Man stelle sich das Fasnets-Urviech Monia „Moni“ Endress als schwarzes Schaf vor mit einem weißen Streifen auf dem Bauch. So kommt sie zu ihrem Freund Baschti (Sebastian Schmäh) und der blökt sie auch gleich an, ob sie‘s zur Abwechslung mal mit einer weißen Weste versuchen wolle.

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Doch das Streifenschäfle klärt ihn auf: „Ich war Sonnenbaden am Rondell, und ich konnte meine Astralwampe leider nicht schnell genug vor den Markierungsarbeiten des Bauhofs wegrollen.“

Hatte dieser doch im Sommer die Liegewiese flugs in weiße Quadrate eingeteilt, um die Einhaltung der Corona-Abstandsregeln zu erleichtern. Über solche und viele weitere Gags von Moni und Baschti sowie all der anderen kreativen Akteure hätte man sich beim Schnabelgiere-Allerlei am vergangenen Wochenende freuen können.

Im vergangenen Jahr berichteten Moni (Monja Endress) und Baschti (Sebastian Schmäh) aus der Steinzeit. Auch für die Fasnet 2021 hätten sie gute Ideen gehabt.
Im vergangenen Jahr berichteten Moni (Monja Endress) und Baschti (Sebastian Schmäh) aus der Steinzeit. Auch für die Fasnet 2021 hätten sie gute Ideen gehabt. | Bild: Sylvia Floetemeyer
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„Der Narrengottesdienst tut den Leuten gut“

Doch die Narrenschau fiel wegen der Pandemie genauso ins Wasser, wie es fast die komplette Fastnacht tun wird. Doch halt, man könne zwar Veranstaltungen absagen, die fünfte Jahreszeit aber genauso wenig aus dem Kalender streichen wie Weihnachten oder Ostern, heißt es im Städtle. Und so werden die Meersburger auch nicht ganz darauf verzichten müssen.

Die bunten Bändel hängen schon, aus dem alten Weihnachtbaum vor dem Rathaus wird ein Narrenbaum und das ist immerhin ein schwacher Trost für den Ausfall des traditionellen Narrenbaumstellens, das am kommenden Sonntag stattgefunden hätte. Und Pfarrer Matthias Schneider hält auch eine Narrenmesse, wie er sie üblicherweise am Morgen vor diesem Ereignis zelebriert.

Dieses Jahr wird die Masse seiner Schäfchen sie aber nur per Video mitfeiern können. Denn der Gottesdienst, an dem lediglich einige geladene Vertreter aus allen Zünften der Seelsorgeeinheit mitwirken können, wird aufgenommen und kurz vor Fastnacht ins Internet gestellt. „Der Narrengottesdienst tut den Leuten gut“, glaubt Pfarrer Schneider.

Auch wenn Fasnetsveranstaltungen abgesagt sind, ist das Städtle doch bunt geschmückt. Der ehemalige Weihnachtsbaum vor dem Rathaus wird zum Narrenbaum.
Auch wenn Fasnetsveranstaltungen abgesagt sind, ist das Städtle doch bunt geschmückt. Der ehemalige Weihnachtsbaum vor dem Rathaus wird zum Narrenbaum. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Zunftmeister Waßmer ist gegen ein „Mini-Allerlei“ fürs Netz

Und wie hält es die Schnabelgiere-Zunft mit Fastnacht digital? Zunftmeister Norbert Waßmer findet es keine gute Idee, so etwas wie ein Mini-Allerlei fürs Netz zu produzieren. „Der Meersburger Humor ist etwas speziell, der kann drei Kilometer weiter schon etwas missverständlich sein“, so Waßmer verschmitzt. Vieles funktioniere nur in einer Live-Veranstaltung, in der direkten Interaktion mit dem Publikum.

„Der Meersburger Humor ist etwas speziell, der kann drei Kilometer weiter schon etwas missverständlich sein.“
Norbert Waßmer, Zunftmeister

Man habe im Herbst noch gehofft, ein Open-Air-Allerlei auf dem Schlossplatz veranstalten zu können. „Aber das hat sich inzwischen ja alles zerschlagen.“ Die DLRG plane aber ein digitales Kärrelerennen. Normalerweise läuft das sonst immer am Fasnetsmentig in der Oberstadt.

Ob es am Schmotzigen Dunschtig wenigstens eine Katzenmusik geben wird, ist noch nicht sicher. Er wisse nicht, ob es da mit der Ausgangsbeschränkung, die derzeit bis 5 Uhr morgens gilt, ein Problem gäbe, so Waßmer.

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Sein eigenes Narrenherz blute sehr, weil man das vergangene Jahr nicht alefänzig auf der Bühne und der Straße Revue passieren lassen könne – dabei hätte es doch so viel Material gegeben, seufzt Waßmer.

Am liebsten hätte er das „Bürgermeister-TiVi“, das das Rathaus seit einigen Monaten per Youtube ausstrahlt, auf die Schippe genommen. Und dass „man in Meersburg baden geht, wenn auch nur aufgrund der Finanzen“, wäre auch ein gefundenes Fressen gewesen.

Am Schmotzigen Dunschtig wäre Waßmer gerne als Impfstoff-Dealer durchs Städtle gezogen, die begehrte Mangelware in die Innenseite eines langen schwarzen Mantel eingenäht.

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Was dem Fridolin ein Genuss gewesen wäre...

Auch Waßmers Vorgänger, Ehrenzunftmeister Peter Schmidt, geistiger Vater des legendären „Fridolin“, findet: „Es isch granatesauschad, dass es ko Fasnet gibt.“ Mehr Material als 2020 habe es die vergangenen fünf Jahre nicht gegeben.

Auch ihm wäre es ein Genuss gewesen, das Bürgermeister-Fernsehen durch den Kakao zu ziehen, etwa die Episode, in der Kulturamtschefin Christine Johner Bürgermeister Robert Scherer mitteilt, dass Meersburg jetzt Weinstadt sei.

„Es isch granatesauschad, dass es ko Fasnet gibt.“
Peter Schmidt, Ehrenzunftmeister

Trocken meint „Fridolin“ Schmidt: „Ezt wisset mir Meersburger nach über 300 Johr endlich au mol, was des grüne Zeugs a dene Buckel vor unserer Haustüre isch.“ Einen Ausflug zum neuen Parkhaus, dem „Zwinger“, soll der Fridolin, gemeinsam mit dem Schnabelgiere, auch schon gemacht haben und beim Gang durchs Städtle soll ihnen so allerhand ins Auge gestochen sein: von uralten Kanaldeckeln und Abflussrohren über einen leger gewandeten Nikolaus nebst Knecht bis hin zur Entdeckung: „Wir haben in Meersburg nicht nur Corona, sondern auch Narzissmus.“

Fridolin (Peter Schmidt) findet es „granatesauschad“, dass die Fasnet dieses Jahr fast komplett ins Wasser fällt.
Fridolin (Peter Schmidt) findet es „granatesauschad“, dass die Fasnet dieses Jahr fast komplett ins Wasser fällt. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Närrische Themen gibt es also mehr als genug im Städtle, wie allein schon die Unterhaltungen mit diesen Akteuren ergeben. Ausreichend Stoff, um auch ein Narrenblättle zu füllen. Die Ausgabe 2021 erscheint, wie könnte es anders sein, am Schmotzigen Dunschtig. Verantwortlicher Redakteur ist der „Fenschtergucker“.