Facebook ist ein ideales Kommunikationsmittel, um in Windeseile Botschaften rund um den ganzen Globus zu schicken. Wer virtuos damit umgeht, erreicht schnell die Aufmerksamkeit sehr vieler Menschen.

Tausende Internet-Nutzer aus vielen Ländern haben sich auf diese Weise an der Überlinger Sportlerwahl beteiligt. Das wiederum führte zur Kritik am Wahlverfahren. Denn die mit Facebook erzielten "Likes" zahlten in die Gesamtwertung gleich stark ein wie herkömmlich abgegebene Stimmen.

Virtueller legitimer Kampf?

Frederik Schaal, Mitglied im Segel-Team der SMCÜ, sieht darin mehr einen virtuellen Wettkampf im Netz als einen sportlichen Leistungsvergleich. Dem widerspricht Markus Schwer, der Vater einer Sportlerin. Wenn den Facebook-Stimmen schon so ein hoher Wert beigemessen werde – was nicht den Teilnehmern anzulasten sei – sei es doch nur legitim, dass die Teilnehmer hier versuchen zu punkten.

Lokale Verortung gefordert

In einem offenen Brief an das Organisationsteam, die Jury und an Oberbürgermeister Jan Zeitler forderte Schaal dazu auf, sich Gedanken über das Auswahlverfahren zu machen und künftig wieder dafür zu sorgen, dass die Entscheidungshoheit dort platziert wird, wo sie seiner Meinung nach hingehört: Nach Überlingen!

Lob für die ausgezeichneten Sportler

Der Segler Schaal ist von der Wahl unberührt, denn seine Mannschaft wurde im Gegensatz zum Vorjahr nicht nominiert. Insofern nimmt er für sich in Anspruch, die Veranstaltung aus neutraler Warte heraus zu beobachten. Das Ergebnis wolle er in keiner Weise in Abrede stellen. Den ausgezeichneten Einzel- und Mannschaftssportlern sei der Preis zu gönnen. "Sie haben im vergangenen Jahr tolle sportliche Leistungen vollbracht und sich diesen Titel verdient." Jedoch komme es ihm "komisch" vor, wie er dem SÜDKURIER gegenüber sagte, dass einzelne Teilnehmer mit erheblich mehr "Likes" bedacht wurden als andere, deren Beiträge auf Facebook viel öfter geteilt wurden. Gerade das Teilen eines Inhalts sorge dafür, dass die Reichweite und damit die Chance auf Likes steigt.

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Auf Facebook herrscht in gewisser Weise eine große Transparenz. Und so schaute sich Frederik Schaal die Profile derer an, die die Likes abgaben. Darunter gebe es Stimmen von Personen, "die vermutlich wenig bis gar keinen Bezug zum Sport in Überlingen haben", sie seien teils in Vietnam, Thailand, Malaysia, Mexiko oder Russland gemeldet. Schaal schlägt deshalb vor, eine Fachjury zu bilden, die den sportlichen Wert beurteilt; oder bei Beibehaltung des Online-Votings ein Portal zu nutzen, das eine Dateneingabe erfordert.

Schwer weist Kritik zurück

In der Debatte meldete sich Markus Schwer zu Wort, der Vater einer Sportlerin. Es sei doch nur legitim, sich in dieser Sache zu engagieren, "wenn den Facebook-Stimmen ein derart hoher Stellenwert beigemessen wird". Entscheidend sei nicht, wie von Schaal vorgetragen, wie oft ein Beitrag geteilt wird, sondern von wem er geteilt wird. Hier wiederum sei es entscheidend, wie viele Abonnenten eine Fanpage bei Facebook oder wie viele Facebook-Freunde jemand hat.

Instagram und Facebook vernetzt

Darüber hinaus könnten mit einer persönlichen Nachricht per Facebook-Messanger viele Leute erreicht werden, betont Markus Schwer. "Diese Art des Teilens eines Beitrags ist in der Statistik, auf die sich die Kritik beruft, nicht einsehbar." Schwer verweist darauf, dass Facebook und die Internetplattform Instagram zum selben Konzern gehören und miteinander vernetzt sind. "Wenn man nun beispielsweise ein Bild auf Instagram postet, eine Facebook-Verbindung herstellt und einen bestimmten Hashtag setzt, dann hat man automatisch eine Reichweite von knapp 1,5 Millionen Usern."

Verantwortliche bitten um Bedenkzeit

Sowohl Organisator Michael Gut als auch Oberbürgermeister Jan Zeitler haben nach der von Schaal vorgetragenen Kritik zugesagt, den Abstimmungsmodus und mögliche Konsequenzen zu prüfen. Beide Seiten wollten sich zunächst intern abstimmen und auch die anderen Jury-Mitglieder zurate ziehen. Zeitlers Pressesprecherin: "Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine Angaben zu technischen Abstimmungsdetails geben können, die sich nur auf Vermutungen stützen können. Mögliche Schlüsse für die Organisation der Sportlerehrung müssen in Zusammenarbeit mit der Jury besprochen werden, diese tagt kommende Woche."

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