Herr Metzger, Sie sind Vorsitzender des Musikvereins Oberteuringen. Wie verlief das Corona-Jahr für die Trachtenkapelle und ihre Musiker?

Wir hatten während des ersten Lockdowns im Frühjahr eine Zwangspause beim Musizieren. Schon im März war klar, dass unser Blütenfest in diesem Jahr ausfällt. Das war aus zwei Gründen traurig. Zum einen ist es für alle im Verein, die Feuerwehr und alle weiteren Helfer, und natürlich für die Gäste eine großartige Veranstaltung. Zudem ist es für den Verein die wichtigste Einnahmequelle. Diese verlorenen Einnahmen können wir nicht mehr aufholen. Da geht es uns wie vielen Unternehmen und anderen Vereinen. Immer wieder haben wir per Skype beraten, wie wir musikalisch weitermachen können, welche Veranstaltungen oder Proben stattfinden können und welche aufgrund der Vorgaben ausfallen müssen.

Fanden Sie eine Lösung?

Ja, zum Glück. Mitte Juni konnten wir die Proben auf der Pferdekoppel eines Vereinskollegen wieder aufnehmen. Damit verbunden war ein hoher Aufwand: Das Einhalten der Abstands- und Hygieneregeln, Listen führen und so weiter. Aber es hat alle Musiker sehr gefreut und unter den gegebenen Umständen war es super. Auch das Wetter hat fast immer mitgespielt, sodass wir einmal und manchmal sogar zweimal pro Woche geprobt haben.

Wie war es, als Sie das erste Mal wieder zusammen spielen konnten?

Jeder hat sich auf das Wiedersehen gefreut. Es war eine tolle Stimmung und man konnte es jeder Musikerin und jedem Musiker anmerken, wie die gemeinsamen Proben gefehlt haben. Ich selbst gehöre nicht zu den aktiven Musikern, aber ich war so oft wie möglich mit Freude dabei.

Worauf haben Sie hin geprobt?

Das Ergebnis dieser Proben waren mehrere Konzertabende im August und September von Jugendkapelle und Trachtenkapelle im Pfarrgarten, die sehr gut ankamen. Die Besucher konnten ihre eigenen Stühle oder Picknick-Decken mitbringen. Der Aufwand, die Corona-Regeln einzuhalten, war auch hier enorm, aber er hat sich gelohnt und wir bekamen viel Unterstützung von unserem Pfarramt sowie der Gemeinde und natürlich von unseren Zuhörern.

Der Musikverein Oberteuringen macht aktuell Zwangspause: Vorsitzender Felix Metzger berichtet im Gespräch mit SÜDKURIER-Mitarbeiterin Claudia Wörner von Vereinsjahr unter Corona-Bedingungen und den Plänen für 2021.
Der Musikverein Oberteuringen macht aktuell Zwangspause: Vorsitzender Felix Metzger berichtet im Gespräch mit SÜDKURIER-Mitarbeiterin Claudia Wörner von Vereinsjahr unter Corona-Bedingungen und den Plänen für 2021. | Bild: Claudia Wörner

Im November gibt es ja definitiv keine Proben. Was empfehlen Sie den Musikern stattdessen?

Das können eigentlich am besten unsere Dirigenten beantworten. Aber ich weiß, dass viele sehr fleißig zu Hause üben. Für sie ist das Musizieren einfach ein schönes Hobby. Viele unserer Musiker sind auch sehr zielorientiert und sie wollen auf ihrem Niveau bleiben, um musikalisch gerüstet zu sein, wenn es wieder weitergeht.

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Sie selbst spielen ja kein Instrument. Wie kamen Sie zur Blasmusik und zum Vereinsvorsitz?

Mein Vater war lange Jahre Dirigent der Oberteuringer Trachtenkapelle. So fühlte ich mich schon als Kind mit dem Musikverein verbunden. Durch weitere Verwandte und Bekannte im Musikverein hat sich das entwickelt. Erst war ich stellvertretender Vorsitzender und seit 2019 bin ich Vorsitzender.

Aber ungewöhnlich ist es schon, dass Sie selbst nicht aktiv musizieren …

Als Kind habe ich schon einiges ausprobiert. Um mich herum war jedoch immer viel Musik, vielleicht habe ich deswegen nie den richtigen Ehrgeiz entwickelt. Umso mehr bewundere ich jetzt aber die aktiven Musiker in der Jugend- und in der Trachtenkapelle für ihr Engagement und ihren Enthusiasmus. Es gibt keine Veranstaltung oder Auftritt, der nicht mit viel Freude und Spaß am Musizieren verbunden ist.

Was haben Sie als Vorsitzender des Musikvereins aktuell zu tun?

Zusammen mit den anderen Vorstandsmitgliedern gibt es vor allem, die verschiedenen Veranstaltungen unter Corona-Bedingungen zu organisieren. Dazu gehört zum Beispiel auch die Mitgliederversammlung, die jetzt erneut ausfallen muss. Ich glaube, wir haben mittlerweile schon das fünfte oder sechste Hygienekonzept verfasst. Wir alle wollen auch in der aktuellen Situation im Sinne des Verein nach vorne denken. Wir wollen das Vereinsleben weiter aufrecht erhalten und natürlich auch bald wieder musizieren.

Gibt es schon Pläne für 2021?

Bis Ende November gibt es jetzt erst mal keine Proben. Dann schauen wir uns die neuen Vorgaben an. Zuletzt hat die Trachtenkapelle für das Adventskonzert geprobt – in vier Ensembles hätte es Teilkonzerte für jeweils circa 50 Zuhörer gegeben. Das wollen wir natürlich irgendwann nachholen. Aber einen Termin gibt es aktuell noch nicht. Gedanken machen werden wir uns in Kürze über das nächste Blütenfest im Mai. Es ist unklar, ob es im gewohnten Rahmen stattfinden kann. Aber wir wollen uns Alternativen überlegen. Theoretisch ist unser Kalender 2021 gut gefüllt, aber ich befürchte, dass wir auch im kommenden Jahr von Monat zu Monat die Situation anschauen müssen. Jetzt ist aber erst mal wichtig, dass alle gesund bleiben.

Was sind denn Ihre liebsten Hobbys neben der Organisation des Vereins?

Ich bin sehr gern in den Bergen unterwegs – im Sommer beim Wandern oder Mountainbiken und im Winter beim Skifahren. Ansonsten bin ich, wann immer es möglich ist, bei den Auftritten des Musikvereins dabei.

Zum Musikverein Oberteuringen gehört auch eine Musikschule. Findet aktuell Unterricht statt?

Ja, aktuell werden unsere Musikschülerinnen und -schüler unter den sehr strengen Hygienevorschriften des Landes Baden-Württemberg unterrichtet.

Warum halten Sie Musik für Kinder für wichtig?

Wenn wir etwas gemeinsam machen entsteht Freude und Spaß. Die Kinder lernen auf diesem Weg, dass sie viel erreichen können, wenn sie sich engagieren und sich Mühe geben. Sie können neue Freundschaften schließen und ihre Begeisterung für Musik mit anderen teilen.

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