Beim Weltgebetstag der Frauen am 5. März steht in diesem Jahr Vanuatu im Mittelpunkt, ein Inselstaat im Südpazifik. In Zeiten der Corona-Beschränkungen können sich die Frauen nicht persönlich treffen, um den Weltgebetstag gemeinsam zu feiern. Daher hat das Organisationsteam aus Meersburg ein gemeinsames Online-Treffen auf Zoom organisiert, im Anschluss an die weltweite Übertragung des Gottesdienstes über Bibel-TV oder Social-Media-Portale.

Damit sich die teilnehmenden Frauen verbunden fühlen können, wurden im Martin-Luther-Haus rund 100 Tüten mit Materialien für den „Weltgebetstags Apéro“ gepackt. Mit bunter Ahoi-Brause und Ingwerkuchen – zum Selbstbacken nach dem beiliegenden Rezept aus der Südsee – können die Frau so den Gottesdienst im gemeinsamen Gespräch ausklingen lassen.

Christiane Bosch-Schrapp und Dorothee Wiedmann vom Vorbereitungsteam halfen beim Befüllen der Tüten und erzählten, welche Bedeutung der Tag für sie hat und wie er in den vergangenen Jahren gefeiert wurde.

Anteil der Männer beim Weltgebetstag der Frauen steigt

„Am wichtigsten ist für mich der Gedanke der Ökumene“, führt Christiane Bosch-Schrapp als ersten Punkt an. Der Weltgebetstag werde in Meersburg nicht in einer der Kirchen gefeiert, sondern abwechselnd im evangelischen Martin-Luther-Haus oder im katholischen Pfarrzentrum Sankt Urban. Regelmäßig würden die Mitglieder der evangelischen Chrischona-Gemeinde mit eingeladen. „Oftmals waren in den vergangenen Jahren auch Frauen oder Mädchen bei den Feierlichkeiten, die sonst eher wenig mit den Kirchen zu tun haben, auch der Anteil der teilnehmenden Männer ist angestiegen“, erzählt die Meersburgerin weiter. „Vielleicht liegt das auch an dem guten Essen“, fügt sie lachend an.

Das könnte Sie auch interessieren

Normalerweise ein Büfett mit Speisen aus dem jeweiligen Land

Der Weltgebetstag wird jedes Jahr von Frauen aus einem anderen Land gestaltet und für die gemeinsame Feier wird nach Rezepten aus dem jeweiligen Land gekocht. Das Vorbereitungsteam sorge für verschiedene Speisen und es gebe immer ein vielfältiges Büfett, oft auch mit landestypischen Getränken. „Davor gibt es Vorträge über das Leben der Frauen in dem jeweiligen Land“, erzählt Bosch-Schrapp weiter.

Die Künstlerin Juliette Pita greift die Situation auf, als der Zyklon Pam 2015 über Vanuatu hinweg zog. Ihr Motiv ist das Titelbild zum Weltgebetstag.
Die Künstlerin Juliette Pita greift die Situation auf, als der Zyklon Pam 2015 über Vanuatu hinweg zog. Ihr Motiv ist das Titelbild zum Weltgebetstag. | Bild: Juliette Pita

Auch Berichte von Frauen aus Vanuatu über ihren Alltag kommen in die Tüte

Dorothee Wiedmann zeigt die Gottesdienstordnung, die ebenfalls in die Tüten kommt. „Neben Liedern und Fürbitten sind dort auch Texte von Frauen aus Vanuatu, in denen sie von ihrem Alltag berichten.“ Der Inselstaat sei von Überschwemmungen, Vulkanausbrüchen und Stürmen bedroht, zudem kämpfe die Bevölkerung gegen das angeschwemmte Plastik aus dem Meer. „Sie brauchen selber kein Plastik, sondern nutzen Naturmaterialien und packen ihr sogenanntes Desaster Food in Bananenblätter“, erklärt Wiedmann. Mit Desaster Food sei Überlebensessen gemeint. Wenn ein Wirbelsturm nahe, dann versteckten sich die Inselbewohner in Schutzhütten, Höhlen oder in den Wurzeln des Bayan-Baumes, um vor umherfliegenden Gegenständen sicher zu sein. Da sie nie wüssten, was ihnen nach einem Sturm noch bleibe, vergraben sie vorher die Essenspakete, um im Anschluss an eine Naturkatastrophe noch Nahrung zu haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Jede Gemeinde befüllt ihre Tüten zum Weltgebetstag individuell

Da die 83 Inseln des Staates Vanuatu fast alle nur per Schiff zu erreichen sind, haben die Meersburger Frauen als Zeichen auch kleine Papierschiffe gebastelt, die ebenfalls in die Tüte wandert. „Die Tüten werden von jeder Gemeinde individuell gefüllt. Andere Gemeinden in Deutschland haben sich andere Aktionen für den Weltgebetstag ausgedacht“, erzählt Christiane Bosch-Schrapp.

„Mit dem Verteilen der Tüten können wir dafür sorgen, dass jeder mitmachen kann und keiner durch das Raster fällt.“
Dorothee Wiedmann

Älteren Menschen bringen die Organisatorinnen die Tüten vorbei

„Wir haben immer viele ältere Frauen dabei, denen werden wir die Tüten persönlich an die Haustür bringen.“ So könne in diesen Zeiten der Kontakt durch Haustürgespräche erhalten bleiben. „Es bittet ja kaum jemand um Hilfe, aber jeder freut sich, wenn er etwas geschenkt bekommt“, meint sie. Es sei eine andere Art der Wertschätzung. „Die Kirche kommt zu den Menschen“, ergänzt Dorothee Wiedmann und erzählt, wie gut ähnliche Päckchen schon im Advent oder zu Weihnachten ankamen. „Viele der Älteren haben kein Bibel-TV in ihrem Fernseher programmiert und haben auch keinen Computer. Mit dem Verteilen der Tüten können wir dafür sorgen, dass jeder mitmachen kann und keiner durch das Raster fällt.“

Pfarrerin Sigrid Süss-Egervari freut sich, dass ist ebenfalls dabei die Tüten zu packen.
Pfarrerin Sigrid Süss-Egervari freut sich, dass ist ebenfalls dabei die Tüten zu packen. | Bild: Lorna Komm (lko)

Pfarrerin freut sich, dass viele Frauen zu Haus für die Tüten gebastelt haben

Pfarrerin Sigrid Süss-Egervari freut sich über das Engagement der vielen Frauen aus Meersburg und Umgebung, die jede für sich allein zu Hause für den Inhalt der Tüten gebastelt, gehäkelt und geklebt haben. „Bei den Vorbereitungen kamen viele Ideen und es hat Spaß gemacht, in ökumenischer Gemeinschaft etwas zu tun.“ Weit über 30 Weltgebetstage habe sie schon mitgestaltet und dabei viel über das Leben der Frauen aus anderen Ländern erfahren.

Zoom-Apéro für den Weltgebetstag habe etwas „Witziges und Leichtes“

Auch wenn es dieses Jahr einen anderen Rahmen über die Videokonferenz gebe, so freue sie sich dennoch. „Mit den Zoom-Gottesdiensten haben wir schon gute Erfahrungen gemacht, die Menschen sind froh, sich zu sehen“, berichtet die Pfarrerin. Die Idee des Zoom-Apéro für den Weltgebetstag habe etwas „Witziges und Leichtes“. Und Silke Weigang hofft, auf die Art auch das Interesse von jungen Frauen und Jugendlichen an dem internationalen Geschehen zu gewinnen. Für sie sei der Weltgebetstag der Frauen eine Familientradition, „denn meine Mutter war dafür schon aktiv und ich versuche, meine Tochter zu animieren“, sagt sie beim Ordnen der Tüten.