde das schön, dass man beim Stabhochsprung so ein starkes Steigerungspotenzial hat“, erläutert Ella Buchner. Sie fügt an, dass sie vor zwei Wochen bei den süddeutschen Hallenmeisterschaften im Sindelfinger Glaspalast mit vier Metern gesiegt und damit ihre Bestleistung eingestellt habe, in der Woche zuvor aber nur 3,65 Meter überwunden habe. „Da sieht man, wie stark der Unterschied sein kann“, sagt die junge Athletin. Die Herausforderung beim Wettkampf sei es, stets ausreichend konzentriert zu sein. „Man muss fokussiert sein und darf sich von der Konkurrenz nicht ablenken lassen“, beschreibt sie. „Wichtig ist auch, dass man sich traut, ganz schnell anzulaufen.“ Man brauche Schnelligkeit, Kraft, die entsprechende Technik und die psychische Mentalität, kein Angst vor dem Sprung zu haben. „Wenn man Angst vor der Höhe hat, dann geht gar nichts mehr.“

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Fünf bis sechs Mal für zweieinhalb Stunden trainiert sie in der Woche, in erster Linie in der Kreissporthalle. Außerdem ist sie zwei Mal in Altbirnau im Fitnessstudio anzutreffen. Auch nach Stuttgart muss sie in den Wintermonaten fahren, um mit Landestrainer Stephan Munz zu trainieren. Das dauert jedes Mal zehn Stunden inklusive Fahrt mit dem Zug. „Aber es lohnt sich trotzdem“, sagt Ella Buchner. Und auch Fahrten in ihre Heimatstadt stehen an, wobei stets die eigenen Stäbe auf dem Dachgepäckträger mitgenommen werden.

Viel Zeit für Freizeit bleibt nicht

Viel Zeit bleibt bei solch einem Mammuttrainingsprogramm nicht mehr für Freizeit, schließlich muss ja auch fürs Abi gelernt werden, das am Gymnasium Überlingen bald ansteht. „Ansonsten lese ich gerne, vor allem Fantasyromane“, erläutert die geborene Münchnerin. Außerdem begeistert sie sich für naturwissenschaftliche Experimente – Chemie ist schließlich ihr Berufswunsch.

Bild: Bernd Siebler

Nicht ganz so erfolgreich wie Ella Buchner wollte, war die 18-Jährige am zurückliegenden Wochenende bei den Deutschen Hallenmeisterschaften der Altersklasse U20 im weit entfernten Neubrandenburg. Dort konnte sie ihren Titel vom Vorjahr nicht verteidigen, wurde mit 3,90 Meter Vierte. Die Sprunghöhe von 3,70 und 3,80 Meter hatte Ella Buchner im ersten Durchlauf übersprungen, die 3,90 Meter jedoch erst im dritten Versuch. „Die Platzierung ist für mich ärgerlich, da auch der deutsche Meistertitel mit nur zehn Zentimeter mehr im Machbaren gelegen hätte“, sagt sie. Die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft sei aber eine gute Erfahrung für zukünftige Wettkämpfe. Deshalb zeigt sie sich zuversichtlich für die kommende Freiluftsaison, in der sie weiter an ihrer Technik arbeiten möchte.

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Und ihre weiteren Ziele? Das ist für Ella Buchner ganz klar. „Ich möchte gerne bei der U20-Weltmeisterschaft in Nairobi in Kenia teilnehmen“, sagt sie. „Die WM findet vom 7. bis 12. Juli statt.“ Dazu gilt es aber noch, die Qualifikationshöhe von 4,07 Metern zu meistern. „Ich denke, dass ich das schon schaffen kann“, ist sie überzeugt.

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