Zum Fototermin am Hauptportal des Nikolausünsters will er seinen Baseball-Pulli dann doch lieber ausziehen, um damit das angenommene Äußere eines katholischen Priesters eher anzunehmen. Ein Kollar, ein steifer Priesterkragen, wäre Theodor Shanikas Ding jedenfalls nicht. Er trägt auch keinen Habit oder Kutte, obwohl er eine Art Ordensbruder ist.

Ziel: Eineinhalb Jahre in Überlingen

Der 1975 im Kongo geborene Priester wird heute und an den folgenden Oster-Feiertagen in der katholischen Seelsorgeeinheit Überlingen vorgestellt. Er unterstützt Pfarrer Bernd Walter bei der Arbeit in der Gemeinde, zu der auch die Pfarreien Lippertsreute, Owingen und Billafingen zählen. Geplant ist gegenwärtig, dass Theodor Shanika für mindestens eineinhalb Jahre in Überlingen bleibt.

Der 43-jährige Theodor Shanika gehört als Pater der Schönstatt-Gemeinschaft an, die in Vallendar bei Koblenz als eine Art Orden gegründet wurde. Er trage keine Ordenstracht, sondern sei in zivil unterwegs.

Interesse an Schwedenprozession

Geboren und aufgewachsen ist er in Uvira, einer Stadt an der Grenze zu Burundi, als achtes von 14 Kindern. Sein Vater, erzählt Theodor Shanika, war in der katholischen Gemeinde so etwas wie ein Diakon, seine Sonntags-Predigten hätten ihn geprägt, auch die Frömmigkeit seiner Mutter, die einen starken marianischen Glauben ausgestrahlt habe. Entsprechend groß sein Interesse an der Überlinger Schwedenprozession, die auf ein Gelübde nach einer angeblichen Marienerscheinung im 30-jährigen Krieg zurückgeht.

Als 17-Jähriger habe er zum ersten Mal etwas von Schönstatt erfahren. In der Hauptstadt von Burundi habe er Theologie und Philosophie studiert, 2006 für ein halbes Jahr in Valendar, wo er dem Orden beitrat. Nach seiner Priesterweihe 2010 habe er in Burundi unter anderem in einem Straßenkinderprojekt gearbeitet. 2015 kam er nach Bern und Bonn, um Deutsch zu lernen. Das ist ihm, wie im Gespräch vernehmbar, gut gelungen. Er spreche sieben Sprachen, Deutsch, Französisch und Englisch und vier afrikanische Sprachen.

Ab 2016 bis Ende 2018 studierte der 43-Jährige an der Hochschule in Valendar Sozialethik. Im Februar sah er erstmals Überlingen. "Überlingen erinnert mich an mein Zuhause, auch ich bin an einem See aufgewachsen, hier die Stadt, da die Dörfer." Die Bindung zur Natur und zu den Menschen sei ihm ein Anliegen. So könne er den Weg nach Owingen wie einen kleinen Pilgerweg betrachten, zumal sein Autoführerschein aus Burundi in Deutschland noch nicht anerkannt wurde, wie er lachend sagt. Er lache gerne und viel. "Freude bringen", so laute sein Ziel für Überlingen.