Senioren erzählen Ursula Reimund von ihren Sorgen, ihrer Vergangenheit oder brauchen einfach jemand, der ihnen zuhört. Über die Servicestelle Bürgerschaftliches Engagement des Landratsamts Bodenseekreis können sich ältere Menschen melden, die Redebedarf haben. Ehrenamtliche Telefonpaten wie Ursula Reimund aus Meersburg melden sich dann wiederum telefonisch bei ihnen und haben ein offenes Ohr. Denn wenn das kurze Schwätzchen mit den Nachbarn über den Gartenzaun wegfällt oder die Enkel wegen der Ansteckungsgefahr nicht mehr kommen, kann es für alleinstehende Senioren schnell einsam werden.

„Die Gespräche sind interessant für einen selber und anregend. Ich höre gerne zu. Es macht einfach Freude“, sagt Ursula Reimund.
„Die Gespräche sind interessant für einen selber und anregend. Ich höre gerne zu. Es macht einfach Freude“, sagt Ursula Reimund. | Bild: privat

Alleinstehende Senioren freuen sich über Zuwendung

Reimund ist sich sicher: „Wenn man alleine ist, sind viele dankbar, wenn sich jemand Fremdes nach einem erkundet. Dann sprudelt es bei den meisten nur so aus einem heraus“, sagt die 66-Jährige im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Ebenfalls am Telefon. Es sei schon immer ihr Wunsch gewesen, Senioren zu besuchen und zu helfen. Da der persönliche Kontakt momentan nicht möglich ist, sei die „Plauschtelefon-Vermittlung“ eine gute Alternative.

Mit einer älteren Dame habe sie bereits telefoniert, die ein bewegtes Leben hatte. Ein häufiges Gesprächsthema älterer Menschen sei die Vergangenheit. Reimund glaubt, dass sich alte Menschen gerne an die Vergangenheit erinnern, da sie eine Menge erlebt haben.

KjG Frickingen-Altheim hilft beim Einkaufen

Für alle, die das Haus nicht verlassen möchten oder können, hat die katholische junge Gemeinde (KjG) Frickingen-Altheim seit dem ersten Lockdown im Frühjahr einen Einkaufsservice auf die Beine gestellt. Das Team besteht aus 15 Mitgliedern. Von Anfang an dabei ist die 17-jährige Aurelia Müller. Sie war schon für eine Risikopatientin einkaufen. Vorab wurde die Einkaufsliste zusammen durchgegangen, der Einkauf schließlich kontaktlos am Gartenzaun abgestellt. Das Geld holte Müller kurze Zeit später in einem Briefumschlag ab. Die Menschen seien sehr dankbar, erzählt Aurelia Müller.

„Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich gesund bin. Daher bin ich froh und helfe anderen.“
Aurelia Müller, Mitglied im Team des Einkaufsservice der KjG Frickingen
Aurelia Müller
Aurelia Müller | Bild: privat

Während beim ersten Lockdown viele das Angebot des Einkaufsservices in Anspruch nahmen, sei das beim aktuell zweiten harten Lockdown nicht der Fall. Müller schildert: „Im Moment ist es ruhig. Das wundert mich, weil jetzt die Situation eigentlich noch schlimmer ist als im Frühjahr.“ Sie vermutet, dass damals viele Menschen weniger vorbereitet waren als jetzt.

Nachbarschaftshilfe-Gruppen auf dem sozialen Netzwerk Facebook

Für andere einkaufen geht auch Sabrina Kreß Pintado. Sie ist in der virtuellen Gruppe „Nachbarschaftshilfe Markdorf – Coronahilfe“ auf Facebook aktiv. Diese wurde im Frühjahr von Matthias Schopf und Dilek Ellerbrock gegründet.

„Ich brauche keine Motivation, um zu helfen. Denn ich weiß selber nicht, ob ich jemals auf Hilfe angewiesen bin“, sagt Sabrina Kreß Pintado, Mitglied der Markdorfer Nachbarschaftshilfe auf Facebook.
„Ich brauche keine Motivation, um zu helfen. Denn ich weiß selber nicht, ob ich jemals auf Hilfe angewiesen bin“, sagt Sabrina Kreß Pintado, Mitglied der Markdorfer Nachbarschaftshilfe auf Facebook. | Bild: Sabrina Kreß Pintado

Kreß Pintado sei von Anfang an klar gewesen, dass sie helfen möchte, wo sie nur kann. So habe sich die Möglichkeit ergeben, einer krebskranken Frau, die das Haus nicht verlassen konnte, den Großeinkauf abzunehmen. „Es war ein sehr anspruchsvoller Einkauf, da ich in mehrere Geschäfte musste“, berichtet die Markdorferin. Leider konnte sie allerdings nicht erneut für die Frau einkaufen gehen. Ein paar Wochen später habe sie aus dem SÜDKURIER erfahren, dass sie verstorben ist.

Den Einkauf für Risikopatienten zu erledigen, ist für die Betroffenen eine große Hilfe. Auf dem Bild ist ein Einkaufswagen und ein Zettel mit den zu besorgenden Lebensmitteln von Andrea Arcangioli aus Meersburg zu sehen. Die 53-Jährige geht für andere ein paar mal die Woche einkaufen.
Den Einkauf für Risikopatienten zu erledigen, ist für die Betroffenen eine große Hilfe. Auf dem Bild ist ein Einkaufswagen und ein Zettel mit den zu besorgenden Lebensmitteln von Andrea Arcangioli aus Meersburg zu sehen. Die 53-Jährige geht für andere ein paar mal die Woche einkaufen. | Bild: Lena Reiner
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Hilfe für Familien anbieten

Einen Beitrag für die Gesellschaft möchte David Bovio leisten. Er bietet in der Überlinger Facebook-Gruppe „Du bisch von Überlingen, wenn...“ Hilfe für eine Familie an, die aufgrund von Homeoffice oder Schulschließung erhebliche Schwierigkeiten hat, Arbeit und Kind gerecht zu werden. Betroffene können sich dann bei ihm melden und er wählt eine Familie aus, die aus seiner Sicht am dringendsten Hilfe benötigt. Bovio schreibt in seinem Beitrag auf dem sozialen Netzwerk: „Ich werde das aus hygienischen Gründen nur für eine Familie machen und auch nur unter Wahrung der allgemeinen Hygiene und sonstigen aktuellen Bestimmungen.“ Sein Angebot richtet sich nicht nur an Familien, sondern auch an Angehörige von Pflegebedürftige, um diese zu entlasten. „Ich finde es schade, dass viele Hilfen nur Menschen mit Geld in Anspruch nehmen können. Ich sehe es als sinnvoll genutzte Zeit. Und davon abgesehen, macht mir Kinderbetreuung auch Spaß“, beschreibt Bovio seine Motivation.

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Jugendliche gründen Service für Rentner

Dennis Wartenberg, Hannes Burget und Moritz König haben die „Rentner-Hilfe Bodensee„ gegründet und sich darauf spezialisiert, älteren Menschen in Friedrichshafen, Markdorf und der näheren Umgebung in der Pandemie zu helfen. „Wir bieten einfach gesagt alles in Bereichen an, in denen man uns braucht. So erledigen wir Aufgaben im Garten wie Hecke schneiden und Rasenmähen, beim Einkaufen, bei der Entsorgung und Entrümpelung und im IT- Bereich, Drucker, Computer und so weiter“, zählt Dennis Wartenberg auf. Das alles machen die insgesamt sieben Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 18 Jahren in ihrer Freizeit neben Schule und Ausbildung.

Das Team der Rentner-Hilfe Bodensee besteht aus sieben Jugendlichen und hilft älteren Menschen im Alltag: (Von links) Moritz König, Philipp Sommer, Marvin Schellinger, Hannes Burget, Dennis Wartenberg und Jenny Rück. Auf dem Bild fehlt Inara Rezlaff, sie stand hinter der Kamera.
Das Team der Rentner-Hilfe Bodensee besteht aus sieben Jugendlichen und hilft älteren Menschen im Alltag: (Von links) Moritz König, Philipp Sommer, Marvin Schellinger, Hannes Burget, Dennis Wartenberg und Jenny Rück. Auf dem Bild fehlt Inara Rezlaff, sie stand hinter der Kamera. | Bild: Inara Retzlaff

Einer der Gründer, Dennis Wartenberg, sagt, dass ihr Service viel Zeit in Anspruch nehme. Jedoch sehe er es nicht als Zeitvertreib an, sondern als Lernmöglichkeit. Täglich rufen hilfsbedürftige Menschen bei ihnen an, die ihre Unterstützung in Anspruch nehmen wollen, freut sich Wartenberg.

„Wir haben uns Gedanken gemacht, wie und wo wir etwas verändern können.“
Dennis Wartenberg, Mitgründer der Rentner-Hilfe Bodensee

Helfer helfen Helfern: FC Dostluk über die Weihnachtsfeiertage aktiv

Ömer Albayrak ist im Vorstand des türkischen Fußballvereins FC Dostluk aktiv. Der Verein habe eine Anfrage der Stadt erhalten, im Zeitraum vom 19. Dezember bis 3. Januar bei der Auslieferung von Versorgungspaketen der Tafel zu helfen. „Natürlich haben wir unsere Hilfe angeboten und würden sehr gerne helfen“, sagt Albayrak.

Ömer Albayrak, Vorsitzender des FC Dostluk
Ömer Albayrak, Vorsitzender des FC Dostluk | Bild: privat

Da im Vorstand ausschließlich Menschen mit türkischer Herkunft tätig seien, feierten viele kein Weihnachten. „So können unsere Mitmenschen in Friedrichshafen ihre religiösen Tage mit ihren Liebsten und Engsten verbringen und müssen dabei nicht anderen helfen und Versorgungspakete ausliefern“, sagt er. Das sei eine super Gelegenheit zu zeigen, dass sich Häfler gegenseitig helfen und wertschätzen.

Seit dem 19. Dezember stünden er und weitere Helfer aus dem Verein nun abrufbereit. Allerdings habe Bürgermeister Straub sie an Heiligabend informiert, dass es bis jetzt keine Anfragen für Auslieferungen gab. Jedoch versichert Ömer Albayrak: „Wir stehen weiterhin für Menschen bereit, die Hilfe benötigen.“