Jetzt kann ihm eigentlich nur noch schlechtes Wetter helfen. Wenn die Temperaturen sinken sollten und die Lust auf ein Bad im Bodensee rapide abnimmt, würde auch der große Besucherstrom verebben, der derzeit regelmäßig über das schöne Dorf am Bodensee hereinschwappt. Sipplingens Bürgermeister Oliver Gortat hofft darauf. Denn der Schultes steht erneut vor der Frage, wie er die Zahl der Bescher so weit reduzieren soll, dass sie den Corona-Abstand einhalten können.

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Nach Gortats Beobachtung kamen an den zurückliegenden Wochenenden so viele Besucher in die Gemeinde und belegten den öffentlichen und kostenlos zugänglichen Strand, dass die Corona-Abstände nicht mehr einzuhalten waren. Die Besucher hätten sich dann auch gegenseitig angegangen, weil jeder für sich natürlich den Abstand halten möchte, ihn zur Person daneben aber nicht einhalten kann.

Erstes Augustwochenende

Am ersten Augustwochenende reagierte Gortat mit einem Betretungsverbot. Das galt für alle, auch für Einheimische, und sorgte entsprechend für Kritik. Aber nicht nur bei den Besuchern und den Einheimischen, die zu den Bodenseestränden in anderen Gemeinden verwiesen wurden, sondern auch bei der Polizeibehörde des Bodenseekreises kam die Aktion schlecht an. Das Landratsamt verfügte, dass ein Betretungsverbot unzulässig sei.

Zweites Augustwochenende

Gortat reagierte am zweiten Wochenende mit einer Sperrung des halben Ortes für den Individualverkehr. Der große Parkplatz Nummer 1 durfte nur noch von „Anliegern“ befahren werden, auch den Ortskern selbst durfte man als Tagesgast nicht mehr mit dem eigenen Auto ansteuern. Ziel war es, Autofahrer zur Weiterfahrt Richtung Überlingen oder an andere Badestrände zu bewegen. Der Erfolg war mäßig, viele Autofahrer ignorierten die Verbote, parkten eben doch auf Platz 1 oder irgendwo im Dorf, und so war das Strandbad zeitweise genauso voll wie am ersten Augustwochenende.

Pläne für das dritte Augustwochenende?

Gortat wollte von sich aus nachjustieren. Mit welcher Lösung, das ist noch unklar. Doch kommt jetzt erschwerend hinzu, dass ihm nicht nur das Landratsamt in die Parade fährt, sondern auch die Große Kreisstadt Überlingen. Sie ist zuständige Verkehrsbehörde und sieht die Sperrung von Parkplatz 1 „kritisch“. Wie die Pressestelle der Stadt auf SÜDKURIER-Anfrage am Mittwoch mitteilte, habe man sich mit der Gemeinde Sipplingen „darauf verständigt, dass dieser Parkplatz künftig wieder für die Besucher geöffnet wird“.

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Eine Sperrung des Parkplatzes oder einzelner Straßen könne derzeit nicht aufgrund der Ausbreitung des Corona-Virus angeordnet werden, wies die Stadt Überlingen den Sipplinger Bürgermeister zurecht. Denn hierfür fehlten die erforderlichen Voraussetzungen. Erforderliche Voraussetzung sei eine gewisse Anzahl an Neuinfizierten.

Aus Sicht der Stadt Überlingen ist die Sperrung von Parkplatz 1 in Sipplingen unzulässig.
Aus Sicht der Stadt Überlingen ist die Sperrung von Parkplatz 1 in Sipplingen unzulässig. | Bild: Hilser, Stefan

Weiter teilte die Stadt Überlingen mit: „Eine Sperrung von Straßen kann im Rahmen der Gefahrenabwehr, zum Beispiel bei einer erschwerten Erreichbarkeit von Objekten durch Feuerwehr- und Rettungsdienst, notwendig werden, wenn andere Maßnahmen, wie zum Beispiel das Abschleppen von einzelnen Fahrzeugen, nicht mehr zum Erfolg führen.“

Bürgermeister Oliver Gortat wollte zum Schutz vor Corona eigentlich den Seezugang sperren. Nachdem ihm das Landratsamt das verboten hat, sperrte Gortat den Ort für Tagesgäste, die mit dem Auto kommen, ab.
Bürgermeister Oliver Gortat wollte zum Schutz vor Corona eigentlich den Seezugang sperren. Nachdem ihm das Landratsamt das verboten hat, sperrte Gortat den Ort für Tagesgäste, die mit dem Auto kommen, ab. | Bild: Hilser, Stefan

Wie es nun weitergeht, ist Gegenstand einer Presseanfrage an die Gemeinde Sipplingen. Bürgermeister Oliver Gortat, so hieß es aus dem Rathaus, ist am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Wie Gortat die Situation nach dem ersten Augustwochenende beschrieb, finden Sie als Video-Statement im folgenden Beitrag:

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