In der Corona-Krise können Großveranstaltungen nicht stattfinden. Auch das Schlossseefest nicht. Dabei hatte die Organisationsmaschinerie der fünf veranstaltenden Salemer Musikvereine schon alles für ein weiteres erfolgreiches Fest vorbereitet. Die Unterhaltungsbands waren gebucht, für die Kulinarik standen die Bestellmengen fest und auch an das schöne Wetter hatten die Musiker gedacht.

In Corona-Zeiten leider undenkbar: 2019 waren die Biergartenplätze bei der Schlossseefest-Eröffnung alle eng besetzt.
In Corona-Zeiten leider undenkbar: 2019 waren die Biergartenplätze bei der Schlossseefest-Eröffnung alle eng besetzt. | Bild: Mardiros Tavit

Es hätte so schön werden können. Doch diesmal muss es bei Erinnerungen an die vergangenen Jahre bleiben. 2019 bewiesen Gäste und Veranstalter, dass nicht mal gutes Wetter zum Schlossseefest sein muss, um ausgelassen feiern zu können. Bei Regen feierten Tausende das Leben und die Unbeschwertheit auf dem Festgelände.

Gute Laune trotz Regen. Auch bei feuchtem Wetter blieb das Schlossseefest 2019 attraktiv für Tausende Besucher.
Gute Laune trotz Regen. Auch bei feuchtem Wetter blieb das Schlossseefest 2019 attraktiv für Tausende Besucher. | Bild: Mardiros Tavit
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Das überraschte auch die bayerische Coverband „Ois Easy“, die umso motivierter für ausgelassene Stimmung bei den Gästen sorgte. „Ihr seid der Wahnsinn“, kam es dem Sänger immer wieder über die Lippen.

2019 heizte die Stimmungsband „Ois Easy“ den Feiernden ein.
2019 heizte die Stimmungsband „Ois Easy“ den Feiernden ein. | Bild: Mardiros Tavit

Ein weiterer Anziehungspunkt des Schlossseefestes ist das Klangfeuerwerk. Das Schauspiel aus choreografierten Himmelsbildern zu Musikstücken gibt es so seit 2006, es wurde damals zum 25. Jubiläum des Schlossseefestes eingeführt. Doch die Organisatoren wollten mehr.

Seit Jahren einer der Höhepunkte: das Klangfeuerwerk, abgeschossen von zehn Pontons im Schlosssee.
Seit Jahren einer der Höhepunkte: das Klangfeuerwerk, abgeschossen von zehn Pontons im Schlosssee. | Bild: Mardiros Tavit

In der Dirigenten-Nachbesprechung des Festes kam die Idee einer eigenen Gemeindehymne auf, mit der das Fest zukünftig eröffnet werden sollte. Auch auf den Komponisten konnten sich die Dirigenten schnell einigen, ein Bekannter aus der Blasmusikszene sollte es sein: Kurt Gäble.

Eine Hymne für die Gemeinde

Meinrad Reiß, damals Sprecher des Schlosssee-Organisationskomitees, sprach in dieser Angelegenheit bei Bürgermeister Manfred Härle wegen einer finanziellen Unterstützung vor. Dieser war nicht abgeneigt. „Ich wollte es mir vorspielen lassen und hören, wie es geworden ist“, erinnert sich Härle bis heute. Am 5. Juni 2008 war es dann so weit. 300 Musiker aus den fünf Salemer Musikvereinen und Komponist Kurt Gäble trafen sich zu einer Orchesterprobe im Prinz Max. Eingeladen war auch der Bürgermeister.

Am fünften Juni 2008 dirigierte Komponist Kurt Gäble zum ersten Mal ein Orchester aus Musikern der fünf Salemer Musikvereine. Zuvor hatte er die neue Gemeindehymne „Salemonia“ vorgestellt.
Am fünften Juni 2008 dirigierte Komponist Kurt Gäble zum ersten Mal ein Orchester aus Musikern der fünf Salemer Musikvereine. Zuvor hatte er die neue Gemeindehymne „Salemonia“ vorgestellt. | Bild: Peter Schober

Elmar Notheis, damals Dirigent des Musikvereins Neufrach und Mitinitiator der Gemeindehymne, kann sich heute noch genau erinnern. „Alle waren begeistert. Es ist eine Besonderheit, ein Stück vom Komponisten selbst vorgestellt zu bekommen.“ Denn das Auftragswerk wurde nicht nur geprobt, Gäble stellte sein Werk in allen Einzelheiten vor.

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Welche Gedanken er sich gemacht hat, welche Passage welchem Bild entspricht. Einige Ideen hatten die Initiatoren ihm mit auf den Weg gegeben. „Unsere Vorstellung: Eine zündende Einleitung mit Fanfaren wie bei dem bekannten Marsch ‚Saint Triphon‘, ein schönes Basssolo und ein Trio ähnlich dem ‚Böhmischem Traum‘“, gab Notheis damals dem SÜDKURIER zu Protokoll.

Erinnerung: So sah es beim Auftakt des Schlossseefestes 2019 aus: Landtagsabgeordneter Klaus Hoher, Festsprecher Ronny A. Knepple, Dekan Peter Nicola, Brauereichef Ralf Rakel und Bürgermeister Manfred Härle (von links) beim Fassanstich.
Erinnerung: So sah es beim Auftakt des Schlossseefestes 2019 aus: Landtagsabgeordneter Klaus Hoher, Festsprecher Ronny A. Knepple, Dekan Peter Nicola, Brauereichef Ralf Rakel und Bürgermeister Manfred Härle (von links) beim Fassanstich. | Bild: Mardiros Tavit

Viel lob von Teilnehmern der Orchesterprobe

Teilnehmer von damals schwärmten von der Vorstellung und Probe. Ronny A. Knepple vom Musikverein Harmonie Lippertsreute und heute Sprecher des Schlossseefestkomitees: „Gäble hat uns mit unheimlich blumigen und bildhaften Anweisungen auf die Spur gebracht.“ Harald König, der damalige Dirigent des Musikvereins Beuren, urteilte nach der Probe: „Ein schwieriges Stück, aber sein Schöpfer hat es unheimlich gut verstanden, es uns beizubringen.“

Auch wenn die Salemonia dieses Jahr nicht vom 300-köpfigen Gesamtchor aus sechs Musikkapellen von fünf Musikvereinen gespielt wird und das 40. Salemer Schlossseefest eröffnet, wollte Manfred Härle den Tag nicht ohne Aktion vorbeiziehen lassen. Er lud das Organisationskomitee zu einem kleinen Umtrunk ins Café Schlosssee ein.

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Die Gemeindehymne Salemonia

  • 2006, zum silbernen Jubiläum des Schlossseefestes, kam in der Dirigentenrunde der fünf austragenden Musikvereine die Idee auf, eine Gemeindehymne in Auftrag zu geben. Alexander Riesch (Musikverein Harmonie Lippertsreute), Harald König (MV Beuren), Markus Dreher (MV Weildorf), Andreas Möhrle (MV Mimmenhausen), Elmar Notheis (MV Neufrach) und Udo Huber (Jugendkapelle Harmonie Lippertsreute) hielten damals die Dirigentenstäbe ihrer Kapellen. Meinrad Reiß war als Sprecher des Schlossseefestes mit dabei und trug das Anliegen Bürgermeister Härle vor.
  • Welturaufführung hatte das Auftragswerk beim 27. Schlossseefest. Komponist Kurt Gäble dirigierte selbst den über 300-köpfige Gesamtchor mit den sechs Kapellen aus fünf Musikvereinen. Auch der Titel der Gemeindehymne, Salemonia, stammt von ihm.
  • Die Vereine wollten „eine zündende Einleitung mit Fanfaren wie bei dem bekannten Marsch ‚Saint Triphon‘, ein schönes Basssolo und ein Trio ähnlich dem ‚Böhmischem Traum‘“, sagte Elmar Notheis damals dem SÜDKURIER. „Für einen so geschichtsträchtigen Ort wie Salem darf es kein trivialer Marsch sein. Da müssen Geschichte und Kultur mitschwingen“, zitierte damals SÜDKURIER-Reporter Peter Schober den Komponisten Kurt Gäble.
  • Nach der Uraufführung am 25. Juli 2008 schrieb Schober: „Sie hat gut eingeschlagen – die ‚Salemonia‘. Kräftige Fanfarenstöße zum Auftakt zeichnen das pulsierende Leben rund um das Salemer Schloss nach. Ein melodisch-lieblicher Mittelteil ist das musikalische Gegenstück der sanften Hügellandschaft, in die Salem eingebettet ist. Und schließlich versprühen alle Register jene Lebensfreude, die in Salem bei vielen Anlässen wie auch beim Schlossseefest aufkommt. ‚Wunderbar haben sie den Marsch gespielt, bei der Zugabe noch besser als beim ersten Mal‘, lobte Gäble die Salemer Musikanten. Nun könnte er sich noch vorstellen, dass man sich für den Mittelteil des Marsches einen auf Salem gemünzten Text überlegt.“ Seitdem erfreut sich die Salemer Gemeindehymne großer Beliebtheit bei Publikum und Musikern.

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