Eine Farbe sticht sofort ins Auge, sobald man das Münster betritt: Ein sattes Blau beleuchtet von hinten den geschnitzten Hochaltar, den der Überlinger Holzschnitzer Jörg Zürn und seine Mitarbeiter von 1613 bis 1616 schufen. „Wow!“, entfährt es Dunja Kielmann, als sie durch das Seitenportal die Kirche betritt und nach vorne auf das Chorgewölbe schaut. Nach neun Monaten Arbeit ist die Restaurierung der sieben Fenster im Chor des St.-Nikolaus-Münsters beinahe abgeschlossen und das Ergebnis ist unverkennbar. Nachdem die Ostseite des Überlinger Wahrzeichens seit Oktober mit Holzbrettern vertäfelt war, wurden die reparierten und gesäuberten Fenster in der vergangenen Woche wieder eingebaut und die Verschalung entfernt. Die Sonnenstrahlen fallen nun ungehindert durch die vom Schmutz befreiten Fenster und sorgen für ein ganz neues Lichterlebnis im Münster.

Die figürlichen und ornamentalen Bemalungen der drei Fenster an der Ostseite des Münsters wurden vermutlich 1877 von der bekannten Glasmalerwerkstatt Helmle und Merzweiler geschaffen.
Die figürlichen und ornamentalen Bemalungen der drei Fenster an der Ostseite des Münsters wurden vermutlich 1877 von der bekannten Glasmalerwerkstatt Helmle und Merzweiler geschaffen. | Bild: Deck, Martin

Dunja Kielmann ist mit ihrer Kollegin Franziska Gnant vom Landesamt für Denkmalpflege angereist, um gemeinsam mit Beate Maier und Barbara Martin vom Erzbischöflichen Bauamt Konstanz sowie den beiden Restauratoren Kathrin Rahfoth und Michael Görlach das Ergebnis zu begutachten und die Arbeit der vergangenen Monate abzunehmen. Über enge Gerüste klettern die Frauen in mehreren Metern Höhe im Inneren des Münsters entlang, um die geleistete Arbeit zu überprüfen. Mit Ausnahme ein paar kleiner Anmerkungen sind die Denkmalschützerinnen auch aus der Nähe vom Ergebnis sehr angetan. Auch Beate Maier vom Erzbischöflichen Bauamt, die für die Planung und Betreuung des Projekts verantwortlich war, zieht ein positives Fazit: „Die Leuchtkraft der Fenster ist nicht mit vorher zu vergleichen.“

Restauratorin Kathrin Rahfoth (links) präsentiert Dunja Kielmann (von links) und Franziska Gnant vom Denkmalamt sowie Beate Maier vom Erzbischöflichen Bauamt das Ergebnis.
Restauratorin Kathrin Rahfoth (links) präsentiert Dunja Kielmann (von links) und Franziska Gnant vom Denkmalamt sowie Beate Maier vom Erzbischöflichen Bauamt das Ergebnis. | Bild: Deck, Martin
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Die Restaurierung war nötig geworden, da die sieben Fenster deutliche Schäden aufwiesen. Grund dafür war vermutlich die Schutzverglasung, die im Jahr 1983 an den Außenseiten der Fenster angebracht wurde und luftdicht verschlossen war. Heute weiß man, dass eine Hinterlüftung der Fenster für den Erhalt notwendig ist. Durch die Verglasung kam es zu Hitzestau und an den Fenstern bildete sich Feuchtigkeit. Das führte zu Verlusten bei der Farbgebung und sogar zu stabilitätsgefährdenden Verformungen. Nun wurden neue Schutzgläser mit UV-Schutz eingebaut und durch eine neue Halterung der historischen Fenster dafür gesorgt, dass die Luft von unten nach oben „wie in einem Schornstein“ zirkulieren kann, erklärt Michael Görlach.

Die figürlichen und ornamentalen Bemalungen der drei Fenster an der Ostseite des Münsters wurden vermutlich 1877 von der bekannten Glasmalerwerkstatt Helmle und Merzweiler geschaffen.
Die figürlichen und ornamentalen Bemalungen der drei Fenster an der Ostseite des Münsters wurden vermutlich 1877 von der bekannten Glasmalerwerkstatt Helmle und Merzweiler geschaffen. | Bild: Deck, Martin

Gemeinsam mit seiner Frau Kathrin Rahfoth hat er die drei Fenster mit figürlicher und ornamentaler Bemalung am Chorscheitel, die vermutlich aus dem Jahr 1877 stammen, in aufwändiger Detailarbeit restauriert. Die Arbeit sei sehr schwierig gewesen, da die Schäden an den Fenstern teilweise recht groß waren und die Farbe an einigen Stellen stark verlaufen war. Hinzu kommt, dass die Fenster aus künsterischem Aspekt ein sehr hohes Niveau haben und die beiden Restauratoren sehr vorsichtig vorgehen mussten. Wie viele Arbeitsstunden die beiden in die Restaurierung gesteckt haben, können sie gar nicht beziffern. „Der Zeitplan war sehr straff. Wir haben auch am Wochenende gearbeitet.“ Doch die Restauratoren aus Erfurt sind dankbar für diese Aufgabe: „Es ist eine Ehre, dass uns drei große Fenster in einem so bedeutenden Gebäude anvertraut wurden“, sagt Kathrin Rahfoth, schließlich sei das Überlinger Münster deutschlandweit bekannt. Dementsprechend sei nun auch etwas Wehmut dabei, dass das Projekt beendet ist, sagt sie und Michael Görlach ergänzt: „Aber auch Erleichterung, weil eine so anspruchsvolle Aufgabe geschafft ist.“

Die figürlichen und ornamentalen Bemalungen der drei Fenster an der Ostseite des Münsters wurden vermutlich 1877 von der bekannten Glasmalerwerkstatt Helmle und Merzweiler geschaffen.
Die figürlichen und ornamentalen Bemalungen der drei Fenster an der Ostseite des Münsters wurden vermutlich 1877 von der bekannten Glasmalerwerkstatt Helmle und Merzweiler geschaffen. | Bild: Deck, Martin
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900 000 Euro hat die Restaurierung gekostet. Das Land Baden-Württemberg hat 178 000 Euro zugeschossen, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz 105 000 Euro. Hinzu kommt eine großzügige Spende des Münsterbauvereins, wie Beate Maier sagt. Die restlichen Kosten teilen sich die Kirchengemeinde und das Erzbischöfliche Ordinariat Freiburg. Der Zürn-Altar soll noch von Staub befreit und die Gerüste abgebaut werden. Spätestens zur zweiten Schwedenprozession am 14. Juli will das Bauamt das baustellenfreie Münster der Gemeinde übergeben.

Die figürlichen und ornamentalen Bemalungen der drei Fenster an der Ostseite des Münsters wurden vermutlich 1877 von der bekannten Glasmalerwerkstatt Helmle und Merzweiler geschaffen.
Die figürlichen und ornamentalen Bemalungen der drei Fenster an der Ostseite des Münsters wurden vermutlich 1877 von der bekannten Glasmalerwerkstatt Helmle und Merzweiler geschaffen. | Bild: Deck, Martin